Gespräche

„Alle für eins“ – Teamarbeit im Referendariat

Die Leistungsfähigkeit und das Wohlergehen von Lehrkräften wird maßgeblich von der Ausprägung der Zusammenarbeit in Schule und Seminar beeinflusst. Aktuelle Beschreibungen bestätigen, dass Referendare als „Einzelkämpfer“ die anstehenden Anforderungen oft nur unzureichend bewältigen können. Erkenntnisse aus der Schulforschung weisen daher der Kooperation und Teamarbeit eine besondere Bedeutung zu.
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Team- oder Gruppenarbeit verbessert nicht nur die Effektivität der Arbeit. Entlastungserlebnisse und Synergien tragen spürbar zu einer Erhöhung des Wohlbefindens und damit zu einer Verbesserung der beruflichen Situation bei.

Was ist ein Team?

In einem guten Team arbeiten mehrere Personen konstruktiv zusammen. Die Teammitglieder haben ein gemeinsames Ziel und sind durch ein „Wir-Gefühl“ miteinander verbunden.

Grundsätzlich bildet ein Team eine organisatorische Einheit, die nach dem Prinzip der Selbststeuerung an einer gemeinsamen Aufgabe, z. B. Planung einer Unterrichtseinheit, arbeitet.

Ausgangslage

Alle Lehrkräfte arbeiten regelmäßig und systematisch auf Fächer-, Jahrgangs- und Klassenebene zusammen. Für Referendare hat darüber hinaus das gemeinsame Arbeiten im Seminar Priorität.

Andererseits gibt es noch Schulen, in denen vieles im Geheimen geschieht: Da werden Informationen zurückgehalten, Unterricht allein vorbereitet und Absprachen vermieden. Referendaren macht man es in solchen Fällen unnötig schwer.

Tipps für eine bessere Zusammenarbeit im Referendariat

Geben und Nehmen

Damit muss einer anfangen! Vielen ist Teamarbeit fremd. Dabei bekommt man viel zurück, wenn man die eigenen Arbeitsblätter, die eigene Unterrichtsvorbereitung anderen zur Verfügung stellt, ein Zeichen des Vertrauens, das fast nie missbraucht wird.

Der Geber wird zum Nehmer; er bekommt von „Mitstreitern“ deren Unterlagen und profitiert durch „Materialbörse“ und Reflexion praktischer Erfahrungswerte.

Gemeinsame Planung

Planung, Erprobung und Reflexion eines Unterrichtsvorhabens gelingen am besten in einer kleinen Gruppe. Die Sicherheit resultiert aus der gegenseitigen Hilfe und der gemeinsamen Erledigung der Arbeit. Sinnvoll ist es auch, Unterrichtsstunden im Wechsel gemeinsam vorzubereiten. Zum Wohlbefinden tragen auch die Kleinigkeiten wie das Kopieren der Arbeitsblätter und der mitgebrachte Kaffee bei.

Freiwillige Unterrichtsbeobachtung

Zu Recht beklagen Referendare eine Überlastung durch Schule und Seminar. Dennoch: Die Hospitation und die Unterrichtsreflexion sind animierend. Referendare sind noch nicht „fertig“, sie profitieren von Ideen von Tipps und Tricks erfahrener Lehrkräfte.

Besonders effektiv ist die Zusammenarbeit, wenn zwei Referendare einen Unterricht gemeinsam beobachten und dann über zuvor vereinbarte Aspekte der Unterrichtsstunde reflektieren.

Miteinander sprechen

Viele Gedanken und Erkenntnisse ergeben sich erst im Gespräch. Einzelkämpfer versäumen die Gelegenheiten, neue Ideen zu entwickeln, Lösungen zu suchen und ihre Gedanken durch Kommunikation zu ordnen und zu festigen. So lassen sich z. B. Probleme mit Eltern oder Schülern im Team viel leichter bearbeiten.

Was schiefgehen kann

Gelegentlich gibt es bei Gruppenarbeiten Beobachtungen, dass einzelne Personen sehr dominieren und somit Synergieeffekte verhindern.

Probleme können dann entstehen, wenn Konflikte nicht angesprochen werden und unter der Decke schwelen.

Teamarbeit kann misslingen, wenn Egoismen die gemeinsame Arbeit überlagern.

Worauf zu achten ist

Ein Team braucht eine angemessene Zeit zur Erledigung seiner Arbeit.

Das Team soll nicht zu groß sein. Die Gruppe, die z. B. im Seminar kontinuierlich miteinander arbeitet, sollte nicht mehr als fünf Personen umfassen. Innerhalb der Schule gelingt die konstruktive Zusammenarbeit am besten zu zweit.

Ähnlich wie bei einer guten Unterrichtsstunde sollte am Ende eines Arbeitsvorhabens über das „Resultat“ und den „Prozess“ gemeinsam reflektiert werden.

Günther Hoppe verfügt über langjährige Erfahrungen als Lehrer, Schulleiter und Regierungsschuldirektor. Während seiner Dienstzeit lagen seine Arbeitsschwerpunkte vor allem in den Bereichen externe Evaluation, Qualitätssicherung und -entwicklung für Schulen. Zudem konnte Günther Hoppe zusätzliche Qualifikationen als EFQM-Assessor erwerben und war in der Qualifizierung neuer Schulleiterinnen und Schulleiter beschäftigt.

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