Unterricht

Schriftlich, mündlich, praktisch: So dokumentieren Sie Schülerleistungen sinnvoll

Leistungsbewertung in der Schule birgt viel Konfliktpotential. Durch eine lückenlos dokumentierte Bewertung schriftlicher, mündlicher und praktischer Leistungen und durch genau festgehaltene Beobachtungen des jeweiligen Arbeits- und Sozialverhaltens schaffen Sie Transparenz und eine wertvolle Grundlage für pädagogische Entscheidungen.
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Welchen Zweck erfüllen Noten?

Alle Lehrkräfte müssen den Schulordnungen gemäß regelmäßig die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler bewerten und Noten vergeben. Dies gilt für schriftliche, mündliche und praktische Leistungen. Die Bewertungen dienen den Schülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern zur Einschätzung des individuellen Leistungsstands und entscheiden am Jahresende über die Versetzung in die nächsthöhere Jahrgangsstufe oder über den Übertritt an eine weiterführende Schule. Daher sollten Noten sehr gewissenhaft dokumentiert werden.

Tragen Sie Leistungen ins Notenbuch ein

Die meisten Lehrkräfte besitzen ein Notenbuch, in das sie zu Schuljahresbeginn die Namen aller ihrer Schülerinnen und Schüler eintragen und in dem sie dann im Laufe der Zeit alle Bewertungen notieren, seien es Probearbeiten, praktische Leistungen oder  mündliche Unterrichtsbeiträge. Inwieweit Sie dafür ein vorgedrucktes Buch oder selbst erstellte Listen verwenden, bleibt Ihnen freigestellt. Welches System Sie aber auch immer nutzen möchten, wesentlich ist, dass Sie die Leistungsfeststellung bzw. die Noten unmittelbar nach der Leistungserhebung mit dem entsprechenden Datum festhalten.

Eröffnen und begründen Sie Noten zeitnah

Nur wenn die Bewertung für die Schülerinnen und Schüler transparent ist und ihnen zeitnah weitergegeben wird, können sie die Leistungsbeurteilung nachvollziehen. Im Besonderen gilt dies für mündliche Leistungen, die, weil sie im Nachhinein nicht mehr wörtlich rekonstruiert werden können, zumindest punktuell erläutert werden sollten. Machen Sie sich zu diesem Zweck Notizen in Ihren Schülerbeobachtungen, anhand deren Sie Schülerinnen, Schülern und Außenstehenden gegenüber die Bewertung begründen können. Im Falle von Rechtsstreitigkeiten vor dem Verwaltungsgericht ist eine möglichst lückenlose Dokumentation sehr vorteilhaft.

Behalten Sie den Überblick

Ein Überblick über die chronologische Entwicklung der Schülerleistung hilft dabei, pädagogische Ratschläge zu geben und Entscheidungen über die weitere Schullaufbahn zu treffen. Hat sich die individuelle Leistung im Verlauf des Schuljahres kontinuierlich verschlechtert oder stetig verbessert? Gibt es auffällige Schwankungen, die im Zusammenhang mit persönlichen Erfahrungen stehen? Auf der Grundlage solcher Diagnosen können Prognosen über den weiteren Erfolg einer Schülerin oder eines Schülers getroffen werden.

Tragen Sie die Leistungen in Notenbögen ein

Die Bewertungen der Probearbeiten werden darüber hinaus an vielen Schulen auch in Notenbögen eingetragen, die an zentraler Stelle verwahrt werden, so dass sie für Kolleginnen und Kollegen, Betreuer und Schulleitung jederzeit einsehbar sind. Auf diese Weise kann rasch ein Eindruck vom fächerübergreifenden Leistungsstand einzelner Schülerinnen und Schüler oder von der durchschnittlichen Leistung einer ganzen Klasse gewonnen werden, z. B. als Grundlage für ein Elterngespräch oder eine Klassenkonferenz.

Verwenden Sie dokumentenechte Tinte

Verwenden Sie ausschließlich dokumentenechte Schreibgeräte (Kugelschreiber oder Tinte), um Noten aufzuzeichnen, niemals Bleistift. Falls Sie eine Bewertung korrigieren müssen, streichen Sie sie durch, schreiben Sie sie neu und versehen Sie die Korrektur mit Ihrem Kürzel, damit der Vorgang nachvollziehbar ist. Auf schriftlichen Arbeiten vermerken Sie die Zensur mit roter Tinte.

Dokumentieren Sie das Schülerverhalten genau

Oben genannte Tipps zur Eintragung individueller Leistungen ins Notenbuch gelten außerdem für Schülerbeobachtungen. Um Informationen darüber zu erhalten, welchen Lern- und Arbeitsweisen die Lernenden nachkommen, bilden zielgerichtete Schülerbeobachtungen eine sinnvolle Ergänzung zu schriftlichen Arbeiten. Gleichzeitig werden damit auch verschiedene Kompetenzen als Ziel von Unterricht ins Auge gefasst (z. B. Präsentieren, Kommunizieren), bei denen die Ausführung von Handlungen im Vordergrund stehen. Die Beobachtungen gilt es, unmittelbar danach mit Datum versehen niederzuschreiben. In welcher Form Sie dies tun, ist Ihnen selbstverständlich freigestellt und obliegt Ihrer eigenen Verantwortung. In Bundesländern wie Bayern sind den Lehrkräften Schülerbeobachtungen mittlerweile vorgeschrieben und müssen dem Schulleiter nach einem Unterrichtsbesuch vorgelegt werden. Aber auch für Elterngespräche und Zeugnisse sind sie eine nützliche Grundlage und Orientierungshilfe. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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