Unterricht

Korrekturen von Klassenarbeiten als fördernde Maßnahmen begreifen

Schriftliche Leistungserhebungen dienen der Leistungsmessung. Wenn Lehrkräfte gewissenhaft und transparent korrigieren und die Schülerinnen und Schüler die Korrekturen beherzigen, geben schriftliche Arbeiten im Nachhinein noch wertvolle Hinweise zur Leistungsverbesserung.
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Korrekturen geben Hinweise auf Stärken und Schwächen

Schriftliche Leistungserhebungen sind an allen Schulen und in fast allen Fächern ein zentrales Instrument zur Leistungsmessung. Sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler ist es wichtig zu wissen, was im Rahmen des Unterrichts erreicht wurde. Dabei sollte die Korrektur den Schülerinnen und Schülern so genau wie möglich Aufschluss über ihre Stärken und Schwächen geben, damit sie Strategien entwickeln können, um künftig Fehler zu vermeiden.

Leistungsverbesserung setzt Fehleranalyse voraus

Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler ihre schriftlichen Arbeiten mit nach Hause nehmen und geben Sie ihnen mehrere Tage Zeit, sich damit zu beschäftigen, damit sie die eigenen Fehler eingehend analysieren und gezielt an ihren Schwächen arbeiten können. Auch die Erziehungsberechtigten und/oder Nachhilfelehrkräfte sollten die Möglichkeit erhalten, sich anhand der Arbeiten ein konkretes Bild von der Leistung des Lernenden zu machen.

Verbesserung der eigenen Fehler hilft, Fehler zu vermeiden

Sinnvollerweise verbinden Sie die Rückgabe eines schriftlichen Leistungsnachweises mit dem Arbeitsauftrag, die Fehler schriftlich zu verbessern. Wichtig ist hier, dass Sie diese Hausaufgabe im Anschluss auch kontrollieren. Lassen Sie nicht zu, dass Ihnen die Lernenden ihre Arbeiten umgehend nach der Herausgabe und Notenbekanntgabe wieder zurückgeben, denn auf diese Weise kann keine Reflexion erfolgen und es ist kein individueller Fortschritt möglich.

Transparenz schafft Akzeptanz

Damit die Schülerinnen und Schüler die Zensur nachvollziehen, die eigenen Stärken und Schwächen erkennen und ihre Leistung verbessern können, achten Sie auf eine transparente Korrektur. Das bedeutet:
  • Kennzeichnen Sie alle Fehler und Schwächen.
  • Vermerken Sie richtige und gute Lösungen.
  • Verwenden Sie allgemein gebräuchliche Korrekturzeichen und erläutern Sie sie.
  • Verdeutlichen Sie – z. B. durch unterschiedliche Korrektursymbole –, ob es sich um leichte oder schwerwiegende Fehler handelt.
  • Erläutern Sie das rechnerische Verhältnis von Fehlern, Bewertungseinheiten und Zensur.
  • Fassen Sie die wesentlichen Aspekte in einer abschließenden Bemerkung zusammen und geben Sie dort individuelle Anregungen zur Leistungsverbesserung.

Selbstverständlich sind diese Hinweise auf die verschiedenen Klassenstufen in der Grundschule anzupassen.

Inhaltsbezogene Korrekturbogen schaffen Transparenz

Transparenz sollen auch sog. „inhaltsbezogene Korrekturbogen“ gewährleisten, auf denen die Bewertung in verschiedene Kriterien untergliedert wird (im Aufsatz z. B. Sprache, Inhalt, Form, …). Diese Korrekturbogen sind bei rein formalen Aufgabenstellungen (z. B. Mathematikaufgaben) allerdings nicht sinnvoll, sondern nur bei komplexeren Anforderungen in Textform. Ein Nachteil dieser Bogen besteht darin, dass die verschiedenen Aspekte häufig rein additiv wahrgenommen werden, während eine schriftliche Ausführung mehr ist als die Summe ihrer Teile.

Positive Korrektur fördert individuell

Wenn eine Aufgabenstellung eine einheitliche Lösung erfordert (z. B. Multiple-Choice-Test, Zuordnungsaufgaben, Diktat), so genügt es, auf der Schülerarbeit zu vermerken, ob die Aufgabe korrekt gelöst worden ist, und im Plenum die Musterlösung vor der Herausgabe der Arbeit gemeinsam zu besprechen und schriftlich zu fixieren. Ist aber eine individuelle Lösung (z. B. eine Textproduktion) verlangt, dann reicht es nicht, Fehler anzustreichen, sondern Sie müssen auch einen Verbesserungsvorschlag machen – dies nennt man „positiv korrigieren“.  JS

Weitere Möglichkeiten, Ihre Schüler zu benoten, bieten Ihnen die Kurzarbeit, Stegreifaufgaben und Kopfnoten. Aber auch mündliche und praktische Unterrichtsbeiträge können Sie ebenso zur Benotung heranziehen wie auch das Erstellen der Hausaufgaben.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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