Basics Referendariat

Von Pestalozzi, Pawlow und den Paragrafen – die allgemeinen Fächer im Vorbereitungsdienst

Die allgemeine Ausbildung ist ein wesentlicher Bestandteil des Vorbereitungsdienstes. Hier behandeln Sie alle Themen, die nicht direkt mit der Didaktik und Methodik Ihrer Unterrichtsfächer zu tun haben. Zum Ende des Referendariats findet eine mündliche Prüfung in diesen Fächern statt.
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Inhalt der allgemeinen Ausbildung

Die allgemeine Ausbildung umfasst die Themenbereiche

  • Pädagogik (Allgemeine Pädagogik und Schulpädagogik),
  • Psychologie,
  • Schulrecht,
  • Schulkunde
  • und politische Bildung (staatsbürgerliche Bildung).

Pädagogik

Im Bereich der Pädagogik vertiefen Sie im Studium erworbenes Wissen. Zentrale Themenkomplexe sind:

  • Erziehen und Bilden,
  • Lehren und Lernen,
  • Fördern und Beraten,
  • Schule gestalten und entwickeln.

Im Bereich Erziehen und Bilden steht das erzieherische Handeln einer Lehrkraft im Vordergrund. In den entsprechenden Einheiten vertiefen Sie Ihre Kenntnis zentraler Bildungs- und Erziehungsaufgaben wie Konfliktbewältigung, Umwelt- und Gesundheitserziehung, Medienerziehung oder kulturelle Erziehung.

Im Bereich Lehren und Lernen liegen die Schwerpunkte auf der Unterrichtsplanung und -gestaltung sowie der Evaluation der Unterrichts- und Lernprozesse.

Der Themenkomplex Fördern und Beraten gibt Aufschluss über die individuelle Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler. Hier wird auch der Umgang mit Lernenden mit besonderen Lernbedingungen (z.B. ADHS) besprochen. Die Pädagogik liefert zudem nützliche Handreichungen zur Beratung von Schülerinnen und Schülern und zur konstruktiven Durchführung von Elterngesprächen.

Im Bereich Schule gestalten und entwickeln beschäftigen Sie sich mit Fragen des Schulprofils und der Schulkultur. Hier lernen Sie unter anderem alles zu Eltern- und Schülerinitiativen und deren Organisation, aber auch zur Entwicklung eines Schulprofils oder die Durchführung von schulinternen Fortbildungen.

Psychologie

Auch der Bereich der Psychologie basiert auf Ihrem Vorwissen aus dem Studium. Ihm Rahmen der zweiten Ausbildungsphase geht es jetzt vor allem um den praktischen Nutzen dieser Fachrichtung. Folgende Themen stehen bei der Ausbildung im Zentrum:

  • Selbst- und Sozialkompetenz der Lehrkraft entwickeln
  • Sozialverhalten und Beziehungen gestalten
  • Lern- und Arbeitsverhalten entwicklungsgerecht fördern
  • Beraten und Konflikte bewältigen

Der Bereich der Sozial- und Selbstkompetenz soll dazu verhelfen, sich selbst evaluieren und reflektieren zu können, quasi als ein Blick von außen auf sich selbst.

Das Training im Sozialverhalten dient zum Erlernen von Klassenführungskompetenzen sowie eine produktive und konstruktive Interaktion mit den Lernenden, Eltern und Kollegen gestalten zu können.

Nicht selten muss man die Schülerinnen und Schüler erst für den Unterricht motivieren. Dies steht beim Lern- und Arbeitsverhalten im Vordergrund: Wie gelingt es, Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu motivieren? Wie kann ich als Lehrkraft Anleitung zu problemlösendem Denken geben? Welche Möglichkeiten habe ich, Lernprobleme diagnostizieren zu können?

Die Beratung und Konfliktbewältigung gehören auch zur Aufgabe einer Lehrkraft. Hier kommen Aspekte wie Disziplinschwierigkeiten sowie die Analyse und Modifikation von abweichendem Schülerverhalten zum Tragen.

Schulrecht

Das Thema Schulrecht befasst sich mit der offiziellen Ordnung der Schule und des Schulwesens. Grundlagen des Schulrechts sind:

  • Rechtsstaats- und Demokratieprinzip, die Grundechte, die Verfassung,
  • Normenhierarchie,
  • Verwaltungsakt,
  • Kulturhoheit der Länder.

Neben diesen Grundlagen behandelt das Schulrecht Aspekte wie das Beamtenrecht, Aufsichtspflicht und den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule. 

Schulkunde

Die Schulkunde erläutert die Organisationsstruktur des Schulwesens im Allgemeinen und der Schule im Besonderen. Themen sind unter anderem:

  • Gliederung des Schulwesens,
  • Aufbau der Schulverwaltung, Schul- und Hausordnung,
  • Bildungskonzeptionen und Standortbestimmung der Schule (soziale, rechtliche, wirtschaftliche und politische Ordnung der Bundesrepublik Deutschland und des Bundeslandes),
  • besondere Unterrichtsinhalte, fächerübergreifende Inhalte (Familien- und Sexualerziehung, Suchtprävention, Umwelterziehung, Unfallverhütung, Sicherheitserziehung, Verkehrserziehung, berufliche Orientierung),
  • Vorbildfunktion der Lehrkraft und die Aufsichtspflicht.

Politische Bildung

Politische und staatsbürgerliche Erziehung ist Angelegenheit aller Lehrkräfte. Dies ist in den Bildungsstandards der einzelnen Bundesländer festgehalten. Der Bereich Politische Bildung geht dabei im Wesentliche auf Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung ein:

  • die politische Ordnungsform der Europäischen Union, Deutschlands und des jeweiligen Bundeslandes,
  • der politische Prozess in der parlamentarischen Demokratie (Meinungsbildung, Herrschaftsverhältnisse, Gesetzgebung, Machtbegrenzung und -kontrolle),
  • ökonomische und soziologische Grundprobleme der heutigen Gesellschaft,
  • besondere Unterrichtsinhalte im Rahmen der politischen Bildung.

Die Mündlichen Prüfungen zum Ende des Referendariats

Am Ende des Vorbereitungsdienstes werden Sie in den Allgemeinen Fächern geprüft. Wie lange die Prüfung dauert und wie sie aufgebaut ist, können Sie in der jeweiligen Prüfungsordnung einsehen.   MK

Informieren Sie sich zusätzlich darüber, worauf Sie nach dem Referendariat bei der Lehrerfortbildung achten müssen.

 

 

 

Der Autor Matthias Kley arbeitet seit über 15 Jahre als Texter und Autor für verschiedene Schulbuchverlage.

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