Gespräche

Sprechstunde oder Elternsprechtag: So bereiten Sie sich als Lehrer optimal vor

Allzu oft erschrecken Lehrer, wenn sich ein Elternteil für ein Gespräch anmeldet und sehen Unzufriedenheit als mögliche Ursache des Besuches. Dabei gilt es, diesen Gesprächsrahmen positiv zum Wohle des Schülers zu nutzen und sinnvoll zu gestalten.
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Nehmen Sie sich Zeit

Schon am Schuljahresanfang bekommen die Eltern einen festen Sprechstundentermin übermittelt und können diesen Gesprächsrahmen nutzen. Elternteile, die zu Hause und nicht berufstätig sind, können die meist auf den Vormittag gelegten Sprechzeiten problemlos besuchen. Doch gerade berufstätige Mütter oder Väter haben hier oftmals terminliche Schwierigkeiten. Eine Möglichkeit diesen trotzdem ein persönliches Gespräch zu ermöglichen ist es, sie zum Elternabend einzuladen. Dieser findet in der Regel am späten Nachmittag bzw. frühen Abend statt und der Besuch ist für die meisten möglich. Damit der Andrang allerdings nicht zu groß ist und die Zeitfenster somit nicht zu kurz sind, fordern Sie die Eltern schon am ersten Elternabend dazu auf, wenn möglich vormittags in die Sprechstunde zu kommen und die Termine am Elternabend vor allem für berufstätige Eltern freizuhalten. Nichtsdestotrotz werden Sie Gespräche in diesem Rahmen immer kürzer halten müssen, als dies in der Sprechstunde üblich ist – das lässt sich nicht vermeiden und muss auch den Eltern klar sein.

Um Erziehungsberechtigten Ihre Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, gilt es grundsätzlich, sich bezüglich der Gesprächstermine möglichst flexibel zu zeigen. Vielleicht haben Sie auch unabhängig von der festgelegten Sprechstunde einmal etwas Zeit, sich einem Elternteil zu widmen. Dies sollte natürlich nicht zur Gewohnheit werden und eine Ausnahme bleiben, doch wird ein solches Entgegenkommen von Eltern durchaus wertgeschätzt.

Im Allgemeinen ist es ratsam, die einzelnen Gespräche zeitlich nicht zu knapp zu kalkulieren. Nehmen Sie sich Zeit für die Belange der Eltern und vermeiden Sie – wenn möglich –, dass das Gespräch aufgrund eines anderen, wartenden Elternteiles abgebrochen werden muss, ohne zu einem einvernehmlichen und befriedigenden Lösungsansatz gekommen zu sein.

Schaffen Sie angenehme Rahmenbedingungen

Um von vornherein eine gute Gesprächsatmosphäre herzustellen, sollte man passende Rahmenbedingungen schaffen und auch auf Details achten, die dies ermöglichen. Stellen Sie einen bequemen Stuhl bereit, auf dem die Mutter oder der Vater Platz nehmen kann. Damit wirken Sie dem Eindruck entgegen, dass Sie das Gespräch möglichst kurz halten wollen – Sie schaffen Bequemlichkeit. Ein zweites Argument für einen komfortablen Stuhl ist, dass Sie den Eltern somit auf gleicher Augenhöhe begegnen und unterbewusst ein Gefühl der Gleichstellung schaffen. Setzen Sie sich zudem „barrierefrei“ gegenüber – das heißt ohne dazwischenstehendes Pult oder Ähnliches. Achten Sie außerdem auf eine offene Körperhaltung bzw. -sprache. Wer spricht schon gerne mit einem Menschen, der einem abgewandt und womöglich noch mit verschränkten Armen gegenübersitzt? Die Körpersprache ist bei jeder zwischenmenschlichen Begegnung von großer Bedeutung.

Machen Sie sich ein detailliertes Bild von Ihrem Schüler

Von essentieller Bedeutung ist außerdem Ihre gute Vorbereitung auf das Gespräch. Um eine gewinnbringende Beratung sicherzustellen, müssen Sie ein klares Bild sowohl von der Persönlichkeit der Schülerin bzw. des Schülers als auch von ihren bzw. seinen Leistungen vor Augen haben. Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen?

Zur Belegung Ihrer Ausführungen legen Sie sich folgende Unterlagen bereit:

  • Ihr Notenbuch
  • Ihre Schülerbeobachtungen
  • Klassenarbeiten der Schülerin bzw. des Schülers
  • Hefteinträge oder Hausaufgaben

Machen Sie sich vorher Notizen auf einem Zettel, den Sie dann während des Elterngespräches griffbereit haben. Woran muss die Schülein bzw. der Schüler mit Ihrer beider Mithilfe noch arbeiten? Welche Stärken sollen ausgebaut werden? Welche Lösungsansätze bzw. Fördermöglichkeiten sehen Sie? Eine gute Vorbereitung gibt Ihnen Sicherheit und macht eine flexible Reaktion Ihrerseits auf Elterneinwände bzw. -bedürfnisse möglich.

Zeigen Sie sich auch auf schwierige Gespräche vorbereitet

Steht ein schwieriges Elterngespräch ins Haus – das ist einem in der Regel ja schon vor dem Termin bewusst – sind die oben genannten Aufzeichnungen natürlich besonders wichtig. Diese Dokumentationen können und sollen Ihre Ausführungen belegen! Gerade bei problematischen Schülerinnen und Schülern hilft es zudem oftmals, sich vor dem Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen über deren Erfahrungen mit dem Lernenden auszutauschen. Dies ermöglicht einen klareren Blick auf die Situation.

Zögern Sie in schwierigen Fällen auch nicht, einen Kollegen oder in extremen Fällen sogar die Schulleitung um deren Anwesenheit beim Gespräch zu bitten. Läuft dieses nämlich in eine „falsche Richtung“ oder werden Einwände plötzlich zu Angriffen, kann diese schlichtend einschreiten. Im Falle eines Falles haben Sie außerdem einen Zeugen für die Inhalte und den Ablauf des Gespräches.

Bringen Sie Struktur in das Gespräch

Damit ein Elterngespräch nicht einfach nur „dahinplätschert“, sondern lösungsorientiert abläuft, können Sie sich gerade am Anfang Ihres Lehrerdaseins auf folgenden Vorschlag für einen Gesprächsablauf stützen:

  • Gesprächseinstieg: Bevor sich das Augenmerk des Gespräches überhaupt auf die Schülerin bzw. den Schüler richtet, stellen Sie zunächst einen positiven emotionalen Kontakt zum Gesprächspartner her. Fragen Sie zum Beispiel nach dessen Wohlergehen oder knüpfen Sie an aktuelle Schulaktionen an.
  • Gesprächsgrund: Anschließend soll der Elternteil sein Anliegen in Worte fassen. Worum geht es heute? Gibt es einen bestimmten Anlass für das Gespräch?
  • Gesprächsziel: Formulieren Sie dann gemeinsam das Ziel des Gespräches, denn nur so können Lösungen gefunden werden.
  • Wege zum Ziel: Ausgangspunkt der weiteren Überlegungen muss nun natürlich der Lernende sein. Analysieren Sie gemeinsam mit dem Elternteil Stärken und Schwächen, um den genauen Förder- und Entwicklungsbedarf des Kindes zu klären. Wie sehen Sie die Sache und was ist Ihre fachmännische Ansicht? Die Lösungserarbeitung erfolgt dann gemeinsam und wird nicht einfach vorgegeben. Die Eltern sollen sich aktiv einbringen.
  • Feedback: Bitten Sie die Mutter oder den Vater im Anschluss an das Gespräch um ein kurzes Feedback. Ist sie oder er mit den erarbeiteten Lösungsansätzen zufrieden und kann zu Hause auch damit arbeiten?

Egal an welchem Punkt des Gespräches Sie sich befinden, lassen Sie die Eltern stets aussprechen. Unterbrechen Sie diese nicht und zeigen Sie sich als guter Zuhörer!

Nehmen Sie auch den Lernenden in die Verantwortung

Eine Sprechstunde muss nicht immer nur zwischen Ihnen und einem bzw. beiden Elternteilen stattfinden. Warum laden Sie die „Hauptperson“ nicht mit dazu ein? Warum soll man nicht MIT der Schülerin bzw. dem Schüler, statt nur ÜBER sie bzw. ihn sprechen? Schließlich wird hier ja nichts Geheimes besprochen, was nicht auch an die Adresse des Kindes gerichtet werden könnte und sollte.

Bevor Sie die Schülerin bzw. den Schüler aber dazu einladen, klären Sie in einem vorherigen Gespräch mit den Eltern, ob das für sie auch in Ordnung ist. Wenn alle damit einverstanden sind, fordern Sie die Schülerin bzw. den Schüler in einem Einzelgespräch dazu auf, sich vorher ebenfalls auf das Gespräch vorzubereiten. Die Jugendlichen sollen lernen, sich selbst zu reflektieren. Hier besteht nun eine großartige Möglichkeit, diese Fähigkeit weiter zu schulen: Wo liegen meine Stärken? Woran muss ich noch arbeiten? Wie können mir meine Eltern und meine Lehrkraft dabei helfen? Vereinbaren Sie gemeinsam Ziele und entsprechende Wege, die zur Erreichung dieser führen. Ein solches Dreier- bzw. Vierergespräch bietet außerdem eine hervorragende Chance, den Lernenden zu zeigen, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen und zu seinen Gunsten zusammenarbeiten. Bei schwierigen Schülerinnen und Schülern können Sie diesen damit klar signalisieren, dass Sie gemeinsame Absprachen treffen und für deren konsequente Einhaltung einstehen. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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