Unterricht

Feedback-Methoden zur Unterrichtsbewertung

Gerade wenn du beim Lesen dieses Wortes denkst, dass du hierzu keine Infos mehr brauchst, solltest du weiterlesen, denn was du darunter verstehst, ist nur zum Teil gemeint: bewerten, beurteilen, beraten. In deinem Ausbildungsstand bist du aber auch Lernender und wirst bewertet, beurteilt und hoffentlich beraten. Du wirst unterrichtet und bekommst ein Feedback. Aber möchtest du nicht auch sagen können, wie dir der Unterricht, die Beratung und alles andere gefallen hat? Und genau das denken deine Schüler auch, vielleicht auch die Eltern oder deine Kollegen.
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Vielleicht stimmst du zu und bestätigst, dass es wichtig ist, auch die andere Seite zu hören. Vielleicht willst du von deinen Schülern aber gar nicht hören, was sie von deinem Unterricht halten, weil du u. a. glaubst, dass das zu nichts führt? Dabei machst du dir sicher durchaus Gedanken darüber, was deine Schüler über dich denken, was sie aus deinem Unterricht mitnehmen.

2009 schrieb John Hattie dazu Folgendes:

„Wenn Lehrer […] offen sind für Feedback von den Schülern über das, was sie wissen, […], wo sie Fehler machen, wann sie etwas missverstehen, wann sie nicht interessiert sind – dann können Lehren und Lernen aufeinander abgestimmt werden […]. Feedback an Lehrer hilft, Lernen sichtbar zu machen.“ (Hattie-Studie 2009, S. 173)

Doch kann man Lernen von der lehrenden Person trennen? Hattie meint dazu, dass. Kompetenzerwerb und Wissenszuwachs im kognitiven Bereich im Vordergrund stünden. Lob darf nicht mit Feedback verwechselt werden. Es tut zwar gut, ist aber etwas anderes. Beides zusammen hat jedoch eine positive Wirkung auf deinen Unterricht.

Gemeinsam mit Timperley hat Hattie 2007 ein Feedback-Modell entwickelt, bestehend aus Aufgabe, Lernprozess, Selbstregulation. Letztere ist unterteilt in drei Phasen:

  • Zuerst das Feed back, das Antwort auf die Frage nach dem Fortschritt der Lerninhalte liefert. Feedback kann erst dann gegeben werden, wenn bereits gearbeitet wurde.
  • Es folgt das Feed forward als Ideenlieferant, was als Nächstes kommen wird.
  • Und schließlich ein Feed up, bei dem ständig das Ziel hinterfragt wird.

Hier noch ein paar Ideen, um Feedback einzuholen:

Die Lernenden erhalten Karteikarten. Auf die eine Seite schreiben sie etwas Positives zum Lernprozess, auf die Rückseite etwas Negatives, ggf. mit Fragen begleitet, z. B.: „Was hast du Neues gelernt?“, „Was wusstest du schon?“ Ausgewertet werden die Aussagen dann in Ruhe. Versuche nicht, Rückschlüsse auf den Verfasser zu ziehen, sondern versteh die Botschaft.

Entwirf eine Zielscheibe und trage auf ihr verschiedene Bereiche ein, z. B.: Methode, Arbeitsaufwand, Material, Inhalt usw. Die Schüler dürfen nun Punkte kleben. Je näher diese zur Mitte liegen, desto größer die Zustimmung.


Ja oder Nein. Gut oder schlecht. Klar oder unklar. Dies sind nur ein paar Wortpaare, zwischen denen sich die Schüler entscheiden müssen. Dazu werden einfache Fragen formuliert, wie z. B.: Hast du heute etwas Neues gelernt? Die Schüler schreiben ein Wort auf einen Zettel und werfen ihn in eine Box. Zähl das Ergebnis später aus und gib es den Schülern in der Folgestunde bekannt.


Fünf-Finger-Feedback. Jeder Schüler zeichnet seine Hand ab. Vermerkt wird auf dem 

  • Daumen, was neu und spannend war,
  • Zeigefinger, was geändert werden könnte,
  • Mittelfinger, was überflüssig war,
  • Ringfinger, was beibehalten werden soll,
  • kleinen Finger etwas Lustiges.

Besorge Murmeln und stell drei Gläser auf. Die Gläser sind mit Stimmungssymbolen beschriftet: :-) :-I und :-(. Stell nun eine Frage, die mit einem dieser drei Symbole beantwortet werden kann, wie z. B.: „Hast du heute etwas gelernt?“, „Waren die Aufgaben für dich zu schaffen?“ Damit deine Schüler ehrlich zu dir sind, sollten sie diese Bewertung anonym vornehmen können.

Denke daran: Feedback dient deiner Selbstreflexion und ist keine Leistungskontrolle. Hier geht es darum, was du an deinem Unterricht ändern oder belassen solltest. So kann dich auch negatives Feedback weiterbringen und zu einer Verbesserung führen.

Wenn du das Feedback deiner Schüler annimmst, dann bist du auf dem richtigen Weg, eine Einheit nicht mehr dann als abgeschlossen anzusehen, wenn du die Zensuren vergeben hast, sondern dann, wenn alle Schüler den Stoff verstanden haben. 

 

Weitere Informationen, wie Feedback gelingt, erhältst du auch bei der SchiLf Akademie

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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