Kolumne

Die Launen des Lehrers

Sind Sie ein launiger Typ? Wenn ja, dann sollten Sie im Unterricht achtsam mit Ihren Launen umgehen, denn viele Schüler haben Probleme mit wechselnden Stimmungen des Lehrers: einmal kumpelhaft und freundlich, das nächste Mal griesgrämig und unausstehlich. Diese Wechselbäder der Gefühle können Kinder und Jugendliche zur Verzweiflung bringen.
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Da soll es sogar heimliche Wetten unter Schülern geben oder es werden Strichlisten geführt. Wie ist Herr M. heute drauf? Hat Frau L. ihre Krise überwunden? Wie lange können wir das Stimmungshoch von Herrn H. noch ausnutzen? Hoffentlich ist er heute gut drauf!

Kein Mensch ist immer gut gelaunt. Auch Lehrer sind Menschen mit unterschiedlichen Launen. Doch die Schüler sollten sich darauf einstellen können. Sie entwickeln im Laufe ihrer Schulzeit ein sehr sensibles Gespür dafür, ob Lehrer gut drauf sind oder ob Vorsicht geboten ist.

„Achtung! Heute bin ich schlecht gelaunt!“, so lauten gelegentlich meine ersten Worte, wenn ich den Klassenraum betrete. Das kommt zwar selten vor, aber wenn die Situation eintritt, möchte ich meine Schüler vorher warnen. Denn an diesen Tagen reagiere ich anders als gewohnt. Ich werde laut oder sogar ungerecht, und mich nerven die kleinsten Provokationen. Ausnahmezustand ist angesagt!

Aber ich will nicht, dass meine Schüler zu Opfern meiner schlechten Laune werden. Ich will berechenbar sein. So lauten meine weiteren Sätze nach Offenlegung meiner Gefühlswelt: „Also, verhaltet euch leise und lasst mich in Ruhe! Wir versuchen das gemeinsam zu überstehen.“

Erstaunlich ist, dass die Schüler in neuen Klassen nach einiger Zeit bereits an meinem Gesicht oder meinem Verhalten ablesen können, wie ich drauf bin. Und sie geben mir unaufgefordert Rückmeldung. Dann fragen sie etwa besorgt: „Herr Thömmes, sollen wir Sie heute schonen?“ Das tut gut und ist bereits ein kleiner Schritt hin zur Genesung.

Als Pädagoge sollte ich verantwortungsvoll mit meinen Launen umgehen, besonders mit den Tiefen. Ich muss mich entscheiden, ob ich die miese Stimmung rauslasse oder ob ich sie unter Kontrolle halte. Ich kann Ursachenforschung betreiben und der schlechten Laune auf den Grund gehen. Solche Ursachen können konkrete Alltagssituationen, Beziehungsprobleme, Stress, Überarbeitung oder einfach eine Erkältung sein. Schlechte Laune kann auch eine Art Warnsystem sein, das mir anzeigt, dass ich an meine Grenzen gerate. Wichtig ist dabei, das Stimmungstief zu spüren, es bewusst wahrzunehmen und achtsam damit umzugehen.

Für mich hat dieses Thema sehr viel mit emotionaler Intelligenz zu tun, die ich gemeinsam mit meinen Schülern entwickeln und verbessern kann. Das heißt: Ich lerne, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und sie klug zu managen. So können die Kinder und Jugendlichen lernen, ihre eigenen Stimmungen und Gefühle anzunehmen und sie zu verändern.

Es bieten sich einige Übungen an, die dabei hilfreich sein können:

  • Ein kurzes Blitzlicht („Wie ich mich heute fühle!“) kann zu einem festen Eröffnungsritual werden.
  • Mithilfe eines Stimmungsbarometers kann die aktuelle Stimmungslage in der Klasse erfragt werden.
  • Die Schüler verteilen sich im Klassenraum zwischen zwei markierten Punkten (gute bzw. schlechte Laune).
  • Mithilfe einer Ampel können die Schüler im laufenden Unterricht ihre Stimmungslage signalisieren und ihre Motivation zur Mitarbeit ausdrücken. Dies ist eine verantwortungsvolle Aufgabe und sollte natürlich nicht ausgenutzt werden.
  • Auf großen Papierflächen (Klagemauer und Lustgarten) können die Schüler ihre Unzufriedenheit und ihr Wohlbefinden ausdrücken. Sie werden am Ende der Woche besprochen.

Denken Sie daran: Schlechte und gute Laune, negative und positive Emotionen gehören zur menschlichen Grundausstattung. Die Kunst besteht darin, ein gesundes Gleichgewicht herzustellen. Und hier kann ich als Lehrer ein Stück Lebenshilfe in meinen Unterricht einfließen lassen. Versuchen Sie es!

Arthur Thömmes

Arthur Thömmes ist seit über 30 Jahren als Lehrer tätig und arbeitet als Fachleiter in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Er ist Autor zahlreicher pädagogischer Fachbücher.

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