Kolumne

Vorsätze und allerlei Wünsche

In unserer neuen Kolumne erhalten Sie aktuelle und praxisrelevante Themen rund um den Schulalltag. Nutzen Sie die Chance und informieren Sie sich über gegenwärtige Angelegenheiten. 
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Für das kommende Jahr nehme ich mir vor …“ Das ist eine typische Floskel zum Jahresanfang.

In vielen Gesprächen tauschen sich Menschen über ihre Willensstärke und ihr jämmerliches Versagen aus. Oft ist das auch die erste Frage der Schüler nach den Weihnachtsferien: „Was haben Sie sich für das neue Jahr vorgenommen?“ Meine Antwort: „Auch in diesem Jahr ein guter Lehrer zu sein, der guten Unterricht macht!“

Und meist entwickelt sich daraus ein interessantes Gespräch über gute und schlechte Lehrer und über Unterrichtsqualität. Das sehr authentisch sein sollte, denn Schüler haben einen breiten Überblick und viel Erfahrung in unterschiedlichen Fächern mit ganz verschiedenen Lehrertypen. Also: Warum nicht diese Fachleute fragen und mir Rat einholen?!

Das setzt bereits eine wichtige Kompetenz eines guten Lehrers voraus: Er hat die Schüler im Blick und nimmt sie ernst. Und manchmal kann er sie auch um Rat fragen. Als Anfänger sollten Sie aber eines wissen: Schüler können sehr direkt sein in ihrem Urteil und manchmal gnadenlos. Sie sagen Ihnen offen, was sie von Ihrem Unterricht halten. Also sollten Sie nicht beratungsresistent sein. Oder schnell beleidigt.

Manchmal hat man den Eindruck, dass es im Referendariat nicht unbedingt um guten Unterricht geht, sondern darum, die Ausbildungs- und Prüfungsordnung vorbildlich abzuarbeiten, die Fachleiter nicht zu verärgern, hervorragende Unterrichtsentwürfe zu erarbeiten und schließlich die Prüfung gut zu bestehen. So interessiert nur das, was prüfungsrelevant ist. Augen zu und durch! Und damit wird das Referendariat schnell zu einem grausamen Initiationsritus.

Daher möchte ich Ihnen für das neue Jahr einige Vorsätze und Wünsche anbieten, die Sie für sich auswählen und ergänzen können:

  • Ich möchte meine Lehrerausbildung lustvoll gestalten und die Prüfungsleistungen nicht nur abarbeiten.
  • Ich möchte guten Unterricht gestalten, in dem ich und meine Schüler sich wohlfühlen.
  • Ich gehe achtsam und wertschätzend mit allen an meiner Ausbildung beteiligten Menschen um.
  • Ich lasse mich nicht von den Miesmachern und Pessimisten in meinem Umfeld anstecken.
  • Ich ernähre mich gesund, achte auf ausreichend Schlaf und gönne meinem Körper Bewegung und Ruhe.
  • Ich gestalte mein Zeitmanagement in Ruhe, gut strukturiert und diszipliniert.
  • Ich reduziere meine hohen Ideale und stehe zu meinen Fehlern.
  • Ich konzentriere mich auf das Wesentliche und setze Schwerpunkte.
  • Ich gehe klug und angemessen mit meinen Gefühlen um.
  • In schwierigen Situationen nehme ich professionelle Hilfsangebote in Anspruch.
  • Ich achte auf die Signale meines Körpers. Ich vermeide Negativdenken und nehme die positiven Aspekte meiner Ausbildung in den Blick.
  • Ich genieße die schönen Dinge des Lebens.
  • Ich akzeptiere meine Grenzen, sehe aber auch meine Stärken und Talente.
  • Ich habe meine Schüler gern und liebe meine Fächer.
  • Ich interessiere mich auch für die Befindlichkeit meiner Schüler und Kollegen.
  • Ich übe Gelassenheit in kritischen Situationen ein.
  • Ich bin offen für Rückmeldungen über meine Person und meinen Unterricht.
  • Ich denke und arbeite daran, dass mein Leben nicht nur aus Schule und Ausbildung besteht.
  • Ich achte auf die Dinge, die mich belasten und übe das Loslassen.
  • Ich suche einen sinnvollen Ausgleich zu den beruflichen Belastungen, der mir Entspannung und Wohlbefinden verschafft.
  • Ich arbeite an einer aufmerksamen und konstruktiven Gesprächs- und Feedbackkultur.
  • Ich suche nach Energiequellen, die mir Kraft und Ruhe geben und meide laute und hektische Menschen und Situationen.

Natürlich geht es hier nicht um das Abarbeiten von Vorsätzen und Wünschen, sondern um das ganz persönliche Wohlergehen und um Zufriedenheit mit dem, was wir haben, sind und können. Und meistens sind es die kleinen Dinge des Lebens, die uns weiterbringen in unserem Streben nach Sinn und Glück. Wir müssen sie nur sehen, fühlen und wahrnehmen.

Ich wünsche Ihnen daher Wachsamkeit, Besonnenheit und eine gute Portion Humor und Gelassenheit.

Arthur Thömmes

Arthur Thömmes ist seit über 30 Jahren als Lehrer tätig und arbeitet als Fachleiter in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Er ist Autor zahlreicher pädagogischer Fachbücher.

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