Kolumne

Wunderbare Zeiten für Jäger und Sammler

Die Welt ist spannend, und noch nie hatten wir einen so vielfältigen Einblick in das Wissen dieser Welt. Und Sie sind als Lehrer ein entscheidender Faktor, ob und wie dieses Wissen an Ihre Schüler weitergegeben wird. Deshalb lauten auch wesentliche Fragen während der Lehrerausbildung: Wie schaffe ich eine motivierende Lernumgebung? Welche Medien und Methoden setze ich ein, um Kompetenzen zu fördern und Wissen zu vermitteln? Wo finde ich geeignete Unterrichtsmaterialien?
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Einer der wichtigsten Tipps, den ich den mir anvertrauten Referendaren mit auf den Weg gebe, lautet: „Werden Sie Jäger und Sammler, und Sie müssen es als Lehrer bleiben, wenn Sie guten und spannenden Unterricht gestalten wollen.“ Dabei sind es nicht die vielen Stunden, die Sie vor dem Rechner sitzen und sich durch die Welt des Wissens googeln. Entscheidend ist der Blick für das, was wirklich sinnvoll ist. Und das begegnet Ihnen im Laufe des Tages in vielfältiger Weise. Viele Materialien und Informationsquellen (Bilder, Filme, Musik, Zeitungsartikel, Bücher) stehen Ihnen offen. Sie müssen nur zugreifen.

„Papa, warum schreibst du immer diese Zahlen auf die Zeitung?“, fragte mich meine kleine Tochter vor vielen Jahren. Alle Familienmitglieder wussten, dass diese beschrifteten Zeitungen nicht entsorgt werden durften. Denn auf den notierten Seiten waren Artikel oder Fotos zu finden, die ich ausschneiden und für den Unterricht verwenden wollte. Natürlich gab es damals noch keine Kopierer, auf denen man die Materialien für den Unterricht vervielfältigen konnte. Und es gab noch keinen Computer, mit dem ich attraktive Arbeitsblätter hätte gestalten und ausdrucken können. Alles war ein wenig mühsamer. Und so beschrieb ich mit einer Schreibmaschine Matrizen, die anschließend auf einem Spiritus- oder Matrizendrucker vervielfältigt wurden. Dabei war die Anzahl der Abzüge begrenzt. Erst Mitte der 1990er-Jahre gab es dann die Kopierer, mit denen das Vervielfältigen komfortabel erleichtert wurde.

Ich bin auch heute noch ein aufmerksamer Zeitungsleser. Aber das Ausschneiden mit der Schere hat sich erledigt. Bin ich fündig geworden, nehme ich mein Tablet, fotografiere den Artikel und wandle ihn innerhalb weniger Sekunden in eine druckreife PDF-Datei um. Oder ich greife direkt auf die digitale Version der Zeitung zu. Vor einiger Zeit habe ich hunderte von alten Videokassetten entsorgt, auf denen sich Reportagen und Dokumentationen befanden, die ich aufgenommen hatte. Dank der Mediatheken und Videodatenbanken sind heute Zugriff und Einsatz (unter Beachtung der Urheberrechte) problemlos möglich. CD oder DVD sind als Datenträger dagegen in die Jahre gekommen und mittlerweile fast überflüssig. Sie wurden abgelöst durch die Cloud, in der ich meine Daten abspeichern und überall abrufen kann. Auch im Unterricht muss ich keine Abspielgeräte mehr von Raum zu Raum schleppen. Der digitalisierte Klassenraum, den es in vielen Schulen bereits gibt, erleichtert die Arbeit erheblich. Wollen wir einen Film anschauen, schließe ich mein Tablet an den Beamer an, und los geht es. Das funktioniert auch vorzüglich mit meinem kleinen Bluetooth-Lautsprecher, auf dem ich Audiodateien oder Musik blitzschnell abspiele.

Wir sind also mittendrin in der wunderbaren multimedialen Welt mit immer wieder neuen technischen Errungenschaften. Ich gebe zu, ich genieße diese neuen Möglichkeiten und nutze sie in ihrer ganzen Fülle. All dies bedeutet aber auch, dass die unübersichtliche Daten- und Materialflut geordnet werden muss, um den Überblick zu behalten. Daher ist es in der Lehrerausbildung eine grundlegende Aufgabe, neben der Medienkompetenz, der effektiven Material- und Mediensuche, auch zu trainieren, wie man Klarheit und Struktur in den Materialfundus bringen kann.

Ich bin und bleibe ein Jäger und Sammler, der mit offenen Sinnen durch die Welt geht und immer einen Blick auf mögliche Unterrichtsmaterialien und -medien hat. So bereite ich mich jeden Tag auf den Unterricht vor. Und das mit möglichst viel Gelassenheit und ohne den abendlichen Google-Stress. Also: Augen auf bei der Unterrichtsvorbereitung!

Arthur Thömmes

Arthur Thömmes ist seit über 30 Jahren als Lehrer tätig und arbeitet als Fachleiter in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Er ist Autor zahlreicher pädagogischer Fachbücher.

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