Basics Referendariat

Der Fachleiter – Freund oder Feind?

Die erste Stunde im Seminar ist aufregend, wer wird dein Fachleiter sein? Ist er nett, und welche Ansprüche mag er stellen? Vielleicht sind während des Studiums schon Stunden beurteilt worden, und du hattest dabei immer ein merkwürdiges Gefühl. Wird das im Seminar jetzt auch so sein? Die Gefühle sind schon ein wenig gemischt. Auch wenn die ersten Stunden ganz gut verlaufen, so bist du vielleicht doch lieber auf der Hut, denn es könnte ja auch noch anders werden.
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Wer wird Fachleiter?

In erster Linie sind Fachleiter ganz normale Lehrer. Sie haben genau an der Stufe in dem Fach unterrichtet, deren angehende Lehrer sie jetzt betreuen. Sie haben schon einige Jahre Unterrichtserfahrung hinter sich, haben sich speziell auf diese Stelle beworben und werden dann ausgewählt.

Das Seminar selbst ist wie eine Schule organisiert. Die Fachleiter setzen sich zusammen und beraten, diskutieren und fachsimpeln darüber, wie sie ihren Lehramtsanwärtern möglichst viel mitgeben und wie sie diese bewerten können.

Der Fachleiter und die angehenden Lehrer

Der Fachleiter möchte die Lehramtsanwärter dazu ausbilden, gut zu unterrichten. Er weiß, dass Unterrichten nichts ist, was einem in die Wiege gelegt wird, sondern etwas, das man lernen muss. Auch hier gilt wie überall: Manche lernen schnell, andere brauchen länger. Der Erste am Ziel ist aber nicht zwingend der beste Lehrer, und somit steht der Fachlehrer beratend zur Seite.

Kann man sich ihm öffnen?

Eigentlich sind es gerade die Fachleiter, denen du deine Problem und Nöte anvertrauen sollst. Sie können dir Tipps geben, wie man am besten mit schwierigen Klassen klarkommt oder was du tun kannst, um Akzeptanz im Kollegium zu finden. Sie kennen sich aus im Umgang mit Eltern, und sie wissen, wie man sich Stoff, den man unterrichten möchte, aneignet und so aufbereitet, dass man ihn den Schülern vermitteln kann. Wem also sonst solltest du dich öffnen? Die Angst, dass Probleme in die Beurteilung einfließen, sollte eigentlich unbegründet sein, denn es gehört zu den Aufgaben des Fachleiters, dir dabei zu helfen, diese Problem zu lösen. Bewertet werden darf dann vielleicht deine Art und Weise der Problemlösung, dein Umgang damit.

Fachleiter – Lehrer auf Metaebene?

Die Aufgaben, die dir beschrieben wurden, kommen dir bekannt vor? Das liegt mit Sicherheit daran, dass es genau die Aufgaben sind, die du auch als Lehrer zu erfüllen hast, indem du jeden Tag Kinder berätst, ihnen hilfst und sie unterstützt. Dabei solltest du nicht in Kategorien denken und die Schüler dementsprechend beurteilen. Viel wichtiger ist es doch auch für dich und die dir anvertrauten Schüler, ihren individuellen Lernzuwachs zu beobachten und sie dann erst in zweiter Linie im Verhältnis zur Klasse wahrzunehmen. Du merkst, dass diese Aufgaben und die deines Fachlehrers sich ähneln.

Wenn die Chemie nicht stimmt?

Es ist nun einmal so, dass einem manche Menschen sympathischer sind als andere. Daran kann man im Grunde nichts ändern. Du bist aber jetzt in einem Alter, ist dem du dich professionalisieren solltest. Das ist der Sinn der zweiten Phase deiner Ausbildung. Und es gehört nun einmal dazu, dass du evtl. mit Menschen zusammenkommst, die dir nicht liegen. Aber es geht hier nicht darum, neue Freunde zu gewinnen, sondern darum, mit einer Person einen begrenzten Zeitraum lang zusammenzuarbeiten.

Falsch beraten und schlecht beurteilt?

Du hast das Gefühl, dass es nicht richtig rund läuft und du von deinem Fachleiter benachteiligt wirst? In dem Fall solltest du dich auf dein Fachwissen berufen, keinen Streit anfangen und auch keine langen Diskussionen führen, sondern wirklich nur die Themen besprechen. Oft hilft es, sich weiterhin nur noch auf fachlicher Ebene zu treffen.

Hilft das nicht, kannst du um ein persönliches Gespräch bitten. Dort solltest du nicht mit Vorwürfen arbeiten, sondern Fragen stellen, die du dir vorher überlegt hast. Sie sollten weniger euer persönliches Verhältnis betreffen als vielmehr die berufliche Ebene. Wie kannst du dich verbessern, und was kann dir dabei helfen?

Gespräche in der Gruppe suchen.

Solltest du auch so nicht weiterkommen, hast du noch deine Seminargruppe. Suche in den Pausen Kontakt zu anderen. Geht es ihnen vielleicht auch so oder haben sie ähnliche Probleme, kann die ganze Gruppe gemeinsam nach einer Lösung suchen, ohne sich gegeneinander aufzuhetzen.

Gemeinsame Zeit

Ziel bei allem sollte es sein, gemeinsam die Zeit zu gestalten. Du solltest das meiste aus dem herausholen, was dir angeboten wird. Frag nach, nimm viel mit, hör zu und beobachte. Aufgeschlossenen Lernenden werden in den seltensten Fällen Steine in den Weg gelegt, sondern eher Brücken gebaut.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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