Basics Referendariat

Krawatte oder Kapuzenpulli – objektive und subjektive Kriterien der Krawattennote

Die Krawattennote ist Bestandteil des Zweiten Staatsexamens. Mit ihr beurteilt Ihre Seminarleiterin bzw. ihr Seminarleiter Ihre Befähigung zum Lehrberuf. Dabei werden drei verschiedene Kompetenzbereiche beurteilt und benotet.. Auch wenn die Benotung objektiv erfolgen soll, können subjektive Faktoren (Krawatte (!)) die Note beeinflussen. 

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Unter Referendaren auch gern als „Krawattennote“ bezeichnet, stellt die Seminar- oder Bewertungsnote eine der fünf Prüfungsleistungen im Referendariat dar. Die Seminarnote basiert auf den Beobachtungen und Einschätzungen Ihrer Fachseminarleiterin bzw. ihres Fachseminarleiters. Sie soll Aufschluss über Ihre Eignung, Befähigung und fachliche Leistung geben. In die Bewertung fließen Ihre Unterrichtskompetenz, die Erzieherische Kompetenz sowie Ihre Handlungs- und Sachkompetenz ein. In den Bundesländern sind diese Bereiche oftmals unterschiedlich benannt.

  • Kriterien der Unterrichtkompetenz sind neben Unterrichtsplanung und -vorbereitung auch Lernzielkontrollen und Leistungsbewertungen. Der sichere Umgang mit Medien, das Beherrschen des Unterrichtsstoffes sowie der Einsatz von Fachsprache dienen ebenfalls als Kennzeichen der Unterrichtskompetenz.
  • Der Bereich der Erzieherischen Kompetenz gibt Aufschluss über Ihren Umgang mit den einzelnen Schülerinnen und Schülern und den verschiedenen Klassen, in denen Sie unterrichten. Dazu zählen Ihre Motivationsfähigkeit, wie Sie auf die Lernenden eingehen, aber auch wie Sie welche Erziehungsmittel einsetzen. Auch Aktivitäten außerhalb des Klassenzimmers fließen in die Bewertung ein. 
  • Bei der Handlungs- und Sachkompetenz steht Ihre Integration in den Schulalltag im Mittelpunkt. Ein freundlicher und höflicher Umgang mit dem Kollegium ist dabei ebenso ein Kriterium wie Einsatzbereitschaft und aktive Teilnahme an Sitzungen. Fachlich ist ein Interesse an Weiterbildungen von Vorteil. 

Die Berechnung der Krawattennote

Die „Krawattennote“ ist die gewichtete Durchschnittsnote aus allen drei Teilbereichen.

Das folgende Berechnungsbeispiel basiert auf der Prüfungsordnung des Bundeslandes Bayern. Unterrichtskompetenz und Erzieherische Kompetenz werden hier jeweils dreifach gewichtet. Handlungs- und Sachkompetenz fließt zweifach gewichtet in die Seminarnote ein. Die Bewertungsskala umfasst die Noten 1 bis 6 abgestuft in 0,3-Schritten. Ab Note 4,0 entfallen die Abstufungen.

In diesem Beispiel hat die Referendarin die Note 1,7 in Unterrichtskompetenz, die Note 2,3 in Erzieherischer Kompetenz und die Note 2,0 in Handlungs- und Sachkompetenz erhalten.

Die Gesamtnote von 2,0 lässt sich folgendermaßen ermitteln: 

 

Unterrichtskompetenz

Erzieherische Kompetenz

Handlungs- und Sachkompetenz

Wertung

3fach

3fach

2fach

Note

3 Ÿ 1,7

3 Ÿ 2,3

2 Ÿ 2,0

gewichtet

5,1

6,9

4,0

Gesamtnote

5,1 + 6,9 + 4,0= 16

16:8 = 2,0

Grundlagen der Benotung

Beurteilungsgrundlage sind die Beobachtungen Ihrer Fachseminarleiterin bzw. Ihres Fachseminarleiters während des Referendariats sowie ein Gutachten Ihrer Ausbildungsschule. Dieses enthält unter anderem die Notenvorschläge Ihrer Ausbildungslehrkräfte. Über Ihre endgültige Note entscheiden die Fachseminarleiter. 

Der größte Kritikpunkt ist die Objektivität

Da es sich bei dieser Prüfungsleistung nicht um schriftliche Leistungen handelt, werden des Öfteren Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Notengebung kritisiert. Grundsätzlich sollte sich die Bewertung an den oben genannten Kriterien orientieren. In der Praxis können aber auch subjektive Kriterien bei der Beurteilung eine Rolle spielen. Unter Referendaren kursiert dafür der Begriff der „imaginären Punkteliste“. Überspitzt formuliert kann es danach von Bedeutung sein, ob Sie in der Schule Krawatte oder Kapuzenpulli tragen. Machen Sie sich also immer bewusst, dass Ihr Auftreten während des Vorbereitungsdienstes positiv oder negativ in die Notengebung einfließen kann.  MK

 

Weitere wichtige Termine, über die Sie informiert sein sollten, sind die Lehrprobe und die mündliche Prüfung, aber auch Hospitationen und Unterrichtsbesuche.

Der Autor Matthias Kley arbeitet seit über 15 Jahren als Texter und Autor für verschiedene Schulbuchverlage.

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