Basics Referendariat

Der Besuch ist da! – Unterrichtsbesuche im Vorbereitungsdienst

Im Laufe des Vorbereitungsdienstes besuchen die Seminarlehrerinnen und -lehrer die Unterrichtsstunden ihrer Referendare. Im Vordergrund steht dabei die Betreuung und Beratung der Lehramtsanwärter. Auch wenn die Unterrichtsbesuche keine Noten und Bewertungen nach sich ziehen, fließt der Eindruck, den Sie dabei hinterlassen, eventuell in die sogenannte Krawattennote ein.

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In der Phase des eigenständigen Unterrichts besuchen die beratenden Lehrkräfte Ihre Stunden. Nicht, um Sie zu kontrollieren, sondern um Sie in Ihrer Entwicklung zu fördern und zu unterstützen. Gut strukturierte Nachbesprechungen helfen Ihnen, Ihre Fortschritte bei der Unterrichtsplanung, -durchführung und -analyse kritisch zu reflektieren.

Die Anzahl der Besuche hängt von Ihrem Lehramt und dem jeweiligen Ausbildungsort ab

Bei Art und Anzahl der Unterrichtsbesuche gibt es länderspezifisch Unterschiede. In Bayern finden beispielsweise pro Unterrichtsfach durchschnittlich zwei Unterrichtsbesuche im Halbjahr statt. Während Ihrer zweijährigen Vorbereitungszeit (4 Halbjahre) müssen Sie also mit bis zu acht Unterrichtsbesuchen pro Fach rechnen. In anderen Bundesländern kann dies ganz anders aussehen. Am besten informieren Sie sich zu Beginn des Referendariats über die für Sie gültigen Regelungen bei Ihrer Seminarleitung.

Beratungsbesuche und Gruppenhospitationen

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Unterrichtsbesuchen: die Beratungsbesuche und die Gruppenhospitationen. Während der Beratungsbesuche beobachten Ihre Seminarlehrerinnen bzw. Seminarlehrer Ihren Unterricht und reflektieren ihn anschließend gemeinsam mit Ihnen. Bei einigen (meist zwei bis drei) Besuchen innerhalb Ihres Vorbereitungsdienstes ist auch Ihre Seminarleitung dabei und verschafft sich einen Überblick über Ihre Fortschritte. Diese Besuche werden nicht benotet. Sie dienen lediglich Ihrer Unterstützung. Es kann auch vorkommen, dass Sie alle Teilnehmer des Fachseminars besuchen. Diese Gruppenhospitationen werden angekündigt und ebenfalls nicht benotet.

Informieren Sie sich zu Beginn des Referendariats über die für Sie gültigen Regelungen bei Ihrer Seminarleitung.

Bei Beratungsbesuchen steht der Unterrichtsalltag im Fokus

Im Gegensatz zur Lehrprobe zeigen Sie beim Unterrichtsbesuch Ihr Können im Unterrichtsalltag. In der Regel müssen Sie sich auf die Unterrichtsbesuche nicht speziell vorbereiten. Dies ist auch nicht immer möglich, da es in einigen Bundesländern z. B. der Schulleitung erlaubt ist, unangekündigt in Ihrer Stunde zu hospitieren. Aber Achtung: Auch wenn der Besuch nicht benotet wird, vermitteln Sie damit  einen Eindruck von sich auf die besuchende Person. Dieser kann später Einfluss auf die Benotung nehmen – auch wenn dies „offiziell“ nicht der Fall sein soll.

Die didaktische Analyse als Bestandteil des Unterrichtsbesuchs

Im Anschluss an Ihre Unterrichtsstunde werden Sie gebeten, eine didaktische Analyse zu verfassen. In dieser beschreiben Sie, die Klassensituation allgemein sowie die didaktischen und methodischen Voraussetzungen. Zusätzlich müssen Sie eine Sachanalyse anfertigen, in der Sie Ihr Stundenthema im Lehrplan verorten und die Lernziele beschreiben. Das Material oder Tafelbild fügen Sie der Analyse bei. Je nach Seminar kann die geforderte Seitenzahl differieren. Erkundigen Sie sich dafür bei Ihrer Seminarleitung nach den Vorgaben.

Nehmen Sie die Unterrichtsbesuche ernst

Unterrichtsbesuche nicht benotet. Sie sollen Ihnen weiterhelfen, sich zu verbessern. Trotzdem sollten Sie immer im Auge behalten, dass die Eindrücke aus den Unterrichtsbesuchen in die sog. „Krawattennote“ einfließen können. Immerhin hat Ihre Seminarleitung im Verlauf Ihres Referendariats die Aufgabe, Sie in Sachen Unterrichtskompetenz, Erzieherische Kompetenz sowie Handlungs- und Sachkompetenz zu beurteilen. Da ist es durchaus naheliegend, dass im Rahmen der Unterrichtsbesuche Bewertungen entstehen können.

Täglich eine Unterrichtsverlaufsplanung verfassen – mit Routine durch den Alltag

Auf die Unterrichtsbesuche können Sie sich in der Regel nicht vorbereiten. Sie sollten also frühzeitig ein Basissystem für die Planung und Durchführung Ihres Unterrichts entwickeln. Eine kurze Unterrichtsverlaufsplanung mit Zieldefinitionen gibt Ihnen im Unterricht Sicherheit und ermöglicht Ihnen eine konstruktive Reflexion des Stundenverlaufs. Wenn Sie sich ein System angewöhnt haben, fällt Ihnen die Vorbereitung Ihres Unterrichts insgesamt leichter. Lassen Sie sich dabei auch von Ihren Betreuungslehrkräften beraten. Oft sind Ratschläge erfahrener Lehrkräfte hilfreicher als eine stundenlange Lektüre didaktischer Prinzipien.   MK

In weiteren Beiträgen lesen Sie mehr über Hospitationen, wie Sie Unterrichtsbesuche vorbereiten und wie Sie Ratschläge und Kritik der Seminarlehrer optimal nutzen können. Außerdem erfahren Sie Informatives zur Nachbesprechung mit der Seminarlehrkraft.

 

 

Der Autor Matthias Kley arbeitet seit über 15 Jahren als Texter und Autor für verschiedene Schulbuchverlage.

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