Basics Referendariat

Die Stunde danach – Nachbesprechung und Analyse im Seminar

Du kennst den Druck, der auf dir lastet, bevor du eine Stunde halten musst. Keine gewöhnliche Stunde, sondern eine, die begutachtet wird. Schon im Vorfeld geht das Engagement deutlich über den Aufwand für eine „normalen“ Stunde hinaus. Und dann ist die Stunde vorüber. Erst einmal bist du erleichtert – doch dann kommen die Zweifel. War die Stunde wirklich so gut, wie du gedacht hast. Kannst du deine Abweichungen von der Planung begründen, und waren die Schülerreaktionen, wie du sie vorausgesehen hast? Das mulmige Gefühl ist erst mal noch nicht vorbei.
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Durchatmen und Reflektieren

Nach der Stunde hast du erst einmal Zeit zum Durchatmen. Das, was nun auf dich zukommt, soll dir helfen, dich zu verbessern und zu stärken. Nimm es als Hilfe an. Das bedeutet, dass du dir Gedanken darüber machen solltest, an welchen Stellen du dich an deine Planung gehalten hast, an welchen nicht und warum nicht. Was hat dir ganz persönlich gefallen, und was nicht? Hat dich etwas verunsichert? Hast du dich unwohl gefühlt? Was würdest du in einer ähnlichen Stunde anders machen?

Wechsel die Perspektive, denke dich in die Schüler hinein. Hatten sie in einem oder mehreren Kompetenzbereichen einen Lernzuwachs? Was würden deine Schüler wohl ihren Eltern berichten? Gibt es etwas Besonderes, dass es wert wäre, erzählt zu werden?

Kurze Notizen machen – und dann los

Nachdem du dir das hast durch den Kopf gehen lassen, mach dir ein paar Notizen. Und dann wird es auch schon Zeit für die Nachbesprechung, bei der du in der Regel anfängst. Nun kommen alle anderen Beobachter dazu, und jeder wird das benennen, was ihm aufgefallen ist. Vielleicht gab es auch Beobachtungsaufträge, über die berichtet wird. Wie auch immer, diese Phase ist manchmal schwer auszuhalten. Es wird nie gesagt, dass alles toll und klasse war. Es gibt immer etwas zu kritisieren, selbst bei Lehrern, die schon lange im Beruf sind.

Konstruktive Kritik annehmen

Versuche, das Gespräch wirklich als Beratung anzusehen und nicht als Kritik an deiner Person. Ein Beispiel: Wenn du sonst eher schüchtern bist und nicht gern im Mittelpunkt stehst, dann wird es dir sicher auch schwerfallen, laut vor und mit der Klasse zu reden. Du glaubst, dass es dir schon gut gelungen ist, die Beobachter von hinten sagen dir jedoch, dass du teilweise sehr schwer zu verstehen warst. Einerseits trifft dich das natürlich persönlich. Andererseits ist es wichtig, dass du als Lehrer eine Gruppe leiten kannst. Nimm dies zum Anlass, in der nächsten Stunde jemanden zu bitten, ganz genau auf deine Lautstärke zu achten und dir ein Zeichen zugeben, wenn du zu leise wirst. Das hilft!

Vielleicht kannst du mit diesem Beispiel nichts anfangen, da du immer gern im Mittelpunkt stehst und genau weißt, was du willst. Es kann dir nun wiederum passieren, dass man dir eine zu flapsige Art attestieren wird, mit den Schülern umzugehen. Nimm auch du dies zum Anlass, jemanden zu bitten, in einer folgenden Stunde genau darauf zu achten und die Situationen mitzuprotokollieren, damit du eine Ahnung davon bekommst, was gemeint ist.

Nachfragen

Wenn dir etwas nicht klar ist, frage nach. Erkundige dich ganz genau, wie du etwas besser machen kannst. Es reicht nicht, zu sagen, dass etwas nicht gut war. Frage nach, wie es besser sein könnte.

Gegenseitige Hilfe annehmen

Niemand kommt als Naturtalent auf die Welt, jeder muss lernen, sich in seiner Rolle zu finden. Das kann man nur mit gemeinsamer Unterstützung. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass sich jeder als Teil der Gruppe wahrnimmt und versucht, den anderen zu unterstützen und zu stärken. Es ist gut, sich gegenseitige Hilfe anzubieten und auch anzunehmen. Das kann eine gemeinsame Planung sein, ein gegenseitiges Hospitieren über die Seminartätigkeit hinaus, der Austauschen von Problemen und einfaches Zuhören.

Grund für guten Unterricht

Denke daran, dass es einen einzigen Grund für guten Unterricht gib: die Schüler. Machst du guten Unterricht, werden deine Schüler zufrieden sein, und im Umkehrschluss wirst auch du selbst zufrieden sein, mit dem was du tust! 

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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