Basics Referandariat

Nur nicht nervös werden – Unterrichtsbesuche erfolgreich vorbereiten

Steht ein Unterrichtsbesuch der Seminarleitung an, ist die Nervosität unter den Lehramtsanwärtern oftmals sehr groß. Selbstzweifel und Angst vor dem angekündigten „Gast“ tun ihr Übriges und machen eine entspannte Vorbereitung fast unmöglich. Je ruhiger und gelassener Sie jedoch an die Sache herangehen, desto authentischer sind auch Ihre Schüler.
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Bleiben Sie ruhig

Gerade zu Beginn des Lehrerdaseins sind sich viele Junglehrer noch sehr unsicher. Sie rutschen aus der Rolle des Schülers bzw. Studenten plötzlich hinein in die des Lehrenden. In dieser Situation kündigt sich schon zu Beginn des Referendariats recht schnell der erste Unterrichtsbesuch an. An dieser Stelle ein Ratschlag: Bleiben Sie ruhig! Im Laufe der nächsten zwei Ausbildungsjahre wird Ihnen eine Vielzahl von Besuchen bevorstehen, in denen Sie sich immer aufs Neue beweisen können bzw. müssen.

Vom Allgemeinen zum Detail

Während das Hauptaugenmerk der Seminarleitung bei den ersten Besuchen auf Ihrer Lehrerpersönlichkeit liegt, geht es von Mal zu Mal immer mehr ins didaktisch-methodische Detail. Ziel dabei ist es, das an der Universität erlernte theoretische Wissen nun in die Praxis umzusetzen und guten Unterricht anzubahnen.

Um Sie bei diesem Schritt zu unterstützen, steht Ihnen Ihre Seminarleiterin bzw. Ihr Seminarleiter zur Seite. Wie streng deren bzw. dessen didaktische Richtlinien in Sachen Unterrichtsplanung und -durchführung sind, ist ganz unterschiedlich und muss abgewartet werden. Doch egal wie weit- oder engmaschig die Vorgaben Ihres Ausbilders sind, beachten Sie diese in jedem Fall und sehen Sie sie eher als einen hilfreichen Rahmen für Ihre Planung denn als Gängelei.

Bereiten Sie sich auch schriftlich vor

In welchem Umfang, in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt Sie Ihrer Seminarleitung das „Schriftwesen“ vorlegen müssen, variiert von Seminar zu Seminar sehr stark. In der Regel werden aber folgende Papiere gefordert:

  • Kurzentwurf mit Thema der Stunde, Stellung in der Sequenz, Lehrplanaussagen, Lernzielen und Unterrichtsverlauf
  • kurze schriftliche Darstellung der Klassensituation
  • Schülerbeobachtungen
  • ausgewählte Schülerarbeiten bzw. -hefte
  • in einzelnen Fällen Stoffverteilungs- und Wochenpläne

Planen Sie genau und zielorientiert

Termine für Unterrichtsbesuche werden innerhalb des Seminars vereinbart und festgelegt. Die Anzahl der Besuche kann je nach Bundesland, Landkreis und Seminar ganz unterschiedlich sein und hängt nicht zuletzt von der Anzahl Ihrer Seminarkolleginnen und -kollegen ab.

In der Regel ist Ihnen der Termin schon einige Wochen zuvor bekannt, und Sie verfügen deshalb über genügend Zeit für eine überlegte Unterrichtsplanung. Ob Sie eine Stunde in Ihrem eigenverantwortlichen oder im betreuten Unterricht zeigen, bleibt ganz Ihnen überlassen – wie auch die Fach- bzw. Themenwahl. Diese können Sie von verschiedenen Faktoren abhängig machen:

  • eigene Vorlieben: In welchem Fachbereich fühlen Sie sich am sichersten? Was macht Ihnen am meisten Spaß?
  • Vorlieben der Schülerinnen und Schüler: Was interessiert die Kinder besonders? Wo liegen ihre Stärken?
  • Welcher Unterrichtsinhalt lässt eigenaktivem Lernen und Arbeiten freien Raum?

Planen Sie die Unterrichtsstunde in jedem Fall zielorientiert und achten Sie auf eine klare Strukturierung der Lernprozesse. Sinnlose Beschäftigungen sind an keiner Stelle des Unterrichtsverlaufs gefragt!

Werden Sie nicht zum Alleinkämpfer

Um Sicherheit zu gewinnen, scheuen Sie sich nicht davor, sich auch von anderen Seiten Hilfe und Unterstützung zu holen:

  • Fragen Sie die für Sie zuständige Betreuungslehrkraft nach Tipps und Tricks für den Unterrichtsinhalt. Sprechen Sie die Stunde mit ihr durch und partizipieren Sie von deren Erfahrungen.
  • Tauschen Sie sich mit Ihren Seminarkollegen aus und arbeiten Sie miteinander, statt nebeneinander.
  • Hospitieren Sie bei verschiedenen Lehrkräften und schärfen damit Ihr eigenes Bild von Unterricht.
  • Probieren Sie möglichst viel aus und treten so oft wie möglich vor Klassen.
  • Verfolgen Sie gemeinsame Reflexionen von Unterrichtsstunden konzentriert und überlegen sich in jedem Fall, wie Sie selbst vorgegangen wären. Nur so können Sie Kritikpunkte zukünftig positiv umsetzen und nicht nur aus eigenen, sondern auch aus fremden „Fehlern“ lernen.

Je mehr Erfahrungen Sie sammeln desto routinierter wird Ihr Auftreten vor der Klasse und desto strukturierter und effizienter wird Ihre Unterrichtsplanung.

Nutzen Sie Ihre tägliche Unterrichtsarbeit

Die Vorbereitung auf einen Unterrichtsbesuch findet eigentlich schon in Ihrer täglichen Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern statt und Sie können sie bei jedem Unterrichtsbesuch nutzen:

  • verschiedene Rituale
  • ein positives und ruhiges Arbeitsklima
  • Disziplin in der Klasse
  • klare Anweisungen Ihrerseits
  • eigenverantwortliches Lernverhalten

Und was kommt hinterher?

Ein wesentlicher Teil des Erfolgs bleibt neben der beschriebenen Vorbereitung in jedem Fall aber auch die Nachbereitung. Nehmen Sie die Nachbesprechung Ihrer Stunde ernst und lernen Sie aus etwaigen Kritikpunkten oder Fehlern. Nur so können Sie sich und Ihren Unterrichtsstil weiterentwickeln.

 

Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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