Basics Referendariat

Der persönliche Unterrichtsstil – zwischen eigenem Anspruch und Ausbildungslehrkraft

Sie befinden sich seit einiger Zeit im Referendariat – und nun geht es daran, den eigenen Unterricht zu planen? Dann sollten Sie einerseits die Lehrpläne zu Rate ziehen, sich aber gleichzeitig mit den für Sie an Ihrer Ausbildungsschule zuständigen Mentorinnen und Mentoren austauschen. Doch was ist, wenn Ihr eigener Anspruch mit dem der Ausbildungslehrkraft nicht einhergeht? Erste Ratschläge vermag Ihnen der folgende Beitrag zu liefern.
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Gedanken vorab

Bevor Sie eigenen Unterricht halten, sollten Sie überlegen, was Ihnen hinsichtlich dieser Stunden wichtig ist. Haben Sie beispielsweise verschiedene Sozialformen oder Methoden im Rahmen der Praktika ausprobiert oder bei Kolleginnen oder Kollegen gesehen – und würden Sie diese gerne anwenden?

Sie haben bereits im Unterricht Ihrer Ausbildungslehrkraft hospitiert? Überlegen Sie vor Ihrer Planung, was Ihnen daran besonders gut gefällt – und was eher nicht. Wo sind Ihre Gemeinsamkeiten – und in welchen Bereichen werden Sie wohl nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen?

Nach diesen Vorüberlegungen sollten Sie selbst in eine mögliche Unterrichtsplanung einsteigen. Betrachten Sie die für Sie geltenden Lehrpläne, auch die schulinternen. Suchen Sie sich Themen heraus, die für Sie interessant sind, und treten Sie dann in den Dialog mit der Ausbildungslehrkraft.

Im Dialog

Sprechen Sie die Themen und Methoden an, die Sie gerne im Unterricht verwenden würden. Versuchen Sie, in einen gedeihlichen Dialog zu treten. Falls Sie merken, dass Ihre Ausbildungslehrkraft im Großen und Ganzen mit Ihren Vorhaben einverstanden ist und nur kleinere Änderungen wünscht, so sollten Sie für sich reflektieren, was Sie davon problemlos umsetzen könnten – und welche Dinge für Sie ganz besonders wichtig sind. Kommunizieren Sie dies dann Ihrer Ausbildungslehrkraft. Auch diese sollte in der Lage sein, sich auf den Austausch mit Ihnen einzulassen.

Tipps und Ratschläge

Ganz bestimmt wird die Mentorin oder der Mentor Ihnen vor, während und nach den Unterrichtsstunden Tipps und Ratschläge erteilen. Spüren Sie nach, welche von diesen Sie gut annehmen und daraus sogar einen Gewinn für Ihren Unterricht ziehen können und welche eher nicht. Teilen Sie dies Ihrer Ausbildungslehrkraft mit. Denken Sie auch daran, dieser ab und an zu sagen, wie hilfreich manche Anmerkungen für Sie sind.

Wenn Sie anderer Meinung sind

Sollten Sie einmal anderer Meinung sein oder andere pädagogische Ansätze als Ihre Ausbildungslehrkraft verfolgen, so versuchen Sie, dies tolerant zu betrachten. Akzeptieren Sie diese unterschiedlichen Zugangsweisen – verlieren Sie aber nicht aus dem Blick, dass Ihre Mentorin oder Ihr Mentor auch Ihnen gegenüber diese Toleranz zeigen sollte.

Geschieht dies nicht, werden Ihre Argumente gar nicht gehört oder tritt man Ihnen sogar eher belehrend entgegen, so sollten Sie überlegen, wie Sie diesem Verhalten begegnen können.

Wege aus dem Konflikt

Bitten Sie die Ausbildungslehrkraft zunächst um ein offenes Gespräch. Vermeiden Sie hier Du-Botschaften, sondern sprechen Sie in der Ich-Form. Bleiben Sie objektiv und sachlich. Sollte die Mentorin oder der Mentor sich Ihnen und Ihren Ansätzen gegenüber auch nach diesem Gespräch nicht aufgeschlossen zeigen, so können Sie sich einerseits an die Beratungslehrkraft der Ausbildungsschule wenden, die dann ganz gewiss auch das Gespräch gemeinsam mit Ihnen führen wird. Nur im äußersten Fall sollten Sie in Erwägung ziehen, die Ausbildungslehrkraft zu wechseln. Diese Thematik müssten Sie dann mit Ihrer Schulleitung und ggf. auch mit dem für Sie zuständigen Seminar besprechen.

Während Ihrer gesamten Laufbahn als Lehrerin oder Lehrer werden Ihnen immer wieder Kollegen begegnen, die Ihre Ansichten nicht unbedingt teilen und nachvollziehen können. Versuchen Sie, während des Referendariats eigene Ansätze so weit wie möglich durchzusetzen, zeigen Sie sich aber auch kompromissbereit.

Wenn Sie auch andere Methoden ausprobieren, weitet dies ganz nebenbei Ihren Horizont und kann Sie in Ihren Ansichten bestärken – aber auch ganz neue Impulse setzen. Genau dies ist das Ziel Ihrer Ausbildung. Eine Chance also für eine erfolgreiche Wirkung als Lehrkraft.

Alexandra von Plüskow ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin. Als solche sowie als Fachberaterin für das Fremdsprachenlernen in der Grundschule war sie an der Landesschulbehörde tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin für verschiedene pädagogische Verlage sowie als Lehrbeauftragte.

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