Basics Referendariat

Gesprächs- und Klassenregeln

Jeder Mensch hat das Recht, sich so zu verhalten, wie er sich verhält. Aber jeder andere hat das Recht, darauf so zu reagieren, wie er reagiert. (Peter Hohl)

Damit „darauf reagieren“ im Unterricht nicht zu autoritären Verzweiflungstaten seitens der Lehrkraft bzw. zu Rebellion seitens der Schüler führt, sondern zu einem angenehmen Miteinander und produktiven Lernklima, ist es wichtig, für alle bindende Gesprächs- und Verhaltensregeln einzuführen.

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Es gehört zu den zentralen Erziehungsaufgaben der Schule, dass sich die Schüler mit Regelsystemen auseinandersetzen. Diese Regeln müssen bekannt sein, die Konsequenzen bei Verstößen angemessen. Erarbeitet man Regeln und Konsequenzen gemeinsam, identifizieren sich die Schüler im besten Fall damit, und das soziale Miteinander wird gefördert. Außerdem werden Unterrichtsstörungen reduziert, und der Lehrkraft fällt es leichter, bei Fehlverhalten adäquat zu reagieren.

Da die Vorstellungen zum Thema Gesprächs- und Klassenregeln mitunter weit auseinandergehen, kann hier keine ultimative Lösung geboten werden, wie man eine vertrauensvolle und förderliche Unterrichtsatmosphäre schafft. Dennoch gibt es einige Tipps fürs gemeinsame Erarbeiten der Gesprächs- und Klassenregeln:

  • Schaffen Sie eine Basis, z. B. ausgehend von der Fragestellung: Wie muss ich mich verhalten und welches Verhalten erwarte ich von meinen Mitschülern, damit sich alle in der Klassengemeinschaft wohlfühlen?
  • Stellen Sie nicht zu viele Regeln auf, sieben bis acht müssen reichen. Das fördert die Akzeptanz der Schüler.
  • Formulieren Sie die Regeln klar und verständlich. So sind sie besser einzuhalten.
  • Das gemeinsame Erarbeiten soll sich auch in den Formulierungen widerspiegeln: Ich und wir ist persönlicher als man.
  • Die Regeln müssen realistisch und praktikabel sein, denn nur dann sind sie sinnvoll.
  • Gebote sind besser als Verbote, also sollten die Regeln immer positiv formuliert werden.

Dass Regeln eingehalten werden müssen, um nicht als leere Phrasen zu gelten, ist selbstverständlich. Damit alle Beteiligten die erarbeiteten Regeln immer vor Augen haben, empfiehlt es sich, diese auf einem Plakat für alle sichtbar im Klassenzimmer aufzuhängen. So kann man ggf. auch Regeln, die sich nicht bewährt haben, streichen bzw. andere hinzufügen. Außerdem können Schüler und Lehrer quasi als Vertragspartner unterschreiben.

Erarbeiten Sie auch die Konsequenzen gemeinsam, denn dann haben die Schüler eine Mitverantwortung. Konsequenzen müssen ebenfalls immer angemessen und sinnvoll sein, sollten sich stets auf den Regelverstoß beziehen, dafür sorgen, dass ein Schaden wiedergutgemacht wird, oder dem Schüler helfen, sich in Zukunft besser an die Regeln zu halten.

Noch ein paar Tipps für den Umgang mit Regelverletzungen:

  • Klären Sie, was genau der Schüler getan und gegen welche Regel er verstoßen hat.
  • Es kann hilfreich sein – vor allem bei uneinsichtigen Schülern – den oder die Betroffenen selbst beschreiben zu lassen, wie sich die Regelverletzung ausgewirkt hat. Falls Sie selbst betroffen sind, achten Sie unbedingt darauf, die eigenen Gefühle im Zaum zu halten.
  • Die Frage nach dem Warum führt oft ins Leere, weil die Schüler sie tatsächlich nicht beantworten können. Hilfreicher ist eher die Frage: „Was wolltest du damit erreichen?“
  • Reagieren Sie nicht vorschnell. Vereinbaren Sie ggf. eine Bedenkzeit, in der sich alle Beteiligten noch einmal über das Geschehen Gedanken machen können.
  • Bitten Sie die Beteiligten um Vorschläge, wie der Konflikt zu lösen ist und der Regelverstoß in Zukunft vermieden werden kann.
  • Erklären Sie den Zusammenhang der Konsequenz mit dem Regelverstoß, und achten Sie darauf, dass diese eingehalten wird.

Vor allem die ersten Wochen nach der Regelvereinbarung können anstrengend sein, sind aber von großer Bedeutung. Schüler brauchen Grenzen und merken im Gegenzug sehr schnell, wann sie sich regelkonform verhalten müssen und wann es möglich ist, Regeln zu umgehen. Deswegen ist es wichtig, konsequent an der Einhaltung der Verhaltens- und Gesprächsregeln festzuhalten. Dies zollt dem zusammen erarbeiteten Werk und den Schülern und Lehrern, die gemeinsam die Verantwortung tragen, den gebührenden Respekt.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte am Gymnasium. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg. Frau Mayer befindet sich ab Ende August 2014 im Mutterschutz mit anschließender Elternzeit.

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