Basics Referendariat

Zwischen vielen Stühlen …

Sie sollen eine Unterrichtseinheit planen, und es passt nichts zusammen. Und genau in dieser Einheit findet ein Unterrichtsbesuch des Seminars statt. Der Klassenlehrer hat Ansprüche bezüglich der Disziplin der Klasse an Sie – leider deckt sich das überhaupt nicht mit der Meinung der Seminarleitung. Die Klasse ist anstrengend. Ihr Anspruch an Unterricht ist ein ganz anderer als der, den die Fachlehrerin vertritt, und dann haben sich auch schon Eltern beschwert, weil immer ihre Kinder einen Lehrerwechsel verkraften müssten.
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Mit diesem Problem sind Sie nicht allein – die meisten kennen es. Viele Schüler finden es toll, wenn jemand in die Klasse kommt, der jünger ist als ihre Lehrer – aber es gibt auch immer wieder Schüler, die Ihre Unerfahrenheit ausnutzen und Sie dadurch zur Weißglut bringen können.

Kollegen sind oft begeistert, dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird – doch manche sehen Sie als Konkurrenz.

Die meisten Eltern wollen neue Lehrmethoden, befürchten aber andererseits, dass ihre Kinder nicht genug lernen.

Das Seminar möchte Sie unterstützen, Sie in Ihrer Ausbildung begleiten und Ihnen helfen, den richtigen Weg zu finden, doch gleichzeitig müssen Bewertungen vorgenommen werden.

Das kann im ersten Moment ganz schön viel sein. Doch bei näherem Hinsehen kann man einiges davon ganz einfach lösen. Sie können es nicht allen recht machen, aber Sie können sich ein wenig nach anderen richten.

Bei den Eltern vorstellen

Besonders gut ist es, wenn Sie sich zu Beginn eines Schuljahres in den Klassen vorstellen, in denen Sie auch unterrichten werden. Stellen Sie sich kurz und knapp vor und bleiben Sie selbstbewusst. Geben Sie den Eltern eine E-Mail-Adresse, unter der sie sich an Sie wenden können, wenn Fragen auftauchen. Das ist einfacher als Telefonkontakt. Denn eine Mail sollte zwar zeitnah, muss aber nicht sofort beantwortet werden. Haben Sie nicht diese Möglichkeit, geben Sie einen Klassenbrief heraus.

Kollegium einbinden

Binden Sie Mentoren, Klassenlehrer und Fachlehrer in Ihre Planungen mit ein. Fragen Sie, wer wann welchen Stand der Vorbereitung und Nachbereitung sehen möchte und an wen Sie sich bei Fragen wenden sollen.

Vorgaben des Seminars

Machen Sie sich im Seminar Notizen, sobald Sie Neues dazulernen. Am besten, Sie speichern es als Dokument ab und ändern es bei Bedarf sofort. Vermeiden Sie handschriftliche Mehrfachänderungen im Text. Irgendwann verlieren Sie den Überblick. Planen Sie anhand dieses selbsterstellten Leitfadens. Sollte es in der Planung gravierende Unterschiede zwischen dem Anspruch des Seminars und des Kollegiums geben, dann kommunizieren Sie das an den entsprechenden Stellen. Lässt es sich nicht klären, vereinbaren Sie ein Gespräch mit dem Seminar und Ihrem Mentor, in dem eine Lösung gefunden werden kann.

Umgang mit Schülern

Es gibt kein Patentrezept. Seien Sie freundlich und geben Sie einen kleinen Teil von sich Preis, z. B. ob Sie ein Tier haben, Ihre Lieblingsfarbe, welche Musik sie mögen, solange diese persönlichen Angaben unverfänglich bleiben. Vermeiden Sie aber Gespräche über Weltanschauungen, Religion, Politik, solange dies nicht zum Unterrichtsstoff gehört.

Schließen Sie keine Freundschaften mit Schülern, weder direkt noch per facebook. Kleiden Sie sich ruhig modisch, aber machen Sie nicht jeden neuen Trend (in der Schule) mit.

Seien Sie im Umgang mit Schülern vor allem konsequent. Wenn Sie Versprechungen machen, halten Sie diese ein. Und wenn Sie eine Strafe androhen, müssen Sie sie auch durchhalten. Lassen Sie sich auch nicht erweichen.

Was Sie außerdem tun können

Eigentlich haben Sie nun alle äußeren Gegebenheiten geklärt. Sie müssen nun nur noch selbst mit der Planung klarkommen. Bereiten Sie sich fachlich gut auf das Thema vor, das Sie bearbeiten. Vor allem das Internet liefert Ihnen eine Fülle an Material. Und sollte doch noch ein Schüler mehr wissen, binden Sie ihn mit ein. Setzen Sie im Rahmen der Möglichkeiten die Stunde so um, wie Sie möchten. Versetzen Sie sich in die Rolle eines Schülers. Scheuen Sie sich jetzt am Anfang Ihrer Laufbahn (und auch später!) nicht, jüngere Geschwister, Nichten oder Neffen zu fragen, was sie von Ihrer Planung halten.

Und wenn es doch nicht klappt?

Oft ist es nicht einfach. Beginnen Sie dann, sich mit Ihrem Problem auseinanderzusetzen und isolieren sie es. Werden Sie konkret. Nicht: „Die ganze Klasse ärgert mich!“, sondern Schüler x oder Schülerin y. Nicht: „Alle sind laut!“, sondern einige bestimmte Schüler sorgen für Unruhe. Nicht: „Mich unterstützt keiner“, sondern Herr/Frau z gibt mir nicht die Unterstützung, die ich erwarte.

Dann suchen Sie sich Verbündete, denen es ähnlich geht, so werden Sie Schritt für Schritt (fast) jedes Problem bewältigen.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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