Diagnose und Förderung

So erkennen Sie Teilleistungsstörungen Ihrer Schülerinnen und Schüler

Teilleistungsstörungen wie Legasthenie und eine Dyskalkulie beeinträchtigen nicht nur das Lernverhalten Ihrer Schülerinnen und Schüler, sondern auch deren Persönlichkeit und ihr allgemeines Verhalten. Welchen Anzeichen sollten Sie als Lehrkraft besondere Aufmerksamkeit schenken – und wie sollten Sie reagieren, wenn Sie eine Teilleistungsstörung vermuten?
Fotolia 14418968 XS PerlenVorDieAugen - Fotolia

Teilleistungsstörungen – was hinter dem Begriff steckt

Unter Teilleistungsstörungen bzw. Teilleistungsschwächen versteht man zum Teil ausgeprägte Leistungsminderungen. Diese können i. A. nicht durch eine mangelnde Förderung oder eine Verminderung der Intelligenz erklärt werden.  Als Ursachen werden beispielsweise eine genetische Disposition oder auch biologische Gründe vermutet.

Teilleistungsstörungen äußern sich z. B. in Form einer Legasthenie, einer Dyskalkulie, im ADHS/ADS oder auch in einem Autismus.

So beobachten Sie Ihre Schülerinnen und Schüler hinsichtlich von Teilleistungsstörungen

Entscheidend für eine möglichst frühzeitige bzw. angemessene Förderung ist es, zunächst eine Teilleistungsstörung zu erkennen. Diese scheinbar profane Aussage stellt sich in der Schulrealität durchaus als Herausforderung an Lehrkräfte und Erziehende dar. Wichtig ist, dass Sie Ihre Schülerinnen und Schüler im Unterricht und Schulalltag genau beobachten. Achten Sie neben dem fachlichen Lernstand auch auf deren Arbeits- und Sozialverhalten sowie auf die Selbstkompetenz. Gibt es Dinge, die Ihnen besonders auffallen oder auch Unstimmigkeiten im Verhalten einer Schülerin oder eines Schülers, sollten Sie diese unter Angabe des Datums und der Uhrzeit notieren. Vermuten Sie eine Teilleistungsstörung, sammeln Sie außerdem Schülerarbeiten und heften alle Unterlagen zusammen ab.

Woran Sie Teilleistungsschwächen erkennen können.

Neben spezifischen Symptomen, die sich bei möglichen Teilleistungsschwächen zeigen, ändert sich oftmals mit der Zeit auch das Verhalten der betroffenen Schülerin bzw. des Schüles. Oftmals leiden diese unter einem großen inneren Druck und unter innerer Not. Einige von ihnen ziehen sich zurück, zeigen sich lustlos und sind zum Lernen nicht zu motivieren. Andere wiederum äußern sich aggressiv oder werden zum sog. Klassenkasper. Suchen Sie das Gespräch mit diesen Lernern. Sprechen Sie behutsam an, was Sie beobachten und geben Sie ihr oder ihm die Möglichkeit, sich zu öffnen und die eigene Sicht darzustellen. Protokollieren Sie nach dem Gespräch kurz dessen Inhalt.

Treten Sie in den Dialog

Sollten Sie bei einer Schülerin oder einem Schüler eine Teilleistungsschwäche vermuten, so bitten Sie frühzeitig die jeweilige Fachlehrkraft und Klassenlehrkraft um ein Gespräch. Schildern Sie Ihre Beobachtungen und Vermutungen und regen Sie an, ein gemeinsames Gespräch mit den Eltern und eventuell mit der Beratungslehrkraft der Schule zu führen. Im Rahmen dieses Gespräches sollten Sie Ihre Beobachtungen mit denen aus dem Elternhaus abgleichen.

Folgende Fragen sind hier von besonderer Bedeutung:

  • Wie zeigt sich die Schülerin bzw. der Schüler zu Hause?
  • Wie schätzen die Eltern die bisherige Entwicklung ihres Kindes ein? Gab es eventuell Entwicklungsverzögerungen?
  • Wie gestaltet sich die Hausaufgabensituation zu Hause?

Beraten Sie gemeinsam über das weitere Vorgehen. Sinnvoll wäre es, rasch zu handeln. So ist es ratsam, den für Ihre Schule zuständigen Schulpsychologischen Dienst hinzuzuziehen. Eine Fachfrau oder ein Fachmann wird vermutlich eine zeitlang an Ihrem Unterricht teilnehmen und Sie hinsichtlich der weiteren Verfahrensweise beraten. Sollte auch seitens des Schulpsychologischen Dienstes eine Teilleistungsschwäche vermutet werden, so wird in der Regel eine Diagnostik und Therapie eingeleitet.  AvP

Die Autorin Alexandra von Plüskow ist Grund- und Hauptschullehrerin. Sie war mehrere Jahre als Lehrerin und Fachberaterin für die Landesschulbehörde Lüneburg und als Lehrbeauftragte für die Universität Koblenz-Landau tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin und Referentin für verschiedene Verlage.