Gespräche

Die Erreichbarkeit des Referendars – wie viel muss sein?

Bildung funktioniert nur im Zusammenspiel. Eltern, Lehrer und auch Schüler müssen Hand in Hand arbeiten, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Am besten funktioniert das durch enge Kontakte und viele Gespräche. Doch wie weit und vor allem wann müssen Lehrer erreichbar sein, und wie kann eine solche Kommunikation stattfinden?
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Jeder Lehrer, auch jeder Referendar, der eigenverantwortlich unterrichtet, muss eine Sprechstunde anbieten, die in der Unterrichtszeit liegt. Das allein reicht jedoch lange noch nicht aus, denn manchmal muss schnell ein Kontakt hergestellt und auch Termine für die Sprechstunden müssen vereinbart werden.

Die Herausgabe der privaten Telefonnummer ist da sicherlich nicht die beste Lösung. Eine Festnetznummer ist permanent erreichbar, und während manche Eltern noch vor Unterrichtsbeginn das Bedürfnis haben, etwas loszuwerden, rufen andere Eltern direkt nach Unterrichtsende an, wieder andere bevorzugen den frühen Abend und die Letzten möchten gern dann telefonieren, wenn die Kinder abends im Bett sind. Das würde bei der Herausgabe der privaten Nummer eine permanente Erreichbarkeit bedeuten – und eventuell auch Unverständnis, wenn Sie nicht erreichbar sind, denn Sie haben die Nummer schließlich herausgegeben.

Alternativ gibt es mehrere Möglichkeiten:

Erreichbarkeit über das Sekretariat der Schule

Es gibt an jeder Schule ein Sekretariat, das zumindest stunden- oder tageweise besetzt ist. Hier können die Eltern Ihnen eine Nachricht bzw. eine Rückrufnummer hinterlassen und ggf. einen Zeitraum benennen, zu dem sie erreichbar sind. Doch ist hier nicht immer und zu allen Schulzeiten jemand zu erreichen, und außerhalb der Schulzeiten ist das Büro nicht besetzt. Aber genau dann tauchen zu Haus zumeist Probleme und Fragen auf.

Eine extra Nummer

Was vor einigen Jahren noch utopisch war, ist heute problemlos möglich. Sowohl ein mobiles Gerät mit einem einfachen Vertrag als auch eine zweite Festnetznummer sind schnell eingerichtet. Hier kann ein Anrufbeantworter oder eine Mailbox geschaltet werden, sodass ein Anruf jederzeit entgegengenommen wird. Den Eltern kann zugesichert werden, dass dieser Anschluss einmal pro Werktag abgerufen wird, und Sie können entscheiden, wann Sie zurückrufen. So haben Sie wie auch bei der Erreichbarkeit durch die Schule die Möglichkeit, sich auf den Rückruf vorzubereiten.

Whats App & Co.

Smartphones gehören heute zum Alltag Ihrer Schüler. Zum raschen Informationsaustausch, aber auch zur Beantwortung allgemein die Klasse betreffende Fragen (Termine, Materialien, Basics o. Ä.) bietet es sich an, für Ihre Klasse einen Gruppenchat (z. B. über Whatts App, Line oder Skype) einzurichten. Ein persönliches Gespräch kann diese Plattform natürlich ebenfalls nicht ersetzen. Der Austausch sensibler Daten oder Informationen hat hier selbstverständlich nichts verloren.

E-Mail-Adresse

Auch eine Mailadresse ist eine Möglichkeit. Hier können Sie entweder eine bestehende nutzen oder extra eine Adresse für die Schule einrichten. Wichtig hierbei ist eine neutrale Adresse z. B. mit einer Kombination aus Vorname und Nachname. XOX oder Spitznamen haben hier nichts zu suchen.

Auch diese Mails sollten einmal am Tag abgerufen werden, um sicher zu sein, dass keine übersehen wird. Per Mail können Sie kurze Fragen beantworten, doch größere Anliegen sollten besser in einem persönlichen Gespräch geklärt werden, für das sich sicherlich ein Termin finden lässt.

Bitte bedenken Sie immer, mit wem Sie reden. Auskunft über den Leistungsstand und alle anderen Belange des Kindes dürfen nur die Erziehungsberechtigten bekommen. Wenn Sie sich nicht sicher sein sollten, mit wem Sie reden dürfen, helten Sie mit dem Klassenlehrer Rücksprache oder fragen Sie im Sekretariat nach, denn auch die Schülerakten geben darüber Auskunft.

Abschließend sei gesagt: Sie sollten bereit sein, Gespräche mit Eltern und Erziehungsberechtigten zu führen. Bieten Sie eine Kombination aus vielen Kontaktmöglichkeiten an, die Sie nicht einschränken. So können Sie eine maximal mögliche Erreichbarkeit gewährleisten und Ihre Zeit trotzdem nach Ihren Vorstellungen einteilen.

Damit die Eltern erfahren können, wie sie Sie am besten erreichen, ist es ratsam, in einer neuen Klasse, die Sie eigenverantwortlich unterrichten, einen kurzen Brief über die Schüler (oder per Mail, wenn das so in der Klasse gehandhabt wird) an die Eltern zu leiten. Neben einer kurzen Vorstellung bekommen die Eltern so die Informationen, die sie brauchen.

Wenn Sie gemeinsam mit einem Kollegen in der Klasse sind und dieser verantwortlich für den Unterricht ist, dann reicht es, wenn Sie sich kurz vorstellen und auf eine Erreichbarkeit über das Sekretariat hinweisen.

Kostenfrei zum Herunterladen finden Sie den Entwurf eines solchen Elternbriefes als Download neben dem Artikel auf unserer Webseite, den Sie je nach Bedarf für sich persönlich modifizieren können. 

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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