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Der Elternstammtisch - als Lehrkraft daran teilnehmen?

Beim Stichwort Elternstammtisch fallen die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen oftmals sehr unterschiedlich aus. Die einen halten gar nichts von einem zusätzlichen, außerschulischen Treffen, andere nehmen eine Einladung der Klasseneltern dankend an und begegnen diesen gerne auch einmal in lockerer Atmosphäre.
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Ein Stammtisch von Eltern für Eltern – mit Lehrkräften?

Grundsätzlich ist ein Elternstammtisch, wie das Wort schon sagt, ein Stammtisch für Eltern – genauer gesagt ein Stammtisch von Eltern für Eltern. Nicht immer wird dieser von den Müttern und Vätern aber gewünscht. Es gibt immer wieder Klassen, in denen die Eltern eine solche außerschulische Begegnungsstätte gar nicht einrichten wollen. Um dies abzuklären, lässt sich einfach eine kleine „Umfrage“ am ersten Elternabend starten – dies ist allerdings nicht Ihre Aufgabe, sondern der Ihrer zuvor gewählten Klassenelternsprecher.

Letzteren obliegt dann auch die Organisation dieser Treffen. Sie legen Ort bzw. Zeit fest und laden alle Gäste schriftlich ein. Ihre Aufgabe ist in den meisten Fällen lediglich, Einladungen über die Schülerinnen und Schüler an das Elternhaus weiterzuleiten. Ob der Stammtisch monatlich stattfindet, einmal pro Halbjahr oder gar nicht, ist von Klasse zu Klasse unterschiedlich und hängt auch davon ab, welches Klima innerhalb der Elternschaft herrscht.

Nicht immer ist die Anwesenheit der Klassenlehrerin oder des Klassenlehrers bei diesen Treffen erwünscht. Warten Sie deshalb ab, ob Sie eine Einladung zum Stammtisch erhalten und entscheiden Sie dann, ob Sie an diesem Abend teilnehmen möchten oder nicht.

Ein Tisch voller Stammgäste

Ähnlich wie bei einem herkömmlichen Stammtisch trifft man sich bei einem  Elternstammtisch, um sich in einem ungezwungenen Rahmen austauschen zu können. Wie groß dabei die Anzahl der Teilnehmer ist, ist sehr unterschiedlich. Während in manchen Klassen alle Eltern dabei sind, erscheinen in anderen nur einzelne. Dies hängt natürlich nicht nur vom Terminkalender der Beteiligten ab, sondern auch davon, wie sich die Mütter und Väter miteinander verstehen. Ein Elternstammtisch ist kein Elternabend und ein „Zusatzangebot“, niemand sollte sich verpflichtet fühlen, daran teilnehmen zu müssen. Das gilt auch für die eingeladenen Lehrkräfte.

Eine Gelegenheit zum angeregten und anregenden Austausch

Die Themen des Abends variieren abhängig vom Verhältnis der Gäste zueinander sehr stark. Während bei manchen Veranstaltungen nicht über das große Thema Schule hinausgegangen wird und sich alle Gespräche um anstehende Veranstaltungen bzw. Vorkommnisse innerhalb und außerhalb der Klasse drehen, kommen in anderen Fällen auch persönlichere Gesprächsthemen auf den Tisch. Gerade am Anfang des Schuljahres eignen sich Elternstammtische – vor allem in neu zusammengesetzten Klassen – auch gut für ein gegenseitiges Kennenlernen. In keinem Fall ist ein Elternstammtisch dafür vorgesehen, den ganzen Abend nur Probleme zu wälzen und über Abwesende (negativ) zu sprechen. Ziel sollte ein zwangloses Treffen außerhalb der Schulwände sein, das allen Anwesenden Spaß macht und ihnen ein gutes Gefühl gibt.

Sie sind Gast, nicht Gastgeber

Im Gegensatz zum Elternabend oder zu anderen schulischen Veranstaltungen nehmen Sie beim Elternstammtisch keine „führende“ Rolle ein. Sie treten hier nicht als Gastgeber in Erscheinung, sondern sind selbst ein geladener Gast. Dementsprechend müssen Sie sich auf diesen Abend weder vorbereiten, noch müssen sie als Moderator auftreten. Gerade weil Sie aber nicht als irgendein Elternteil in dieser Runde sitzen, sondern als Vertreter der Schule, hilft es, sich an den folgenden Grundsätzen zu orientieren.

  • Nutzen Sie die Chance sich gegenseitig kennenzulernen, geben Sie aber nicht zu viele persönliche Informationen preis.
  • Es gibt immer wieder Fälle, in denen der Lehrkraft in diesem Rahmen das Du angeboten wird. Gehen Sie auf keinen Fall darauf ein und lehnen Sie dankend ab.
  • Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholgenuss.
  • Zeigen Sie Interesse an den Themen der Anwesenden.
  • Nutzen Sie die Zusammenkunft auch für Ihre Zwecke und planen Sie gemeinsam mit den Eltern anstehende Aktionen und beziehen diese ein.
  • Gehen Sie auf Fragen, Wünsche und Anregungen der Eltern ein.
  • Halten Sie an diesem Abend keine Dauersprechstunde ab. Falls ein Elternteil auf Sie zukommt, um ein schulisches Problem mit Ihnen zu besprechen, verweisen Sie freundlich auf Ihre Sprechstunde. Ein Elternstammtisch darf keinesfalls zu einem außerplanmäßigen Elternsprechabend werden.
  • Vermeiden Sie Gespräche über abwesende Kinder bzw. Eltern, sonst wird der Stammtisch schnell zum „Lästertisch“.
  • Abstimmungen und Beschlüsse, die schulische Themen betreffen, haben am Elternstammtisch nichts zu suchen!

Elternstammtische sind freiwillig – auch für Sie

Ob Sie sich für oder gegen eine Teilnahme am Elternstammtisch entscheiden, bleibt ganz Ihnen überlassen. Es ist Ihre persönliche Entscheidung, ob Sie nie, nur vereinzelt oder immer erscheinen möchten.

Wenn Sie sich dagegen entscheiden, sagen Sie den Klassenelternsprechern auf jeden Fall Bescheid, dass Sie nicht kommen und erklären Sie diesen auch warum. Was Sie als Grund nennen, ist wiederum Ihre Entscheidung. Sollten Sie sich allerdings in keiner Form zur Einladung äußern, könnte das als Desinteresse bzw. Ablehnung missverstanden werden.

Wenn Sie sich für ein sporadisches Erscheinen entscheiden, sagen Sie den Eltern auch in diesem Fall jeweils im Vorfeld Bescheid, ob Sie kommen oder nicht. Ein Elternstammtisch muss nicht immer in Anwesenheit der Lehrkraft stattfinden. Eltern sind vielleicht auch froh, wenn sie unter sich bleiben. Natürlich müssen Sie im Falle Ihrer Abwesenheit dann aber auch damit klarkommen, dass Ihre Person Inhalt der Gespräche sein könnte.

Falls Ihnen eine Entscheidung schwer fällt, gehen Sie einfach mal hin und sehen sich die Sache an. Die Dauer Ihres Besuches können Sie spontan nach Ihrem persönlichen Gefühl richten. Fühlen Sie sich nicht wohl oder überflüssig, verabschieden Sie sich schon früher, geht es Ihnen gut in der Runde, bleiben Sie länger. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl!   JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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