Gespräche

Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule

Das Bundesverfassungsgericht ordnete schon im Jahr 1972 den staatlichen Erziehungsauftrag dem elterlichen gleich – eine Aufforderung zur Kooperation für Schule und Elternhaus. Denn gerade in Zeiten der Ganztagsschulen erhält die Institution Schule eine wachsende Bedeutung hinsichtlich der Erziehung der ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Was das für Sie als Referendarin und Referendar bedeutet, zeigt der folgende Beitrag auf.
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Erziehungspartnerschaft

Schon zu Beginn Ihres Referendariats sollten Sie sich der Bedeutung dieses Wortes bewusst sein. Schülerinnen und Schüler nicht nur zu bilden, sondern gleichsam zu erziehen, ist eine hohe Verantwortung, die Sie sich mit den Eltern teilen. Fragen Sie an Ihrer Ausbildungsschule nach, wie diese Erziehungspartnerschaft wahrgenommen und praktisch umgesetzt wird. Welche Regeln gelten an der Schule, welche Maßstäbe? Fragen Sie Ihre Schulleitung und auch die jeweiligen Mentorinnen und Mentoren, wie dieser Auftrag Tag für Tag in den Unterrichtsalltag einfließt und in der Praxis realisiert wird.

Erziehungspartnerschaft auf Schulebene

Hier begegnet man sich gleichberechtigt. Sowohl das Elternhaus als auch die Schule haben den gleichen Auftrag und müssen sich darüber austauschen, wie sie diesen ausführen können. Auf Ebene der Schule sollte ein Katalog entwickelt werden, wie die Zusammenarbeit gelingen kann, der allen Eltern und den Beschäftigten dieser Schule bekannt und präsent sein sollte. Mancherorts wird ein Vertrag entwickelt, den alle Beteiligten vor dem Schulbesuch unterschreiben und der dann verbindlich festhält, wie die Kooperation verlaufen soll.

… und auf Klassenebene

Auch im Rahmen der einzelnen Lerngruppen sollte mit den Eltern regelmäßig ein Austausch stattfinden, wie der Erziehungsauftrag zusammen umgesetzt werden kann. Hierzu dienen Veranstaltungen wie Elternabende. Aber auch Informationsveranstaltungen und Klassenfeiern können einem informellen Austausch dienen. Hierbei sollten auch Wege der Kommunikation besprochen und entwickelt werden.

Ihre Rolle im Referendariat

Auch während Ihres Referendariats sollten Sie sich stets das Potenzial einer gelungenen Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule vor Augen führen. Überlegen Sie, wo Sie sich einbringen können.

Bieten Sie eine persönliche oder telefonische Sprechstunde an. Richten Sie sich ggf. eine dienstliche E-Mail-Adresse ein.

Wenn Sie Veränderungen an einer Schülerin/einem Schüler bemerken, ist es auch jetzt schon Ihre Aufgabe, das Elternhaus davon in Kenntnis zu setzen und gemeinsam mit den Eltern und auch mithilfe Ihrer Mentorin/Ihres Mentors Lösungswege aus bestimmten Situationen zu entwickeln. Besonders bedeutsam ist hier stets der beständige Austausch zwischen Ihnen und dem Elternhaus.

Auch Ihre Mentorin/Ihr Mentor sollte Sie in Kenntnis setzen, falls Eltern mit Problemen an sie oder ihn herangetreten sind.

Elternbriefe

Sie sollten ebenfalls Wert auf eine gute schriftliche Kommunikation mit dem Elternhaus legen. Entwerfen Sie deshalb in regelmäßigen Abständen kurze Informationsschreiben, in denen Sie die Eltern über Ihren Unterricht und geplante Vorhaben unterrichten. Nutzen Sie Elternabende. Erstellen Sie dazu kleine Informationsplakate, die mithilfe von Fotos und Kurztexten Ihren Unterricht, Ihre Projekte darstellen.

Den richtigen Ton finden

Sowohl Eltern als auch Lehrkräfte sollten in der Erziehungspartnerschaft den richtigen Ton finden. Es geht dabei nicht darum, permanenter Gesprächspartner für Eltern zu sein. Eltern dürfen Sie auch nicht grundlos und unsachlich angreifen. Merken Sie, dass die Kommunikation unangemessen verläuft, sollten Sie sich Mechanismen zurechtlegen, sich abzugrenzen. In einigen Fällen ist es hilfreich, sich die Unterstützung vonseiten Ihrer Mentorin/Ihres Mentors einzuholen.

Doch auch Sie sollten darauf achten, nicht mit dem „erhobenen Zeigefinger“ zu handeln, sondern mit den Eltern partnerschaftlich umgehen. Vermeiden Sie „Du-Botschaften“ und sprechen Sie lieber in der „Ich-Form“.

Einige Eltern haben während ihrer Schulzeit schlechte Erfahrungen mit der Institution Schule gemacht und reagieren deshalb ggf. zunächst abweisend auf Probleme. Wenn Sie diese aber sachlich und konstruktiv darlegen und klären können, verläuft die gemeinsame Arbeit in den meisten Fällen produktiv.

Nutzen Sie also das Potenzial einer gelungenen Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule bereits während Ihres Referendariats. Wenn Sie für sich genau definieren, wie diese in Ihrer täglichen Arbeit umzusetzen ist, ist sie gewinnbringend für alle Seiten.

Alexandra von Plüskow ist Grund-, Haupt- und Realschullehrerin. Als solche sowie als Fachberaterin für das Fremdsprachenlernen in der Grundschule war sie an der Landesschulbehörde tätig. Derzeit arbeitet die zweifache Mutter als freie Fachjournalistin für verschiedene pädagogische Verlage sowie als Lehrbeauftragte.

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