Gespräche

Wenn nichts mehr geht – Einladung & Vorbereitung zum Elterngespräch

Elterngespräche sind von Beginn des Referendariats an fester Bestandteil des Berufsalltags – sei es, dass du aufgrund eines aktuellen Anlasses auf die Eltern zukommst oder dass Eltern den Kontakt suchen. Diese Elterngespräche besitzen jeweils einen sehr individuellen Charakter. Allen Gesprächen gemeinsam ist jedoch, dass Eltern erwarten, ernst genommen zu werden und angemessen Zeit für ihre Anliegen zu erhalten, was im hektischen Schulalltag nicht immer einfach zu realisieren ist. Je besser solche Gespräche vorbereitet sind, desto konstruktiver und effektiver verlaufen sie. Hier findest du einige Tipps.
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Vorbereitung

Ein erster wichtiger Schritt für einen erfolgreichen Austausch ist die Vorbereitung, auch um die häufig emotionalen Gespräche in sachliche Bahnen zu lenken. Wenn die Initiative von den Eltern ausgeht, solltest du sie immer nach dem Anlass fragen. Dann kannst du im Vorfeld bereits die erforderlichen Unterlagen, z. B. Noten, Beobachtungen von Kollegen etc., zurechtlegen. Auch die Dauer des Gesprächs ist dann leichter einzuschätzen.

Grundsätzlich solltest du dich an den folgenden fünf Gesprächsphasen orientieren: Kontaktaufnahme, Zielklärung, Analysephase/Problembesprechung, Beschlussphase und Abschlussphase.

Atmosphäre schaffen

Eine freundliche Begrüßung zeigt den Eltern, dass sie willkommen sind und dass es hier im Gespräch darum geht, gemeinsam eine für alle Beteiligten konstruktive Lösung zu finden. Denn bei den meisten Elterngesprächen geht es eher um konflikt- und emotionsbelastete Inhalte: aktueller Leistungsstand, auffälliges Sozialverhalten des Schülers, schwierige häusliche/familiäre Umstände, die das (Lern-)Verhalten beeinträchtigen etc. Ein wertschätzender und respektvoller Umgang mit den Eltern entschärft bereits sehr viele Situationen. Dazu zählt auch, dass mögliche Störungen ausgeschaltet werden. An vielen Schulen stehen für Elterngespräche eigene Räume zur Verfügung, die ein ungestörtes Gespräch ermöglichen.

Gesprächsführung

Das Gelingen eines Elterngesprächs lässt sich auch durch das Beachten einiger grundsätzlicher Aspekte der Gesprächsführung sicherstellen. So solltest du zunächst den Eltern die Gelegenheit geben, ihre Sicht ausführlich darzustellen, und ihnen aufmerksam zuhören. Erst dann solltest du deine und die Beobachtungen der Lehrkräfte in der Schule anführen. Häufig verhalten sich Schüler in der Schule anders als Zuhause, und das ist den allermeisten Eltern auch bewusst. Ganz zentral ist dabei, bestimmte Verhaltensweisen eines Kindes nicht als Eigenschaften anzusehen, kein Kind will nie lernen oder ist immer faul. Vermeiden solltest du Generalisierungen und Pauschalisierungen. Auch über Dritte zu sprechen, wenn diese nicht dabei sind, ist tabu. Ebenso solltest du Verteidigungssituationen vermeiden. Empfehlenswert ist es, deeskalierend auf zu laute und zu persönlich werdende Gesprächspartner einzuwirken.

Gemeinsam im Gespräch mit den Eltern solltest du positive Aspekte suchen, die verstärkt werden können, um das Problem zu beheben. Was können Eltern konkret tun, was die Schule, die Lehrkräfte? Welcher Part wird vom Schüler erwartet? Immer solltest du die Eltern aktiv in die Lösungssuche einbeziehen und ihre Ideen einfordern.

Dann sollten diese Punkte auch in einer Vereinbarung festgemacht werden und verbindlich sein. Hier darfst du durchaus energisch auftreten – schließlich geht es sowohl den Eltern als auch dir um das Wohl des Schülers. Thematisiere hier auch mögliche Folgen für den Schüler, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten oder nicht umgesetzt werden. Bei schwierigeren Angelegenheiten empfiehlt es sich, Notizen oder ein kurzes Ergebnisprotokoll anzufertigen, das bei Bedarf auch zur Schülerakte genommen werden kann.

Falls es dennoch keine Einigung gibt, solltest du einen weiteren Gesprächstermin ansetzen. Dies kann auch sinnvoll sein, wenn sich im Laufe des Gesprächs herausstellt, dass die zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreicht. Vielleicht ist es auch erforderlich, andere Personen, z. B. den Klassenleiter, die Schulpsychologin etc., zum Gespräch dazu zu bitten. In diesem Fall wirst du ebenfalls einen weiteren Termin vereinbaren müssen.

Verabschiedung

Auch die Abschlussphase und die Verabschiedung solltest du nicht vernachlässigen. Die Eltern sollten nicht das Gefühl haben, dass du sie möglichst schnell wieder loswerden willst. Vielmehr solltest du das Gespräch freundlich beenden und die positiven Ergebnisse hervorheben sowie die weitere Zusammenarbeit ansprechen. Die Eltern werden diese Offenheit zu schätzen wissen und gerne wieder zu einem Gespräch in die Schule kommen.

Auch zu diesem wichtigen Thema bietet die SchiLf-AKADEMIE ein interessantes Seminar. Mehr dazu erfährst du unter: www.schilf-akademie.de/seminare/arbeitsorganisation-und-kooperation/schwierige-elterngespraeche-professionell-fuehren.html

Juliane Stubenrauch-Böhme, München Lehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch und Spanisch; Stellvertretende Schulleiterin am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium Neufahrn bei Freising; Verfasserin von Unterrichtshilfen und Artikeln für verschiedene Verlage und Magazine

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