Gespräche

Informationsaustausch über Schülerinnen und Schüler bzw. Klassen

Jede Schülerin, jeder Schüler ist ein Individuum mit verschiedenen Stärken und Schwächen – und einer eigenen Historie. Daran gilt es, kontinuierlich  mit Eltern und Kollegen weiterzuarbeiten. Warum also bei null anfangen?

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Nehmen Sie den Einzelnen in den Blick

Gerade wenn Sie eine Klasse neu übernehmen, ist es oft hilfreich, sich bei der Kollegin bzw. dem Kollegen, die die Schülerinnen und Schüler bereits kennen, Informationen über einzelne einzuholen. Bei diesen Informationen kann es sich sowohl um deren fachliche Leistungen als auch um ihre sozialen Verhaltensweisen handeln.

Stellen Sie fest,

  • ob bei der Schülerin oder dem Schüler in den Vorjahren eine Lernschwäche oder auch Hochbegabung diagnostiziert wurde,
  • welche besonderen Stärken und Schwächen vorliegen,
  • wie die Arbeitshaltung der Schülerin bzw. des Schülers war (Hausaufgaben, Ordnung usw.),
  • ob es soziale Schwierigkeiten mit anderen Schülerinnen und Schülern in der Klasse gab,
  • ob es zwischen Lehrkräften und Eltern besondere Absprachen gab,
  • ob die Lehrkraft bestimmte Tipps und Tricks zum Umgang mit der Schülerin bzw. Schüler hat.

So können Sie sich besser auf individuelle Besonderheiten vorbereiten und die Schülerin bzw. den Schüler entsprechend frühzeitig fördern. Nicht alle Informationen stehen immer in der Schülerakte und können diesem entnommen werden. Ein persönliches Gespräch und ein aktiver Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen hilft in der Regel weiter.

Finden Sie heraus, wie die Klasse tickt

Oftmals treten die Schülerinnen und Schüler einer Klasse bei verschiedenen Lehrkräften unterschiedlich auf. Teilweise sind sie für eine Lehrkraft anhand der Beschreibung einer Kollegin oder eines Kollegen nur schwer wiederzuerkennen. Während sie bei der einen zahm wie Lämmer sind und sich diszipliniert verhalten, zeigen sie sich bei einem anderen von einer völlig anderen Seite. Falls Sie in der zweiten Situation feststecken, holen Sie sich Hilfe bei der erstgenannten Kollegin.

Fragen Sie sie,

  • ob bei ihr ein Belohnungssystem zur positiven Verstärkung besteht.
  • welche Disziplinarmaßnahmen sie anwendet.
  • welche Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts (positiv) auffallen und wie sie damit.

Oftmals werden Klassen insgesamt schon ruhiger, wenn die auffälligen Schülerinnen und Schüler eine andere Ansprache erfahren oder „unter Kontrolle“ sind.

Rituale sind wichtig – und sollten abgesprochen werden

Absprachen mit den Kolleginnen und Kollegen sind auch dann besonders wertvoll, wenn es um Rituale geht. Sprechen Sie sich mit den Lehrerinnen und Lehrern ab, die ebenfalls in der Klasse unterrichten, und nutzen Sie Abläufe und Regeln, die den Schülerinnen und Schülern ggf. aus dem Vorjahr bekannt sind. Achten Sie gemeinsam darauf, dass – auch wenn jeder etwas anders mit einem Ritual umgeht – sie im Vergleich mit den Kollegen nicht kontraproduktiv arbeiten, d. h. wenn z. B. am Ende der Stunde die Hausaufgaben von allen in ein Heft eingetragen werden sollen, sie dies nicht auf die Pause verschieben oder als „nicht so wichtig“ abtun. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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