Gespräche

Als Lehrkraft Unterrichtsgespräche fachlich und didaktisch erfolgreich lenken

Unterrichtsgespräche in verschiedensten Formen prägen den schulischen Alltag. In welcher didaktischen Qualität diese ablaufen, hängt ganz entscheidend von den Beteiligten und deren Gesprächsverhalten bzw. deren Rollen ab. Sie als Lehrkraft haben die Wahl, in welche Richtung Sie die fachlichen Gespräche leiten wollen. Doch versuchen Sie, die Zügel auch in diesem Bereich mal aus der Hand zu geben und Ihren Schülerinnen und Schülern mehr Spielraum zu gewähren.
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Initiieren Sie fachliche Unterrichtsgespräche

Um zielorientierte Unterrichtsgespräche initiieren zu können, sollten Sie sich zunächst die Bedeutung eines Gesprächs bewusst machen. Als Gespräch wird ganz allgemein die Kommunikation von Menschen definiert, wobei dabei ganz klar ein Dialog und kein Monolog im Zentrum stehen. Im Bewusstsein darüber, dass Menschen sowohl verbal als auch nonverbal kommunizieren, soll in den folgenden Ausführungen die verbale Ebene eines Gespräches im Vordergrund stehen.
Während ein privates Gespräch in gewissen Situationen durchaus auch „einem Geplauder“ gleichzusetzen ist, zielt das fachliche Unterrichtsgespräch ganz klar auf einen wissenschaftlichen Inhalt ab. Auf dieser Grundlage ist das Unterrichtsgespräch als eine Lehrform zu definieren, in der eine Schulklasse im Gespräch versucht, ein entstandenes Problem oder eine gestellte Aufgabe zu lösen.

Freies Unterrichtsgespräch oder gelenkte Gesprächsformen? Entscheiden Sie!

In welcher Form ein Unterrichtsgespräch von statten geht, hängt von Ihren didaktischen Vorstellungen ab. Gelenkte Gespräche führen die Schülerinnen und Schüler durch bestimmt Impulse oder Nachfragetechniken der Lehrkraft ganz bewusst zu einem exakt vorgeplanten Punkt. Im Gegensatz dazu kommt den Lernenden bei freien Unterrichtsgesprächen bzw. Schülergesprächen eine zentrale Rolle zu, denn sie selbst bestimmen hier den Kommuikationsverlauf. Natürlich steuern sie auch in diesem Fall einem von der Lehrkraft vorherbestimmten Ziel entgegen, doch entwickeln sich die Zwischenziele auf dem Weg dorthin erst innerhalb der Kommunikation. Besonders wichtig ist es hierbei, dass die Schülerinnen und Schüler feste Gesprächsregeln verinnerlicht haben. Die Rolle der Lehrkraft kann von Fall zu Fall wechseln. Während Sie bei Diskussionen eher dirigierende Aufgaben übernehmen, Beiträge anregen und Gespräche gegebenenfalls lenken, geben Sie bei anderen Gesprächsformen nur den Anfangsimpuls und ziehen sich dann zurück. Ob frei oder gelenkt: Versuchen Sie sich zunehmend immer mehr zurückzunehmen und überlassen Sie die „Arena“ Ihren Schülerinnen und Schülern.

Schaffen Sie die passenden Rahmenbedingungen

Im Folgenden finden Sie hilfreiche Tipps, um Unterrichtsgespräche zwischen Ihren Schülerinnen und Schülern anzubahnen.

  • Schaffen Sie eine freundliche und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre.
  • Wählen Sie eine passende Sitzordnung, so dass jeder jeden sehen kann.
  • Nehmen Sie sich genügend Zeit.
  • Lassen Sie keine Einwort-Antworten zu, sondern fordern Sie Ihre Schülerinnen und Schüler dazu auf, ausführlich zu antworten.
  • Verlangen Sie, dass sie ihre Aussagen begründen.
  • Loben Sie ein gutes Gesprächsverhalten.
  • Bringen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern nahe, dass andere Meinungen bereichernd sind und in jedem Fall wert sind, näher beleuchtet zu werden.

Ziel sollte sein, die Schülerinnen und Schüler zu immer längeren Beiträgen zu ermutigen, in denen sie ihren Mitschülern individuelle Sichtweise mitteilen, ohne Angst vor einer falschen Äußerung zu haben. Ein einzelner Beitrag muss nicht immer gleich einer kompletten Problemlösung gleichkommen. Es geht vielmehr um eine gemeinsame Entwicklung, in der jederzeit auch fehlerhafte Aussagen möglich sein müssen.

Gesprächsregeln- das A und O

Diskussionen und freie Unterrichtsgespräche können nicht unvorbereitet abgehalten werden. Eine entsprechende Gesprächskultur kann und darf bei den Schülerinnen und Schülern nicht einfach vorausgesetzt werden. Um den Lernenden klar zu machen, wie wichtig vereinbarte Regeln für ein zielführendes Unterrichtsgespräch sind, lassen Sie diese zu einem aktuellen Thema doch einfach mal losdiskutieren. In einer anschließenden Reflexion sollten auf jeden Fall einige Gesprächsregeln herausgearbeitet werden können, deren Fehlen zu einem Durcheinander führten.

Kommunikationsgrundlagen für alle

Wichtig ist, dass sämtliche Regeln im Einvernehmen aller Gesprächsteilnehmer vereinbart und keineswegs als statisch angesehen werden. Im Gegenteil: Fordern Sie Ihre Schülerinnen und Schüler in regelmäßigen Abständen dazu auf, existierende Gesprächsregeln auf ihren Sinn hin zu überprüfen und gegebenenfalls abzuändern.
Basis für eine gute Gesprächskultur ist, dass die Lernenden grundlegende Gesprächsregeln kennen und achten. Mögliche Gesprächshilfen könnten sein:

  • Wir hören einander genau zu und versuchen das Gesagte zu verstehen.
  • Wir lassen einander aussprechen.
  • Wir sprechen laut und deutlich.
  • Wir denken zuerst nach, bevor wir reden.
  • Wir melden uns, wenn wir etwas sagen wollen.
  • Wir gehen auf Beiträge anderer ein.
  • Wir bleiben beim Thema und schweifen nicht ab.
  • Wir fragen nach, wenn wir etwas nicht verstanden haben.
  • Wir versuchen möglichst viele aktiv ins Gespräch einzubeziehen.

Nutzen Sie die Phasen freier Unterrichtsgespräche

Während Ihre Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch vertieft sind, nutzen Sie die Chance, deren Gesprächsverhalten genauer zu analysieren. Das ist eine hervorragende Gelegenheit, Ihre Schülerbeobachtungen auf diesen wichtigen Bereich auszuweiten und zu sehen, wie sich die entsprechende Schülerin oder der Schüler in Gesprächsrunden verhält. Beteiligt er sich am Gespräch? Geht sie auf andere ein? Welche Rolle hält er im gesamten Verband inne?
Geben Sie Ihren Schülerinnen und Schülern anschließend ein Feedback und besprechen Ihre Beobachtungen. Woran kann bzw. sollte die Schülerin oder der Schüler noch arbeiten? Worauf sollte sie oder er achten?
Ein anderer Nutzen, den Sie aus Unterrichtsgesprächen ziehen können, ist der der Diagnose. Wo stehen die jeweiligen Gesprächsteilnehmer? Wo hakt es in Ihrer fachlichen oder auch sozialen Entwicklung? Auf diese Weise können Sie Ihre Schülerinnen und Schüler gezielter fördern und sie in ihrem Lernen besser fördern, aber auch fordern.

Unterstützen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung

Der didaktische Sinn von Unterrichtsgesprächen darf keineswegs nur im fachlichen Wissenszugewinn gesehen werden. Gelingt es Ihnen, Ihrer Klasse die erläuterte Gesprächskultur zu vermitteln, geben Sie Ihnen viel mehr mit als nur bloßes Wissen. Sie stellen die Weichen für deren Entwicklung zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern, was für eine demokratischen Gesellschaft wichtig ist.
Eine schülerzentrierte Gesprächskultur verlangt ein grundlegendes Vertrauen in die Fähigkeiten der Lernenden und größte Zurückhaltung auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer. Tipps und Tricks, wie Sie dies als Lehrkraft anbahnen können, finden Sie auch in den Beiträgen unter Schüler-Lehrer-Interaktion.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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