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Verwahrlosungstendenzen – was kannst du als Referendar tun?

So suchst du Unterstützung für deine Schülerinnen und Schüler. Du beobachtest kleine oder auch größere Veränderungen bei einer deiner Schülerinnen oder einem Schüler und überlegst, ob diese bzw. dieser von Verwahrlosung betroffen ist? In diesem Fall gilt: Wegschauen ist nie eine Lösung. Am besten holst du dir Kollegen sowie externe Experten und an Bord. Woran du Verwahrlosung erkennen kannst, und was du unternehmen solltest, nennt der folgende Beitrag in Grundzügen.
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Verwahrloste Schüler

In ihrem 1997 erschienenen Buch Kinder in Not definieren Schone et al. die Vernachlässigung von Kindern als „die andauernde oder wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns sorgeverantwortlicher Personen (Eltern oder andere von ihnen autorisierte Betreuungspersonen), welches zur Sicherstellung der physischen und psychischen Versorgung des Kindes notwendig wäre“.

Hier sind sowohl körperliche Faktoren wie auch erzieherische sowie kognitive, emotionale und aufsichtsrelevante Faktoren von Bedeutung. Vernachlässigungstendenzen sind bei Schülerinnen und Schülern somit manchmal auf den ersten Blick nicht direkt erkennbar. Woran kannst du dich aber orientieren?

Faktoren der Vernachlässigung

Beobachte deine Schüler genau. Hat einer oder eine von ihnen ggf. nie ein Pausenbrot dabei oder friert er oder sie, weil die Kleidung nicht der Witterung angepasst ist? Kommt er oder sie häufig zu spät zur Schule und wirkt müde? Oder erscheint der Schüler des Öfteren unentschuldigt einfach nicht zum Unterricht?

Fallen dir körperliche Merkmale auf, ggf. sogar blaue Flecken? Oder aber wird der Schüler innerhalb kurzer Zeit auffallend dünner bzw. nimmt stark an Gewicht zu?

Dokumentiere deine Beobachtungen mit Datum- und Zeitangabe z. B. in deinem Lehrerkalender.

Ins Gespräch kommen

Führe ein Gespräch mit der Klassenlehrkraft des Kindes und besprich mit dieser, wie ihr weiter vorgehen möchtet. Du fühlst dich nicht angenommen mit deinen Beobachtungen? Dann solltest du ggf. das Gespräch mit der Beratungslehrkraft deiner Ausbildungsschule oder mit der Schulleitung suchen. Du kannst dich auch an den Schulpsychologischen Dienst wenden (www.schulpsychologie.de). Hier wirst du beraten, wie du weiter vorgehen kannst.

Grundsätzlich solltest du deiner Intuition trauen und deine Beobachtungen ernst nehmen. Es ist besser, du äußerst deine Bedenken einmal zu viel, als sie nicht geäußert zu haben. Suche dir auf jeden Fall Verbündete und den Rückhalt bei deiner Schulleitung. Gemeinsam könnt ihr entscheiden, in welcher Form ihr die Eltern ansprecht und/oder welche weiteren externen Experten hinzugezogen werden sollten.

Verwahrlosungstendenzen bei Kindern sind mannigfaltiger Natur und äußern sich sowohl recht offen – aber eben auch versteckt. Wichtig ist hier das offene Auge und Ohr der Lehrkraft, damit rechtzeitig die richtigen Schritte zum Wohle des Kindes in die Wege geleitet werden können.

Alexandra von Plüskow-Kaminski arbeitet seit 1998 als Grundschullehrerin im Landkreis Lüneburg. Sie ist derzeit vom Land Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis in die Stabsstelle Schulverwaltung, Bildung und ÖPNV in Soltau abgeordnet. Die zweifache Mutter verfasst als Fachjournalistin Texte und Materialien für verschiedene Verlage und Magazine.

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