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Nobody is perfect – vom Umgang mit Selbstzweifeln im Referendariat

Sie beginnen mit dem Referendariat – oder Sie stehen mittendrin? Dann ist bestimmt nicht immer alles nur gut. Disziplinschwierigkeiten, Prüfungsangst & Co. quälen zahlreiche Referendarinnen und Referendare. Doch wie viele dieser Sorgen und Nöte sollte man in der Schule oder auch im Studienseminar offen eingestehen? Welche behält man besser für sich? Und – an wen kann man sich überhaupt wenden?

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Aller Anfang ist schwer

Im Referendariat bietet sich Ihnen die Gelegenheit, die Praxis Ihres zukünftigen Berufes sehr intensiv zu erleben. Hierzu gehört es u. a., dass Sie in den Lerngruppen hospitieren, in denen Sie unterrichten sollen. Gemeinsam mit Ihren Mentoren an Ihrer Ausbildungsschule planen Sie den Unterricht und strukturieren, wie Sie vorgehen möchten. Weiterhin nehmen Sie an Schulveranstaltungen, Dienstbesprechungen und Konferenzen teil.

Im Studienseminar warten zudem viele Aufgaben: Sie besuchen Ihre Seminare, erarbeiten Referate und beobachten Ihre Kolleginnen und Kollegen im Unterricht, um diesen dann gemeinsam zu reflektieren. Zusätzlich finden Ihre Unterrichtsbesuche statt, bei denen Sie vonseiten des Seminares beraten werden.

Mögliche Probleme im Referendariat

Da Sie im Referendariat vielschichtig arbeiten und innerhalb mehrerer Institutionen tätig werden, können auch die Probleme sehr unterschiedlich sein. Häufig ergeben sich Schwierigkeiten in folgenden Bereichen:

  • persönliche Ebene, z. B. persönliche Ängste wie etwa Disziplinprobleme, mangelnde Organisation oder auch Prüfungsängste
  • schulische Ebene, z. B. Schwierigkeiten mit einzelnen Schülern oder gar ganzen Lerngruppen; Unsicherheit darin, Ihren Platz im System Schule zu finden; Überforderung durch die Planung des Unterrichts; Probleme mit Ihrem Mentor/Ihrer Mentorin
  • Ebene des Studienseminars, z. B. zu wenig Zeit, sich auf Seminare vorzubereiten; unzureichende mündliche Beteiligung in den Sitzungen; kein guter Draht zu den Seminarlehrkräften; das Gefühl, ungerecht beurteilt zu werden; Prüfungsängste

Alle o. g. Schwierigkeiten und weitere Möglichkeiten greifen jedoch häufig ineinander, sodass Sie diese auf mehreren Ebenen angehen sollten.

Definieren Sie das Problem

Wenn Sie merken, dass Sie Ihr Alltag im Referendariat überfordert, dass die Probleme überhand nehmen, sollten Sie zunächst einmal das Problem gezielt bestimmen. Dies können Sie etwa in Form eines Clusters für sich selbst erledigen oder gemeinsam mit einer Vertrauensperson, die Ihnen einen objektiven Rat erteilen kann. Ist das Problem erst einmal definiert, sollten Sie sich Lösungswege überlegen.

Offenheit zählt

Grundsätzlich gilt: Gehen Sie mit Ihren Schwierigkeiten offen um. Schließlich ist niemand perfekt. Aber wie können Sie diese verbalisieren, ohne dass Sie wehleidig oder überfordert wirken. Sprechen Sie Ihre Schwierigkeiten an gegebener Stelle an. Formulieren Sie Ihre Schwierigkeiten etwa als Ich-Botschaft an Ihre Mentorin/Ihren Mentor: „Es fällt mir noch schwer, … Könnten Sie mich hier unterstützen?“

Aber: Vermeiden Sie sog. „Erzählschleifen“. Es reicht in der Regel, wenn Sie die Probleme sachlich ansprechen und um Unterstützung bitten. Stetiges Lamentieren ist dem konstruktiven Lösen von Problemen nicht zuträglich.

Wenn Probleme nicht verschwinden

Manchmal sind Schwierigkeiten aber auch nicht durch dieses Vorgehen zu beseitigen. Überlegen Sie noch einmal gezielt, woran das liegen könnte. Wenden Sie sich ggf. an eine weitere beratende Person, an die Beratungslehrkraft oder den Sozialpädagogen Ihrer Schule z. B. oder auch an den Schulpsychologischen Dienst. Erläutern Sie Ihre Probleme und erfragen Sie, wohin Sie sich wenden können, um diese zu lösen.

Vermeiden Sie aber unbedingt, ständig über Ihre Probleme zu sprechen, sich um diese zu drehen. Bringen Sie Ihre Sorgen kurz und sachlich auf den Punkt, Erörtern Sie gemeinsam, welche Schritte vonnöten sind, um diese zu lösen. Hilfreich ist zudem ein Fixtermin in der Zukunft, an dem Sie Ihr Vorgehen evaluieren. Sollten sich die Probleme halten, sollten Sie sich an professionelle Stellen wenden, die Ihnen gewiss mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Alexandra von Plüskow ist Grundschullehrerin und Fachjournalistin dem Schwerpunkt pädagogische Themen.

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