Unterricht

Als Referendar Unterricht beobachten: so geht's!

Gerade in den ersten Wochen, aber auch später soll immer wieder Unterricht beobachtet werden. Aber wie genau sollen Sie das machen? Was wird von Ihnen erwartet und was muss dokumentiert werden? Diese Hinweise können Ihnen dabei helfen.

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Was bringen Beobachtungen?

Durch Beobachtungen kann man lernen. Man kann sich Gutes abschauen, aber so auch schlechteres Verhalten vermeiden lernen. Gerade in der Schule bringen Beobachtungen aber noch viel mehr, denn es sind nicht nur die Lehrer, die Sie beobachten können, sondern Sie haben auch die Gelegenheit, das Betragen der Schüler zu studieren. Wie verhalten sie sich, welche Wechselbeziehungen treten auf im Verhalten der Schüler und den Reaktionen der Lehrer? Gerade diese Prozesse sind von Wichtigkeit und bringen Ihnen gute Beispiele.

Teilnehmende Beobachtung als wissenschaftliche Methode

Eine teilnehmende Beobachtung unterscheidet sich von der Teilnahme und der Beobachtung in drei wichtigen Bereichen. Sie

  • wird immer vorbereitet,
  • verfolgt eine Absicht und
  • wird anschließend ausgewertet.

In der Praxis bedeutet das, dass Sie vor der Stunde die Möglichkeit haben, sich mit der Lerngruppe, ihrem Lernstand und dem Unterrichtsgegenstand zu beschäftigen. Sie bestimmen einen Bereich und beobachten diesen explizit. Das kann das Verhalten eines Schülers sein, die Behandlung eines Unterrichtsgegenstandes oder die Reaktion der Schüler. Dies ist die Absicht, die verfolgt wird. Machen Sie sich Notizen dazu und werten Sie diese später in Ruhe aus – eventuell können Sie auch Rücksprache mit dem unterrichtenden Lehrer führen.

Unerwartetes und Interessantes

Ganz streng genommen dürfen bei den teilnehmenden Beobachtungen nur die Bereiche beobachtet werden, die Sie sich vorgenommen haben. Doch Sie sind zum Lernen in der Schule, und gerade in der Schule passieren oft im Zusammenspiel zwischen Personen Dinge, die nicht geplant werden können. Wenn Ihnen etwas auffällt, dass für Sie neu und interessant ist, können Sie das selbstverständlich auch in Ihre Betrachtungen mit aufnehmen.

Vorgespräche

Im Idealfall sind Sie in die Planung des Unterrichts einbezogen. In einem solchen Fall wird es Ihnen auch leichtfallen, vor dem Unterricht Fragen zu stellen. Für den Fall, dass Sie neu mit einem Lehrer zusammenarbeiten, ist es ratsam, zunächst zu warten, was Ihnen an Informationen zur Verfügung gestellt wird. Tasten Sie sich behutsam heran, und erwarten Sie nicht, dass Ihnen jeder sofort mit allen Informationen zur Seite steht.

In einer ersten Stunde kann ein Aspekt, unter dem die teilnehmende Beobachtung steht, heißen: Orientierung in der Lerngruppe. Fragen Sie nach, wie Sie sich verhalten sollen. Wo sollen Sie sitzen? Dürfen Sie im Raum umhergehen? Und dürfen Sie mit den Schülern Kontakt aufnehmen?

Vorbereitung

Bereiten Sie sich auf die Stunde oder Einheit so vor, dass Sie möglichst viele Informationen haben. Ein Blick ins Klassenbuch gibt Ihnen sicherlich schon ein paar Vorab-Informationen. Erkundigen Sie sich auch über den Stoff, der besprochen werden soll, und recherchieren Sie bereits im Vorfeld darüber. Stellen Sie sich ein paar Fragen zusammen, die Sie besonders interessieren und die Sie gern mit Ihrer Beobachtung beantwortet haben möchten.

Durchführung

Sie haben im Vorfeld abgesprochen, wie Sie sich verhalten sollen? Dann halten Sie sich auch möglichst daran. Greifen Sie nicht in das Unterrichtsgeschehen ein, wenn man Sie nicht dazu auffordert. Wenn Sie in der Klasse herumgehen, dann fragen Sie auch die Schüler, ob Sie einen Blick in deren Unterlagen werfen dürfen, bevor Sie dies tun. Auch Schülern gegenüber ist es unhöflich, einfach etwas an sich zu nehmen.

Auswertung

Lesen Sie sich zu Haus Ihre Auswertungen in Ruhe durch und überlegen Sie sich, was für Schlüsse Sie daraus ziehen können. Im Idealfall können Sie auch anschließend mit dem Lehrer, der die Stunde gehalten hat, darüber reden. Hüten Sie sich aber davor, den Unterricht oder das Verhalten zu kritisieren – das wirkt bei einem Anfänger nicht gut. Stellen Sie Fragen, warum gewisse Dinge auf diese Art und Weise durchgeführt wurden.

Gegenseitiges teilnehmendes Beobachten

Wenn Sie mit anderen Referendaren vereinbaren, gegenseitig Ihren Unterricht zu begutachten, dann können Sie die Nachbesprechungen selbstverständlich als Diskussionen betrachten. Aber bleiben Sie fair dabei.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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