Unterricht

Notizen zum Lernstand – wann, wie und warum?

Du kommst aus einem Klassezimmer gehetzt und bist auf dem Weg in das nächste. Dir ist die letzte Stunde noch gut in Erinnerung, meinst du zumindest. Notizen dazu kannst du eigentlich auch am Nachmittag machen, oder vielleicht einmal in der Woche. Es reicht doch sicherlich auch alle zwei Wochen – oder nicht?
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Warum ist es überhaupt nötig?

Du machst deine Vorbereitungen und weißt, was die Kinder machen sollen und was du ihnen beigebracht hast. Eigentlich gibt dir ja auch der Leistungsnachweis Auskunft über den Lernstand. Das muss doch reichen – denn du hast schließlich genug zu tun.

Weil jeder Schüler anders ist

Schüler sind keine homogene Masse, und jeder Schüler hat jeden Tag andere Ideen, andere Einstellungen, neue Fragen, ist mal müde, mal ganz besonders interessiert am Unterricht. Und du musst durch genaues Beobachten herausfinden, wo bei jedem einzelnen Schüler die Stärken und Schwächen liegen und das für deinen Unterricht nutzen. Ganz einfaches Beispiel: Einer deiner Schüler liest nicht gerne, interessiert sich aber aus gegebenem Anlass z. B. für Kaulquappen. Da liegt es doch nahe, einen Artikel zu diesem Thema im Internet zu suchen und den Schüler so zum Lesen anzuregen.

Lernstand und Beurteilung – ist das nicht dasselbe?

Hier muss ein ganz klares Nein stehen. Ja, du musst auch eine Zensur geben – das ist aber nichts, was dir hilft, einen Schüler einzuordnen und ihn nach seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern. Eine 3 zum Beispiel sagt aus, dass es sich hier um einen Schüler handelt, der sich in dem Fach im mittleren Leistungsspektrum bewegt. Die Zensur gibt jedoch keine Auskunft darüber, wo die Stärken und Schwächen im Einzelnen liegen. Es sagt nichts darüber aus, ob ein Schüler besser oder schlechter wird. Umgekehrt lässt sich aus einer solchen Betrachtung eine Zensur herleiten, mehr noch eine ganze Bewertung. Und natürlich kannst du jederzeit ein Bild davon bekommen, was jeder einzelne Schüler kann.

Wie mache ich das?

Das Ganze erfordert ein bisschen Disziplin. Du kannst dir je nach Fach eine Tabelle anlegen. Jedes Kind erhält eine Zeile. In jeder Spalte trägst du ein, was für Fähigkeiten und Fertigkeiten jedes Kind haben könnte/sollte. Gleichzeitig solltest du dir noch ein Heft besorgen, in dem du für jedes Kind eine Seite anlegst. Beide Sachen hast du immer bei dir und kannst in Phasen, in denen die Kinder arbeiten, oder während der Pausen Aufzeichnungen machen. Schau jeden Abend einmal darüber und setze dich an einem Tag in der Woche mit diesen Aufzeichnungen hin und schreibe zu jedem Schüler einen kleinen Abschnitt. Wenn du das regelmäßig machst, dann bekommst du einen recht guten Überblick.

Und wenn ich nicht alles aufgeschrieben habe?

Es ist wichtig, überhaupt anzufangen. Bei allem, was du tust, machst du Fehler. Gut ist es, wenn du merkst, wo deine Fehler sind. Du wirst die Lücken in deiner Beobachtung nur dann feststellen, wenn du dich mit deinen Aufzeichnungen beschäftigst. Gib dir selbst die Aufgabe, genau auf diesen Punkt in der kommenden Woche besser zu achten.

Was mache ich damit?

Die Aufzeichnungen sind erst einmal vertraulich. Aber du darfst mit anderen Lehrern darüber reden. Vielleicht fällt dir bei einem Kind auf, dass es Schwierigkeiten hat, oder bei allen Kindern. Sind es Einzelfälle, so musst du dir spezielle Förderungen überlegen, ist es eher die Mehrheit, dann solltest du deinen Unterricht überdenken. Unterrichtest du z. B. eine Naturwissenschaft und dir fallen in einer Klasse viele Kinder mit Rechtschreibproblemen auf, solltest du mit dem Deutschlehrer sprechen. Ist es nur ein Kind, so ist der Deutschlehrer ebenfalls dein Ansprechpartner – vielleicht kannst du hier Tipps bekommen, wie du helfen kannst.

Das klingt nach viel Arbeit …

Gut, das ist tatsächlich erst einmal eine Menge – aber es wird mit der Zeit einfacher, weil du weißt, worauf du achten musst und wie du es schnell notierst. Und außerdem wird dein Unterricht effektiver, denn du weißt genau, wie du welches Kind einbinden kannst. Vielleicht fällt dir z. B. erst beim Ausfüllen deiner Tabelle auf, dass sich einer deiner Schüler wenig meldet. Manche Kinder lassen sich durch ein wenig Beachtung zur aktiveren Mitarbeit anregen. Anderen musst du vielleicht einfach andere Aufgaben geben.

Es lohnt sich für dich, deinen Unterricht und vor allem für deine Schüler.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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