Unterricht

Kopfnoten: Arbeitshaltung und Sozialverhalten der Schüler bewerten

Kopfnoten sind durchaus umstritten und der Umgang mit ihnen wird in den verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt. Vielfach wurden sie abgeschafft. Wo sie jedoch noch vergeben werden, sollten sie auch ein repräsentatives Bild der Arbeitshaltung und des Verhaltens von Schülerinnen und Schülern in allen Unterrichtsfächern vermitteln.

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Kopfnoten beurteilen Arbeits- und Sozialverhalten

Als Kopfnoten werden die Noten in den Zeugnissen bezeichnet, welche die Arbeitshaltung und das Sozialverhalten von Schülerinnen und Schülern bewerten. Der Name erklärt sich dadurch, dass diese Noten ursprünglich im Zeugniskopf oberhalb der Fachnoten standen, während sie heutzutage häufig erst am Ende angeordnet sind. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Noten sind Kopfnoten nicht versetzungsrelevant.

Bewertungssysteme variieren stark

Die Situation gestaltet sich in den einzelnen deutschen Bundesländern sehr unterschiedlich. So variieren erstens Zahl und Art der Kategorien wie z. B. Betragen/Verhalten, Fleiß, Ordnung und Mitarbeit, zweitens das Bewertungssystem (Verbalbeurteilung, vier-, fünf- oder sechsstufiges Ziffern- oder Buchstabensystem o. Ä.) und drittens die Klassenstufen, in denen Kopfnoten vergeben werden.

Schriftliche Bemerkungen ersetzen Noten

In einigen Bundesländern werden die Ziffernnoten durch ein mehrstufiges System standardisierter schriftlicher Bemerkungen ersetzt, in anderen Ländern wiederum werden überhaupt keine Kopfnoten vergeben, sondern Arbeits- und Sozialverhalten mittels Wortgutachten charakterisiert. Der Wortlaut der Bemerkungen kann dabei schulintern festgesetzt sein oder aber individuell auf jede Schülerin bzw. jeden Schüler bezogen sein.

Urteil basiert auf Konsens aller Fachlehrkräfte

Die Kopfnoten bzw. Wortgutachten repräsentieren die Haltung der Schülerin bzw. des Schülers in all ihren Fächern, unabhängig von der Wochenstundenzahl. Im Allgemeinen werden sie von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer auf der Grundlage der Beurteilung durch die Fachlehrkräfte festgesetzt oder durch die Klassenkonferenz beschlossen. Vom mehrheitlichen Urteil abweichende Einschätzungen einzelner Lehrkräfte sollten dabei angemessen berücksichtigt werden. 

Ordnungsmaßnahmen spiegeln sich in Verhaltensnote wider

Bei der Beurteilung des Verhaltens sind die über das Schuljahr ergriffenen Ordnungsmaßnahmen zu berücksichtigen. Hat eine Schülerin bzw. ein Schüler z. B. einen oder mehrere Verweise bekommen, so sollte sich dies entsprechend widerspiegeln. Umgekehrt ist eine negative Bewertung nicht möglich, wenn das gesamte Schuljahr über von Ordnungsmaßnahmen abgesehen wurde.

Mitarbeitsnote umfasst verschiedene Formen von Leistungsbereitschaft

Genauso verhält es sich bei der Mitarbeitsnote. Einem abwertenden Gesamturteil müssen entsprechende Maßnahmen wie Nacharbeit, Hinweise an die Eltern oder zumindest die Dokumentation fehlender Leistungsbereitschaft vorausgegangen sein. Schließlich ist Mitarbeit nicht zu verwechseln mit der mündlichen Leistung oder mit Unterrichtsbeiträgen. Wenn nicht unter den Kategorien Fleiß, Ordnung oder Aufmerksamkeit bewertet, gehören hierzu auch die Erledigung der Hausaufgaben, Bereithalten des Unterrichtsmaterials und die Konzentration auf das Unterrichtsgeschehen. 

Kopfnoten sind umstritten

Bundesweit sind Kopfnoten recht umstritten. Da sie nicht versetzungsrelevant sind, hätten sie kaum Einfluss auf die Haltung der Schülerinnen und Schüler, kritisieren manche. Andere wiederum fürchten um nachteilige Folgen für die Kinder bei bei einem Lehrer- oder Schulwechsel, wenn Arbeits- und Sozialverhalten negativ beurteilt werden. Manche Pädagogen halten es auch für problematisch Persönlichkeitsmerkmale durch Ziffernnoten wiederzugeben.

Kopfnoten als Bestandteil des Erziehungsauftrags der Schule 

Gerechtfertigt wird die Beurteilung von Sozialkompetenzen im Zeugnis allerdings durch den Erziehungsauftrag der Schule, der auch die Vermittlung von Haltungen, Einstellungen und Werten umfasst. Außerdem begrüßen viele Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte diese Art der Rückmeldung, weil sie darin zum einen ein Mittel zur Disziplinierung der Kinder, zum anderen eine aufschlussreiche Information sehen.  SW

Die Autorin Stephanie Weiser ist Lehrerin. Zur Zeit arbeitet sie als Fachberaterin und Koordinatorin für Deutsch (für Argentinien und Paraguay) in Buenos Aires.

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