Unterricht

Referate, Unterrichtsbeiträge, praktische Arbeiten: Mündliche und praktische Leistung bewerten

Um Leistungen der Schülerinnen und Schüler zu beurteilen, stehen Ihnen neben den schriftlichen Formen auch verschiedene andere Wege zur Verfügung. So ist es möglich, auch mündliche und praktische Beiträge zu bewerten und in die fachliche Gesamtleistung des jeweiligen Schülers mit einzubeziehen.

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Beachten Sie die verschiedenen Formen mündlicher Leistungsnachweise

Grundsätzlich können Sie die mündliche Leistung auf verschiedene Art erheben und setzen dabei je unterschiedliche Schwerpunkte – eher monologisches oder eher dialogisches Sprechen, Zweiergespräch oder Gruppengespräch.

Unabhängig von der Form der mündlichen Leistungserhebung sollten Sie den Lernenden möglichst zeitnah die Bewertung mitteilen und sie begründen, damit deren Leistung zum Zeitpunkt der Notenverkündung noch präsent ist.

1. Referate

Referate schulen vielerlei Kompetenzen

Referate sind zusammenhängende Darstellungen eines umgrenzten Themas durch einen oder mehrere Schülerinnen oder Schüler vor dem Plenum. Je nach Jahrgangsstufe und Thema können Referate unterschiedlich lang ausfallen. Bei der Vorbereitung und dem Vortrag schulen die Lernenden selbständiges Recherchieren und Erarbeiten eines komplexen Themas, freies Sprechen und adressatenbezogenes, anschauliches Präsentieren.

Achten Sie auf die Relevanz

Achten Sie darauf, dass die Referate sachlich motiviert sind, dass die Themen also aus dem Unterricht erwachsen. Das Präsentierte muss für die gesamte Klasse relevant sein, nicht nur für den Referenten und die Lehrkraft, denn das Publikum und die Zielgruppe des Vortrags sind die Mitschülerinnen und Mitschüler. Aus diesem Grund sollten Sie im Falle eines Falles in und mit der Klasse Informationen und Darstellungen ergänzen und korrigieren, wenn ein Referat lücken- oder fehlerhaft ist.

Betreuen und unterstützen Sie Referenten zielgerichtet

Damit Referate gelingen können, sollten Sie mit der Klasse im Vorfeld die wesentlichen Kriterien besprechen, die ein Referat zu einem erfolgreichen Vortrag werden lassen, das Referieren üben und idealerweise auch modellhaft darbieten. Betreuen Sie die Schülerinnen und Schüler bei der Erarbeitung eines Referats, indem Sie das Thema genau definieren, begrenzen und auf mögliche Besonderheiten, Literatur oder andere Hilfsmittel hinweisen. Halten Sie mit den Schülerinnen und Schülern auch während der Vorbereitung Rücksprache, um ggf. Hilfestellung zu geben.

Gerade in der Grundschule ist die Gefahr sehr groß, dass das Referat das Produkt elterlicher Arbeit ist. Sprechen Sie mit Kindern wie Eltern darüber und stellen Sie klar, dass dies nicht Sinn der Sache ist. Es ist nicht schwer zu erkennen, ob das Kind sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat und dementsprechend frei und verständlich referiert oder ob es einen von den Eltern vorbereiteten Text nur abliest und sich des Inhaltes nicht bewusst ist.

Zeigen Sie Veranschaulichungsmöglichkeiten für den Vortrag

Sofern ein Handout erstellt wird, lassen Sie sich dieses rechtzeitig vor dem eigentlichen Vortrag zeigen. So können Sie gröberen Fehlern vorbeugen und unter Umständen ergänzendes Material vorbereiten. Das Handout sollte lediglich den freien Vortrag – durch Stichworte, Bilder, Skizzen o. Ä. – stützen, keinesfalls sollte aber der Referatstext darauf stehen und bloß abgelesen werden. Passende Bilder, Tabellen oder Ähnliches können die Schülerinnen und Schüler auch auf Folie oder in Form eines Plakates vorbereiten. Egal auf welche kreativen Ideen die Kinder kommen, unterstützen Sie die kleinen Referenten!

2. Unterrichtsbeiträge

Beurteilen Sie Unterrichtsbeiträge kontinuierlich

Die Unterrichtsbeiträge einer Schülerin oder eines Schülers werden nicht punktuell erhoben, sondern die Lernenden werden – unangekündigt –  über mehrere Tage gezielt im Unterricht beobachtet, um ihre Leistung während des gesamten Zeitraums beurteilen zu können. Damit Sie einen repräsentativen Ausschnitt der Beiträge eines jeden Lernenden erhalten, sollten Sie immer nur eine überschaubare Zahl von Schülerinnen und Schülern (drei bis fünf) gleichzeitig zur Beurteilung beobachten.

Beurteilen Sie die Qualität der Beiträge

Wesentlich ist hierbei, dass Sie nicht nur die aktive Mitarbeit bewerten, sondern auch die Qualität der Beiträge. Rufen Sie daher auch diejenigen auf, die sich nicht melden, um zu prüfen, ob sie dem Unterrichtsverlauf folgen und etwas beitragen können. Ob sich Schülerinnen und Schüler von sich aus am Unterrichtsgespräch beteiligen, ist nämlich oftmals eher eine Frage der Persönlichkeit als der Leistungsfähigkeit. 

Dokumentieren Sie die Beiträge genau

Die Beurteilung mündlicher Leistungen ist im Gegensatz zu klaren schriftlichen Leistungen in der Belegung für Schüler und Eltern oftmals eine schwierigere Angelegenheit. Die Eltern waren nicht anwesend und müssen Ihnen in diesem Punkt großes Vertrauen schenken. Tun Sie daher sich selbst und auch den Eltern den Gefallen und machen sich genaue Aufzeichnungen und Notizen in Ihren Schülerbeobachtungsbogen und versehen Sie diese mit einem Datum. Nur so ist es Ihnen im Falle eines Rechtsstreites möglich, Noten zu rechtfertigen.

3. Praktische Arbeiten

Bewerten Sie auch praktische Arbeiten

Neben schriftlichen und mündlichen Leistungsnachweisen gibt es auch die Möglichkeit, praktische Arbeiten der Schülerinnen und Schüler zu beurteilen. Im Lehrplan finden sich dazu verschiedene Anregungen, denen Sie nachgehen können. So steht es Ihnen zum Beispiel frei, die Durchführung von Versuchen im Heimat- und Sachunterricht zu bewerten. In allen Fächern erbringen die Kinder tagtäglich praktische Leistungen, deren gewissenhafte und zielorientierte Ausführung ebenfalls eine Anerkennung verdient.

Seien Sie sich in jedem Fall Ihrer Verantwortung bewusst

Bei jeder der ausgeführten Leistungsbeurteilungen gilt es, sich Folgendes zu vergegenwärtigen: Die Benotung mündlicher und praktischer Leistungen lässt der Lehrkraft einen weiten pädagogischen Entscheidungsraum, dem eine ebenso weit gespannte pädagogische Verantwortung entspricht. Zeigen Sie sich verantwortungsbewusst und gehen Sie sorgsam mit diesem Freiraum um. Zeigen Sie sich durchschaubar und legen Sie Ihre Bewertungskriterien vor der Leistungserbringung offen und klar dar. Begründen bzw. dokumentieren Sie Ihre Bewertungen im Anschluss an die Schülerleistung genau und nehmen sich ausreichend Zeit für eine Darlegung im Gespräch. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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