Unterricht

Von der Planung einer Probearbeit bis zu deren Rückgabe

Eine Probearbeit zu planen, zu konzipieren und durchzuführen, ist eine komplexe Angelegenheit, die vorausschauend und verantwortungsbewusst angegangen werden muss. Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen bietet sich hierbei an und ist eine günstige und zur eigenen Absicherung manchmal auch notwendige Vorgehensweise. 
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Was Sie über Probearbeiten wissen sollten

Probearbeiten sind große Leistungsnachweise, die sich immer auf den zuletzt behandelten Stoff beziehen. In der 1. Jahrgangsstufe werden keine Probearbeiten geschrieben. Die Probearbeiten im ersten Halbjahr der 2. Jahrgangsstufe werden nicht benotet, jedoch mit Bemerkungen versehen, die den Leistungsstand der Schülerin oder des Schülers beschreiben.

Der Begriff Probearbeit schreibt für schriftliche Leistungsnachweise keine bestimmte inhaltliche und formale Art vor. Es werden, außer in der 4. Jahrgangsstufe, auch keine näheren Regelungen über Zahl, Art, Gestaltung, Inhalt und Umfang vorgegeben mit Ausnahme der Forderung, dass sich die Probearbeiten in der Grundschule aus dem unmittelbaren Unterrichtsablauf ergeben müssen. Dies schließt natürlich nicht aus, dass früher erlerntes Grundwissen mit geprüft wird. Der Unterrichtsstoff von mehreren Monaten darf jedoch nicht abgefragt werden.

In der 4. Jahrgangstufe soll bis zum Erhalt des Übertrittszeugnisses in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht eine angemessene Zahl von Probearbeiten abgehalten werden; als Richtwerte gelten in Deutsch zwölf, in Mathematik und im Heimat- und Sachunterricht je fünf bewertete Probearbeiten. Klare Regelungen sind bezüglich der täglich bzw. wöchentlich erlaubten Anzahl an Probearbeiten vorgegeben. So darf an einem Tag nur eine, in der Woche sollten nicht mehr als zwei Probearbeiten abgehalten werden.

Probearbeiten nachholen oder nicht?

Kann der Leistungsstand einer Schülerin oder eines Schülers wegen zu großer Versäumnisse nicht hinreichend beurteilt werden, so kann die Lehrkraft das Nachholen einer Probearbeit anordnen. Bezieht sich eine schriftliche oder mündliche Leistungserhebung aber ausschließlich auf den Stoff der vorausgegangenen Stunde, so darf dieser Leistungsnachweis nicht von Schülern gefordert werden, die in dieser vorausgegangenen Stunde entschuldigt gefehlt haben.

Probearbeiten ankündigen oder nicht?

Während Probearbeiten in allen anderen Jahrgangsstufen nicht angesagt werden dürfen, müssen die Schülerinnen und Schüler der 4. Jahrgangsstufe rechtzeitig über diese informiert werden – in der Regel eine Woche vorher.

Art, Zahl, Umfang, Schwierigkeit und Gewichtung der Leistungsnachweise richten sich nach den Erfordernissen der jeweiligen Jahrgangsstufe sowie der einzelnen Fächer. Die Art und Weise der Leistungserhebung ist den Schülerinnen und Schülern vorher bekannt zu geben. Die Bewertung der Leistungen soll den Schülern mit Notenstufen und gegebenenfalls einer Begründung für die Benotung eröffnet werden.

Sie als Pädagoge sind gefragt

Aufgabenstellung, Zeitdauer, Schwierigkeitsgrad und Umfang von Probearbeiten stehen im Großen und Ganzen im pädagogischen Ermessen und der pädagogischen Verantwortung der Lehrkraft. Damit wird Ihnen ein sehr weitgehender pädagogischer Freiraum gewährt, dem natürlich auch eine gesteigerte Verantwortung entspricht. Seien Sie sich dieser Freiheit bewusst und nutzen Sie diese positiv für sich und Ihre Schülerinnen und Schüler!

Geben Sie Arbeiten zügig und diskret zurück

Bewertete Probearbeiten sind innerhalb einer angemessenen Frist zu besprechen und den Schülerinnen und Schülern zurückzugeben. Geben Sie diese zur Kenntnisnahme durch die Erziehungsberechtigten mit nach Hause und achten Sie darauf, dass sie binnen einer Woche unterschrieben wieder zurückgegeben werden. Es ist sinnvoll, den Schülerinnen und Schülern ihre Arbeiten so lange zu überlassen, dass sie die eigenen Fehler eingehend analysieren und gezielt an ihren Schwächen arbeiten können. Wenn Arbeiten allerdings wiederholt nicht oder verspätet wieder zurückgegeben werden, können Sie auch davon absehen und die Erziehungsberechtigten auf anderem Wege entsprechend informieren.

In jedem Fall müssen die Arbeiten bis zum Ablauf des übernächsten Schuljahres aufbewahrt werden. Werkstücke, Zeichnungen und andere praktische Leistungsnachweise können Sie bereits nach der Bewertung an die Schülerinnen und Schüler zurückgeben. Bei der Noteneröffnung sollten Sie diskret mit dem Ergebnis der einzelnen Schülerinnen und Schüler umgehen. Um dies zu gewährleisten können Sie die Arbeiten beispielsweise verdeckt austeilen.

Berücksichtigen Sie drei Anforderungsbereiche

Bei allen Leistungsnachweisen sollten die drei Anforderungsbereiche Reproduktion, Reorganisation und Problemlösung berücksichtigt werden. Wichtig ist auch, dass tatsächlich das gemessen wird, was gemessen werden soll. Investieren Sie deshalb genügend Zeit in die Erstellung Ihrer Probearbeiten und gehen Sie nicht zu oberflächlich vor. Dies ist nicht nur im Interesse Ihrer Schülerinnen und Schüler, sondern auch in Ihrem eigenen, um sich gegen eventuelle rechtliche Einsprüche abzusichern. In allen Fächern können Sie die allgemeine Form und die Sprachrichtigkeit einer Arbeit in die Beurteilung mit einfließen lassen. Darauf sollten Sie unbedingt aber im Vorfeld hinweisen, damit die Schülerinnen und Schüler ihr Augenmerk auch genau darauf richten.

Schaffen Sie Vertrautheit mit den Aufgabenstellungen

Achten Sie darauf, dass die Schülerinnen und Schüler mit der Art der Aufgabenstellung vertraut sind, indem Sie im Vorfeld Übungen im entsprechenden Format anbieten und die Operatoren erläutern.

An manchen Schulen wird von der Schulleitung eine Ausführung der Klassenarbeit bzw. Probe mit Musterlösung gewünscht. Auch wenn dies nicht der Fall ist, sollten Sie sich selbst eine Lösungserwartung erstellen, um zu prüfen, wie einfach oder schwierig eine Aufgabe zu lösen ist und auf welche Weise man dies tun kann. Unter dieser Voraussetzung wird Ihnen auch die anschließende Korrektur der Schülerarbeiten wesentlich leichter und schneller von der Hand gehen.

Sprechen Sie sich mit Parallelkollegen ab

Solange Sie noch in der Ausbildung sind, sind Sie gehalten, Probearbeiten in enger Absprache mit den Parallellehrkräften zu erstellen und durchzuführen. Zuweilen liegen an vielen Schulen auch entsprechende Ordner bereit, die gesammelte Arbeiten für die verschiedenen Jahrgangsstufen und Fächer enthalten. Falls nicht, fragen Sie die Kolleginnen und Kollegen Ihrer Schule gezielt nach eventuellen Absprachen und Vorgaben. Form, Inhalte und Anspruch der Probearbeiten können von Schule zu Schule stark variieren.

Halten Sie gemeinsame Prüfungen in Parallelklassen

Wie schon erwähnt, konzipieren Kollegen, die Parallelklassen unterrichten, häufig gemeinsam Probearbeiten und führen sie gleichzeitig durch. Dies hat den Vorteil, dass Sie die Aufgaben arbeitsteilig erstellen können und dass klassenübergreifend ein einheitlicher Standard gewährleistet ist. Allerdings erfordert ein solches Vorgehen einen intensiven Abstimmungsprozess schon während der Vorbereitung, der die Flexibilität der einzelnen Lehrkraft im eigenen Unterricht einschränken kann.  JS

Neben der Probearbeit können Sie auch Kurzarbeiten, Stegreifaufgaben und Kopfnoten zur Beurteilung Ihrer Schüler nutzen, wie auch die Benotung der Hausaufgaben, aber auch die von mündlichen und praktischen Unterrichtsbeiträgen in die Gesamtbewertung mit einfließt.

 

 

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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