Unterricht

Präzise Arbeitsäuftrage der Lehrkraft = weniger Nachfragen der Schüler

Wer kennt diese Situation nicht: Sie haben gerade das weitere unterrichtliche Vorgehen erläutert und sind vielleicht noch nicht einmal am Ende Ihrer Ausführungen angelangt, schon sind zehn Finger in der Luft und verwirrte Gesichter sehen Sie hilfesuchend an. „Wie geht denn das?“ und „Was ich soll ich da jetzt machen?“ sind nur zwei Beispiele für mögliche Nachfragen.
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Weg vom Klassenpapagei

Wie können Sie die oben beschriebene Situation abwenden und nicht enden wollende Nachfragen von Schülerinnen und Schülern vermeiden? Viele Lehrkräfte setzen dabei auf eine möglichst kleinschrittige und ausführliche Erklärung des Arbeitsauftrages, der dann von einer Schülerin oder von einem Schüler, der einen entsprechenden Klassendienst innehält, möglichst exakt wiedergegeben werden soll. Doch was ist die Folge eines solchen „Klassenpapageis“? Während der Amtsträger gespannt an den Lippen des Lehrers hängt und versucht, sich den Arbeitsauftrag möglichst genau zu merken, ruhen sich dessen Klassenkameraden auf der Tatsache aus, dass die Ausführungen der Lehrerin bzw. des Lehrers ja ohnehin wiederholt werden. Statt selbst aufzupassen, verlassen sie sich auf den Anderen.

Doch auch ohne Papagei, führt eine langwierige und bis ins kleinste Detail ausgeführte Erläuterung des Arbeitsauftrages nicht immer zum Ziel. Den Schülerinnen und Schülern wird zu viel „vorgekaut“ und die „kleinen Häppchen“ drohen, ihnen im Hals stecken zu bleiben. Am Ende schalten sie ab und zurück bleiben die eingangs beschriebenen, ratlosen Gesichter.

Hin zum guten Arbeitsauftrag

Wollen Sie Nachfragen vermeiden, konzentrieren Sie sich darauf, verständliche und klare Anweisungen zu geben. Im Folgenden finden Sie Anregungen, die Ihnen bei der Formulierung von Arbeitsaufträgen helfen können.

  • Überlegen Sie sich die Arbeitsaufträge schon im Vorfeld ganz genau.
  • Formulieren Sie diese kurz und prägnant.
  • Verwenden Sie wiederkehrende Schlüsselbegriffe, wie Höre, Lies, Schreibe, Begründe oder Erkläre.
  • Visualisieren Sie zentrale Begriffe in Form von Bildern oder Gesten.
  • Geben Sie den Schülerinnen und Schülern ein Beispiel mit Lösung.
  • Legen Sie den Kindern den Arbeitsauftrag auch schriftlich vor, z. B. an der Tafel, auf Folie oder einem Arbeitsblatt.
  • Lassen Sie die Arbeitsaufträge nicht jedes Mal durch Schülerinnen oder Schüler wiederholen.

Hin zum selbstverantwortlichen Zuhörer und Mitdenker

Sollte Ihr Arbeitsauftrag trotz dieser Tipps nicht bei den Lernenden ankommen, beantworten Sie nicht gleich jede Nachfrage auf Anhieb. Geben Sie Verantwortung ab und machen Sie den Kindern klar, dass ihr Mitdenken zu jedem Zeitpunkt des Unterrichts gefordert ist. Dementsprechend sollte der folgende „Notfallplan“ die Nachfrage bei der Lehrkraft auch als letzte Option ausweisen:

  1. Denke zunächst noch einmal genau nach! Kannst Du Dir selbst erklären, was zu tun ist?
  2. Wenn Du allein gar nicht klarkommst, frage Deinen Nachbarn um Rat!
  3. Erst wenn dieser Dir nicht weiterhelfen kann, bitte die Lehrkraft um Hilfe!

Gute Erziehung muss immer zum Ziel haben, selbstverantwortliche und mündige junge Menschen heranzuziehen, die unter anderem die Fähigkeit zum aufmerksamen und konzentrierten Zuhören besitzen. Dies ist schließlich auch eine Grundvoraussetzung dafür, Arbeitsaufträge ohne langes Nachfragen befolgen zu können.

Weg vom „Herumbummeln“ ohne Zeitdruck

Natürlich wird in der Grundschule immer versucht, unnötigen Druck von den Schülerinnen und Schülern fernzuhalten. Doch ist es in diesem Fall wirklich sinnvoll, den Kindern den Eindruck zu vermitteln, dass es ganz egal ist, wie schnell oder langsam sie an einem Arbeitsauftrag arbeiten? Spätestens bei Probearbeiten oder Schulaufgaben, existiert sehr wohl ein Zeitlimit, innerhalb dessen die Kinder eine Aufgabe fertig bearbeitet haben sollten. Um sie zum konzentrierten, aber auch zügigen Arbeiten hinzuführen und einem halbherzigen, vielleicht sogar gelangweilten Herumbummeln entgegenzuwirken, geben Sie den Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Arbeitsauftrages eine eher knapp bemessene Zeitvorgabe. Falls sich zeigt, dass die geplante Zeit doch zu kurz war, können sie diese im Einzelfall nochmals verlängern. Versuchen Sie aber möglichst gut zu planen, um den Kindern damit auch ein Vorbild zu sein.

Hin zu gesprächsfördernden Fragetechniken

Die angewandten Fragetechniken der Lehrkraft sind zentral, wenn es darum geht, die Schülerinnen und Schüler zu aktiven, interessierten und selbstverantwortlichen Menschen zu erziehen. Wollen Sie die Lernenden zu einem fachlichen Dialog hinführen, sollten Sie sich über ein paar Punkt klar werden.

  • Kommen Sie weg vom Gesprächsverlauf Lehrkraft – Schüler – Lehrkraft –Schüler.
  • Vermeiden Sie Fragen, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind, und führen Sie die Lernenden damit weg von Einsatz- bzw. Einwortantworten
  • Fordern Sie die Schülerinnen und Schüler auf, Thesen und Meinungen zu begründen.
  • Überlegen Sie sich genau, ob Ihre Frage sich an eine einzelne Schülerin bzw. einen einzelnen Schüler oder an das gesamte Plenum richten soll.


Seien Sie sich in jedem Fall immer Ihrer tragenden Rolle im Unterricht bewusst. Das muss nicht bedeuten, dass Sie permanent im Mittelpunkt stehen sollen – im Gegenteil. Führen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler durch gezielte Arbeitsaufträge und entsprechende Fragen von der passiven Rolle des reinen Zuhörers weg, hin zu einem aktiven, gesprächsgestaltenden Part.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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