Unterricht

Schüler und Lehrer - Freunde auf facebook & Co.?

Vor einiger Zeit ging durch die Presse, dass es in einigen Bundesstaaten der USA Lehrern verboten ist, sich mit ihren Schülern auf facebook anzufreunden. Es wirkte auf den ersten Blick vielleicht ein wenig lächerlich – oder macht dieses generelle Verbot sogar Sinn? Sollten Freundschaften grundsätzlich abgelehnt werden, oder gibt es vielleicht andere Möglichkeiten, damit umzugehen. Könnte es sogar einen Nutzen geben?

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Soziale Netzwerke

facebook, Twitter, Google+ und andere soziale Netzwerke gehören mehr und mehr zum täglichen Alltag von Schülern. Hier werden Informationen ausgetauscht, Fotos gezeigt und von anderen kommentiert. An sich eine gute Idee, und aus welchem Grund sollte man als Lehrer nicht daran teilhaben? Studenten machen das auch, und es ist doch ein Vertrauensbeweis, wenn Schüler mit ihren Lehrern befreundet sein wollen.

Gründe gegen eine Freundschaft

Für beide Seiten hat eine solche Freundschaft aber auch viele Nachteile. Lehrer müssen nicht wissen, was ihre Schüler in ihrer Freizeit machen. Und das Gegenteil ist ebenfalls der Fall. Sie können Ihre Accounts nicht mehr so nutzen, wie Sie möchten. Wollen Sie, dass Ihre Schüler wissen, was Ihre Freunde an Ihre Pinnwand schreiben, oder möchten Sie nichts mehr kommentieren dürfen, ohne dass Sie am kommenden Vormittag von Schülern darauf angesprochen werden. Genauso wie Sie gar nicht steuern können, was Ihre Freunde Ihnen schreiben, können Schüler das auch nicht. Sie erzählen Ihren Schülern schließlich auch nur einige wenige Details aus Ihrem Leben – und Ihre Schüler haben dies Recht genauso.

Alternativen

Möglichkeiten der Kommunikation mit Ihren Schülern gibt es trotzdem. Sie müssen nicht komplett darauf verzichten. Ganz im Gegenteil – Sie können die Vorteile sogar nutzen. Bieten Sie Ihren Schülern an, im Internet eine Gruppe zu bilden. In diese Gruppe können dann verschiedene Personen eingeladen werden. Alle Personen haben die Möglichkeit, in dieser Gruppe Kommentare zu posten, auf die die anderen Mitglieder der Gruppe antworten können. Hier können dann Klassen oder Kurse das miteinander austauschen, was für diese Klasse oder diesen Kurs relevant ist.

Erklärungen für die Ablehnung

Sicherlich werden Sie von Ihren Schülern darauf angesprochen, warum Sie nicht mit Ihnen befreundet sein wollen. Sagen Sie ganz ehrlich, dass eine solche Freundschaft für beide Seiten Probleme bringen kann und Sie dies deshalb grundsätzlich nicht tun. Sie können auch nicht mit einzelnen Schülern etwas machen, was Sie mit anderen nicht tun – das bringt nur Probleme. Solange Sie in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis stehen, ist eine Freundschaft weder im wirklichen Leben noch im virtuellen möglich.

Probleme von Schülern

Erklären Sie Ihren Schülern, dass die Internetseite der Gruppe nicht dazu gedacht ist, persönliche Probleme offen zu diskutieren. Machen Sie Ihren Schülern klar, dass sie nur das in der Gruppe posten sollen, was sie auch in einem Stuhlkreis mit den gleichen Personen laut sagen würden. Bieten Sie Ihnen an, dass Sie sich in einer persönlichen Mail zwar verabreden können, um Probleme zu besprechen, dies dann aber real in einem 4-Augen-Gespräch durchführen.

Mobbing

Wenn Sie bemerken, dass ein Schüler im Internet geärgert wird, dann müssen Sie mit dem betroffenen Schüler reden. Sprechen Sie erst denjenigen an, den es betrifft. Überlegen Sie gemeinsam, was man gegen diese Probleme tun kann. Sie werden feststellen, dass es sich nicht nur um Probleme im Internet handelt, sondern auch im wirklichen Leben. Bieten Sie dem Schüler Hilfe an, um das Problem zu lösen und eine bessere Integration in die Klassengemeinschaft zu erreichen.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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