Unterricht

Der beliebte Lehrer: Müssen Schüler mich mögen?

Ein guter Lehrer sollte immer ein Freund seiner Schüler sein. Oder nicht? In den Praktika war das immer toll. Wenn man als Student in die Klasse kam, dann haben die Schüler einen wie einen größeren Freund behandelt. Aber jetzt im Referendariat, da gehört man plötzlich doch eher zu den Lehrern und wird auch entsprechend behandelt – zwar mit Respekt, aber eben nicht mehr als Freund.
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Basis schaffen

Ein gutes Verhältnis entsteht nicht sofort, es muss daran gearbeitet werden. Sie schaffen es nicht, wenn Sie keine Leistung von den Schülern fordern oder alles durchgehen lassen. Erinnern Sie sich an Ihre eigene Schulzeit: Solche Lehrer waren nicht die, die man besonders gemocht hat. Eine Zeit lang war der Unterricht bei ihnen angenehm – doch dann reichte es den meisten.

Unterrichtsstoff gut vorbereiten

Sie müssen wissen, was Sie unterrichten, und zwar mehr als im Unterricht bearbeitet wird. Haben Sie aber auch keine Angst davor, dass Sie nicht alles wissen. Manchmal können Schüler einfach mehr, und das ist auch in Ordnung. Hat ein Schüler sich zum Beispiel bereits an einem Ort aufgehalten, über den im Unterricht gesprochen wird, kann er vielleicht zusätzliche Informationen liefern. Ist ein Schüler zweisprachig aufgewachsen, beherrscht er die Sprache womöglich sogar besser als Sie, und gerade im Bereich Technik und Computer sind die Schüler den meisten Lehrern weit voraus. Beziehen Sie diese Schüler mit ein, statt gegen sie zu arbeiten. Wenn Sie eine Frage nicht beantworten können, zeigen Sie den Schülern, wie man die Antwort auf die Frage finden kann, und liefern Sie sie nach!

Bleiben Sie stringent

Jeder Mensch sucht eine Gleichmäßigkeit. Gerade im Verhältnis Lehrer – Schüler ist das wichtig. Wenn Sie beispielsweise heute keine Hausaufgaben aufgeben, weil Ihnen danach ist, und übermorgen dann so viel, dass die Schüler das Pensum kaum bewältigen können, ist das von Ihnen falsch geplant. Ebenfalls versteht es niemand, wenn Sie an einem Tag mit den Schülern herumscherzen und dann ganz plötzlich einige Schüler einen Klassenbucheintrag erhalten, oder wenn Sie bei vergessenen Hausaufgaben nie etwas notieren und dann plötzlich deswegen einen Brief an die Eltern schreiben. Erscheint Ihnen die Heftführung Ihrer Schüler an einem Tag nicht wichtig, dann können Sie nicht von einem Tag auf den anderen die Hefte einsammeln und benoten.

Lob und Kritik

Ehrliche Kritik wird leichter angenommen, wenn Sie genauso ehrlich loben. Betrachten Sie dabei auch die persönlichen Verbesserungen der einzelnen Schüler. Jemand, der im schlechten Notenbereich steht und dann eine 4 schafft, freut sich über diese genauso wie ein Schüler, der normalerweise eher durchschnittlich ist und eine 1 bekommt. Loben Sie stets wegen der persönlichen Leistung. Aber setzen Sie Leistung und Person nicht gleich. Kritisieren Sie nicht den Schüler, sondern entfernen Sie ihn von der Leistung. Sätze wie: „Das hast du schlecht gemacht!“ oder „Du kannst das nicht!“, vermitteln dem Schüler, dass Sie ihn für unfähig halten. „Die Arbeit, die du geschrieben hast, war jetzt nicht so gut!“ und „Du kannst das doch besser“, lassen ein positiveres Bild entstehen.

Zuhören

Kinder haben Probleme. Wenn Sie sich an Sie wenden, dann betrachten Sie das in erster Linie als Kompliment. Sie wurden als Vertrauensperson ausgesucht. Hören Sie zu und machen sich ein Bild von der Situation. Aber Sie müssen keine Lösung finden. Fragen Sie den Schüler, was er erwartet und was Sie tun dürfen. Manchmal ist es gut, wenn Sie Experten einschalten können oder wenn Sie Gespräche mit den Eltern führen. Aber seien Sie nicht zu betroffen und machen Sie keine Vorwürfe. Es geht immer darum, ein Problem zu lösen, und nicht, zu richten.

Mensch bleiben

Auch Sie dürfen Schwächen zeigen. Sie haben etwas nicht geschafft? Ihre Schrift ist unlesbar beim Tafelanschrieb? Sie haben etwas vergessen? Alles kein Problem, solange Sie den Schülern ebenfalls Schwächen zugestehen. Übertreiben Sie es jedoch nicht mit Ihren Schwächen – sonst machen Sie sich lächerlich. Sie dürfen auch gern Privates miteinbringen, das kann mitunter sogar helfen – aber auch das gehört nur in Maßen in die Schule.

Also – müssen Schüler Sie mögen?

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Ja! Schüler sollten Sie mögen – solange dies innerhalb eines distanzierten Verhältnisses bleibt.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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