Unterricht

Ein Wort zu viel ...

Eigentlich war es Ihr Ansatz, dass Sie es als Lehrer besser machen wollten, als die, die Ihnen in Ihrer Schulzeit begegnet sind. Eigentlich ... Aber nachdem die Kollegin Sie heute auf dem Flur kritisierte, weil Ihre Schüler sich angeblich nicht benommen haben, da ist Ihnen der Kragen geplatzt und schnell sind die Wörter in der Klasse gefallen, die Sie nie hatten sagen wollen: „Ihr alle...“ und „Da habe ich mich wohl in euch getäuscht.“
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Erst einmal durchatmen

Natürlich nimmt man das Fehlverhalten von Schülern oft persönlich – aber das müssen Sie nicht und dürfen Sie auch nicht. Oft sind die Verhaltensformen nicht gegen Sie persönlich gerichtet, sondern eher gegen die Situation in der Schule allgemein. Außerdem entwickelt sich schnell eine Gruppendynamik, die nicht beabsichtigt war und die auch schwer vorhersehbar ist. Vielen Schülern tut es im Nachhinein auch leid, sich nicht benommen zu haben. Urteilen Sie daher nicht sofort und handeln Sie vor allem nicht emotional. Vertagen Sie die Diskussion, bis sich die Gemüter beruhigt haben. „Das, was da eben passiert ist, werden wir noch besprechen.“ Denken Sie aber daran, es später wirklich auch aufzugreifen.

Situation aus mehreren Richtungen betrachten

Egal worüber Sie sich aufgeregt haben, versuchen Sie, die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Was ist genau passiert und warum ist das passiert? Wenn Unruhe in einer Klasse entsteht, dann hat das Ursachen. Versuchen Sie, diese zu ergründen. Hat eine ganze Lerngruppe etwas nicht verstanden, hat auch das Ursachen, die gar nicht unbedingt bei Ihnen zu suchen sind, sondern vielleicht schon länger zurückliegen.

Reden Sie einzeln mit den Schülern

Wenn Sie sich vor eine Klasse stellen, dann schaffen Sie sofort eine Situation, in der Sie eine Gruppe als Gegner haben. Überlegen Sie sich daher, wie Sie die Situation entschärfen können, und reden Sie einzeln mit den Schülern. Ist die ganze Klasse betroffen, führen Sie zunächst ein Gespräch mit den Klassensprechern und klären Sie die Situation – aber immer erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand.

Keine Pauschalurteile

Vermeiden Sie es, pauschale Urteile über eine Klasse zu fällen. „Ihr habt alle ...“ oder „Ihr seid alle ...“ passt in der Regel nie, denn es sind nie alle Schüler der Klasse schuld an einer Situation. Meistens sind es nur einzelne. Betroffen sind von Sätzen dieser Art dann aber oft die Kinder, die keinen Ärger gemacht haben, sich Dinge aber sehr zu Herzen nehmen. Je nach Altersstufe sind diese Kinder traurig, tief getroffen, oder sie werden sogar wütend und blocken ab.

Keine pauschalen Strafen

Es passiert nicht selten, dass man eine Strafe pauschal der ganzen Klasse verhängt. Auch hier trifft es dann wie immer auch die Falschen. Dies erzeugt eine ungute Stimmung in der Klasse und zerstört den Zusammenhalt, denn so werden diejenigen, die gar nicht beteiligt waren, mehrfach bestraft.

Jeder Mensch ist anders

Und auch jedes Kind ist anders. Denken Sie bei Lob und Tadel daran. Jeder soll an seinen eigenen Leistungen gemessen werden. So können Sie einen Schüler, der schwächer ist oder keine schöne Schrift hat, dadurch aufbauen, indem Sie seine individuelle Leistung loben. Hat sich jemand besonders angestrengt und bekommt dann zu hören, dass sein Nachbar es viel besser gemacht hat, dann bringt ihn das nicht weiter. „Das hast du viel besser gemacht als gestern! Man sieht, dass du dich angestrengt hast!“, hilft da eher.

Zurückerinnern

Es hilft, wenn Sie sich in die Situation Ihrer Schüler hineinversetzen. Wie hätte es Ihnen gefallen, wenn sich Ihre Lehrer so verhalten hätten? Oder vielleicht haben Sie eine ähnliche Situation erlebt, und einer Ihrer Lehrer hat sich äußerst fair und gerecht verhalten. Diskutieren Sie auch mit anderen über diese Verhaltensmuster. Vielleicht hat jemand in Ihrem Umfeld eine Idee, wie man mit solchen Situationen umgeht.

Entschuldigungen helfen

Jeder Mensch – und davon können Sie sich nicht ausnehmen – verhält sich irgendwann einmal ungerecht. Oft merkt man das schon wenig später. In einem solchen Fall ist eine Entschuldigung angebracht. Eine Entschuldigung auch für die ganze Klasse oder für eine einzelne Person. So etwas hat auch Vorbildfunktion und bringt Schüler dazu, sich ebenfalls zu entschuldigen.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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