Unterricht

Hilfe - als Referendar bin ich ein Vorbild!

Sie teilen die Hefte aus. Ein Schüler schaut seine Arbeit an. Unter seinem Text steht in roter Schrift ein Satz, den er nicht entziffern kann. Er meldet sich: „Ich kann den Satz nicht lesen! Was soll das heißen?“ Sie gehen zu ihm, schauen nach und sagen: „Da steht: Du sollst leserlicher schreiben!“ Was heißt das nun für Sie? Dazu einige Gedanken.
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Ein bekanntes Beispiel: Es ist spät, und die Ampel zeigt Rot, aber kein Auto ist zu sehen. Wer würde da auf jeden Fall stehen bleiben? Oder wie ist es mit gesunder Ernährung und den Pommes auf dem Stadtfest? Das Radfahren ohne Helm? Dem seit Wochen nicht korrigierten Mathetest? Und den zu Haus vergessenen Kopien? Sicherlich ließe sich das noch beliebig fortsetzen. Man könnte vieles finden, das nicht gut oder sogar eine Ordnungswidrigkeit ist, was aber von vielen trotzdem gemacht wird.

Eigentlich sagt dagegen auch kaum jemand etwas – aber von Lehrern erwartet doch jeder irgendwie, dass sie immer alles wissen und alles richtig machen, zumindest solange Schüler sie sehen oder etwas merken könnten. Gleichzeitig soll man als Lehrer authentisch sein, also so sein, wie man sich im Unterricht gibt.

Sollen Lehrer mit dem Berufseinstieg also aufhören, das Falsche zu tun und nur noch alles richtig machen? Es gibt Berufseinsteiger, die das tatsächlich versuchen. Aber es ist nahezu unmöglich, sich an alle Regeln und Tipps zu halten, die man weitergibt. Wie also mit diesem Dilemma umgehen?

Erst einmal ist es natürlich so, dass es Regeln gibt, an die sich jeder halten muss. Zum Beispiel pünktlich im Unterricht zu erscheinen oder nicht auf dem Schulgelände zu rauchen. Aber da fängt es schon an. Wie können Sie pünktlich zum Unterricht erscheinen, wenn die Stunde zuvor drei Minuten länger gedauert hat, im Flur noch ein Problem zu lösen war und die Strecke zwischen den Klassenräumen im Laufschritt in wenigen Minuten kaum zu bewältigen ist?

Um noch einmal auf den Anfang zu kommen, es ist nicht immer einfach, ein Vorbild zu sein, und selbst, wer sich bemüht, immer alles richtig zu machen, wird von Zeit zu Zeit etwas tun, das eben nicht zu dem passt, was man sich vornimmt. Hier muss zwischen dem schulischen und dem privaten Bereich unterschieden werden. Beruf und Privates kann man trennen, indem z. B. Wohnort und Schule nicht zu nahe beieinanderliegen. Oft reichen schon ein paar Kilometer Entfernung. Einkäufe, sportliche Betätigungen und Freizeitaktivitäten sollten nach Möglichkeit nicht im Einzugsgebiet der Schule stattfinden. So können viele Probleme einfach umgangen werden.

In der Schule sieht es jedoch anders aus. Beispiel Rauchen. Das persönliche Rauchverbot sollte sich nicht nur auf das Schulgelände beziehen, sondern auch auf das Gelände um die Schule herum. Es macht einen ziemlich schlechten Eindruck, wenn sich nicht nur die Schüler am Schultor die erste Zigarette anzünden, sondern auch die Lehrer. Gemeinsames Rauchen mit Schülern ist in jedem Fall tabu.

Mit der Pünktlichkeit hingegen kann es wie schon beschrieben mitunter schwierig werden. Trotzdem sollten Sie darauf achten, dass die Verspätung möglichst kurz ist und die Ausnahme bleibt. Außerdem sollten Sie sich auf alle Fälle bei Ihren Schüler entschuldigen. So können Sie für den Fall, dass ein Schüler zu spät kommt, auch eine Entschuldigung erwarten.

All das, was Sie von Ihren Schülern (an Ordnung) erwarten, sollten Sie auch selbst beachten. Also: Je aufgeräumter der eigene Schreibtisch ist, desto mehr Ordnung kann auch von den Schülern erwartet werden. Wer seine Schüler respektvoll behandelt, kann auch von seinen Schülern Respekt erwarten. Ein Lehrer, der Schülern nicht vorhält, wenn sie einmal – nicht regelmäßig – etwas vergessen, kann auch auf das Verständnis seiner Schüler hoffen, wenn er selbst einmal etwas nicht fertig hat.

Und denken Sie daran, dass Sie in der Nähe der Schule einfach ein bisschen langsamer fahren als sonst. Drehen Sie Ihre Musik ein wenig leiser, stellen Sie Ihr Smartphone auf lautlos und lassen Sie es in die Tasche stecken. Lächeln Sie, wenn Sie den Schulhof betreten. All das hilft Ihnen, ein gutes Vorbild zu sein!

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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