Unterricht

Sie haben es in der Hand: Lehrerfeedback als Steuerungselement

Denken Sie an Unterrichtsstunden, die Sie gehalten haben. Die Reaktionen der Schüler haben Ihnen dabei gezeigt, ob Ihr Unterricht gut ankam oder auch nicht. Sie haben auch Rückmeldungen von Mentoren und Fachleitern bekommen. Je nachdem wie diese Reaktionen ausfielen und wie Sie sie aufgenommen und verarbeitet haben, hat sich auch Ihr Unterrichtsstil weiterentwickelt. Vielleicht fühlten Sie sich dabei gut beraten, vielleicht aber auch nicht. Eventuell war Ihnen die Reaktion auch unangenehm.
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Wechseln wir nun die Perspektive, denn Ihre Empfindungen sind zwar wichtig, deutlich wichtiger aber sind die der Schüler, denn daraus kann sich eine positive oder negative Einstellung zum Lernen im Allgemeinen entwickeln.

Ein Beispiel, das niemanden wirklich schmerzt, aber dennoch ziemlich beeinträchtigen kann, ist der Bereich Kunst. Es gibt sehr viele Menschen, die von sich behaupten, künstlerisch nicht besonders begabt zu sein. Aber nicht jeder muss Tiere malen, die lebensecht aussehen, oder Portraits, auf denen die Personen einwandfrei zu erkennen sind. Und ob etwas schön ist oder nicht, liegt ganz klar im Auge des Betrachters. Wer aber in der Schule immer wieder hört, dass seine Ergebnisse besonders gut sind, wird sich eher weiter damit beschäftigen.

Dies Beispiel ist auf jeden anderen Lebensbereich zu übertragen – natürlich spielt Talent auch immer eine Rolle, doch vieles ist mit Fleiß, viel Übung und auch durch Fehler zu lernen. Wichtig sind die Einstellung, der Wille, etwas lernen zu wollen, und das geweckte Interesse am Unterrichtsthema.

Kritik darf natürlich vorgebracht werden, sollte aber dabei immer auch einen positiven Aspekt enthalten. Statt eine schlecht bearbeitete Aufgabe kommentarlos zurückzugeben oder mit den Worten: „Was hast du denn da schon wieder gemacht?“ zu kommentieren, äußern Sie Sätze wie: „Ich weiß, dass du das viel besser kannst!“ oder „Ich erkläre dir das noch mal, dann verstehst du es auch besser!“

Natürlich kann eine schlechte Arbeit nicht gutgeredet werden oder eine falsche Antwort richtig sein, da es aber beim Unterrichten nicht darum geht, einen Schüler herauszuprüfen, sondern ihm etwas beizubringen, ist ein positiver Ausblick und eine nochmalige Erklärung bzw. die Chance, es verbessern zu können, sehr viel effektiver.

Jetzt spielt nicht nur das bewusste Feedback eine Rolle, sondern auch das unbewusste. Das Verziehen der Mundwinkel bei einer falschen Antwort oder das Lächeln bei einer richtigen geben den Schülern mitunter viel mehr Informationen über Ihre Einschätzung der Situation als ein ausgesprochener Satz.

Ein Schüler, der noch überlegt, wird bei einem aufmunternden Blick eher auf die Antwort kommen, als bei einem Blick, der dem Schüler Ungeduld, Unmut oder Zweifel signalisiert. Freundliche Blicke muss man üben – denn ein bemüht neutraler Blick wirkt meist eher unfreundlich. Es empfiehlt sich, öfter mal Gesichtsausdrücke zu proben – vor dem Spiegel oder dem Computer kann das richtig Spaß machen.

Trotzdem erwarten Schüler ehrliche Antworten. Es ist unbefriedigend, wenn es immer nur heißt: Alles ist gut. Eine ehrliches, aber faires Lehrerfeedback, das die individuellen Lernfortschritte berücksichtigt, kann den Schüler zu weiterem Lernen anspornen. Wer hingegen nur einen Misserfolg nach dem anderen verbucht ohne Ausblick auf einen Lernerfolg, wird resignieren und sich selbst sagen, dass das Lernen sowieso keinen Erfolg haben wird.

Beachten Sie auch die individuellen Lernvoraussetzungen des einzelnen Schülers. Hinweise darauf, beim nächsten Mal mehr lernen zu müssen, können einen Schüler, der viel, aber ineffektiv gelernt hat, weiter in eine falsche Richtung bringen. Auch bei einer misslungenen Arbeit kann es sein, dass jemand sich viel Mühe gegeben hat.

Überlegen Sie sich darum bei jedem Feedback, das Sie Ihren Schülern geben, wie Sie zwar eine ehrliche Meinung abgeben können, bei einem Misserfolg aber auch einen Weg aufzeigen, der zu einer Verbesserung führen kann.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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