Unterricht

Wenn Schüler zu anhänglich werden: Das steckt dahinter und das können Sie als Lehrer tun

Es ist toll, wenn Schüler ihre Lehrer mögen – manchmal aber mögen sie sie zu sehr, und dann müssen Sie abklären, was sich dahinter verbirgt und ganz klare Abgrenzungen schaffen.

Fotolia 41073283 XS copyright VRD - Fotolia

Der Beliebtheitsgrad

Manche Lehrer sind beliebter, denn sie sprechen Kinder einfach auf anderen Ebenen an. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, ist das erst einmal sehr gut – aber passen Sie auf, dass Sie sich an die schulüblichen Umgangsformen halten. Es wird schwierig, wenn Sie von Kollegen gesagt bekommen, dass Sie zu schülerfreundlich sind. Vergleichen Sie daher Hausaufgaben und Leistungsüberprüfungen mit Kollegen gemeinsam – dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Trösten

Kinder, die sich verletzen oder die Probleme haben, kann man durch das Auflegen einer Hand auf die Schulter oft leicht beruhigen. Auch das Festhalten der Hand kann helfen, bis es wieder besser wird. Eine tröstende Umarmung muss nicht sein und kann auch von den Kindern schnell falsch gedeutet werden.

Anhängliche Kinder

Es ist schön, wenn Kinder sich freuen, ihren Lehrer zu treffen. Zu große Freude kann aber auch ein Zeichen sein, dass dieses Kind ein Problem hat, entweder mit anderen Kindern, im Elternhaus oder auch beides. Beobachten Sie in solchen Fällen dieses Kind ganz genau, zum Beispiel sein Verhalten Gleichaltrigen gegenüber, und hören Sie gut zu, was es von zu Hause erzählt. Ermutigen Sie das Kind, sich in der Pause mit Mitschülern zu unterhalten oder mit ihnen zu spielen. Es muss nicht immer eine Verhaltensstörung dahinterstecken, aber seien Sie aufmerksam!

Soziale Probleme mit anderen Kindern

Wenn Kinder nicht mit Gleichaltrigen klarkommen, kann das viele Gründe haben. Vielleicht verbringen sie ihre Freizeit mit Erwachsenen oder teilen keine Interessen mit den anderen. Es kann sich auch um sehr sensible oder hochbegabte Kinder handeln. Ebenso können unterschiedliche soziale Hintergründe eine Rolle spielen. Wenn Kinder ausgeschlossen werden, können Sie vielleicht noch etwas ändern, indem Sie ermutigend mit dem Kind spielen.

Schwieriger wird es, wenn das Kind von den anderen ausgelacht oder – noch schlimmer – körperlich angegriffen wird. Achten Sie hier besonders auf überdurchschnittlich häufige Risse in der Kleidung oder aufgeschürfte Hände usw. In diesem Fall muss ein Gespräch mit den Eltern geführt werden. Ermitteln Sie die angreifenden Kinder sofort, auch mit deren Eltern muss gesprochen werden.

 Es gibt inzwischen auch viele Angebote zum Thema Mobbing, mit denen Sie Kontakt aufnehmen können. Gute Tipps gibt es auf dieser Seite (www.sbndb-regionalpoint-bogen.de/pdfs/Was%20muss%20Schule%20tun-12-10.pdf) oder auch unter (www.mobbingberatung.info).

Probleme im Elternhaus

Sucht ein Kind ein enges Verhältnis zu Ihnen, dann kann auch ein schwerwiegendes Problem im Elternhaus vorliegen. Beobachten Sie das Kind, sprechen Sie auch mit Sport- oder Schwimmlehrern, ob ihnen Verletzungen an dem Kind aufgefallen sind. Achten Sie darauf, ob das Verhalten des Kindes nur Ihnen gegenüber so merkwürdig ist oder ob es sich auch anderen Erwachsenen gegenüber so verhält. Und hören Sie genau zu, was das Kind erzählt. Wenden Sie sich eventuell an eine Beratungsstelle. Natürlich möchte man keinen falschen Verdacht aussprechen, doch oft geben die Kinder eindeutige Zeichen, indem sie zum Beispiel seltsame Fragen stellen. Lassen Sie sich beraten und versuchen Sie nicht, allein etwas zu unternehmen.

Ziehen Sie klare Grenzen

Sagen Sie den Schülern, wo ihre persönliche Grenze liegt. Und ziehen Sie diese auch für sich konsequent durch. Sie können nicht allein sämtliche Probleme Ihrer Schüler lösen. Dann schaffen Sie gar nichts. Hören Sie zu, vermitteln Sie Gespräche und schalten Sie Beratungsstellen ein. Denn Sie müssen auch selbst abschalten und etwas anderes für sich tun, sonst haben sie keine Zeit mehr zu helfen!

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: