Unterricht

Klipp und klar – Arbeitsanweisungen für Ihre Schüler verständlich formulieren

Sie haben Ihre Themen ausführlich zu Haus vorbereitet, und eigentlich sollte die Stunde ganz toll verlaufen, aber dann kommt alles ganz anders, und die Schüler sind nach der Stunde verwirrter als zuvor und wissen nicht, was sie tun sollen.

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Einmaliges Missgeschick

Wenn Ihnen das einmal passiert – lachen Sie gemeinsam mit den Schüler darüber, wischen die Tafel sauber und versuchen es einfach noch einmal, vielleicht fällt Ihnen ein anderer Weg ein, und der zweite Erklärungsansatz ist meistens viel besser als der erste. Überlegen Sie sich, woran es gelegen haben könnte, damit dieses Problem nicht noch einmal auftritt, aber grundsätzlich ist das erst einmal nicht schlimm.

Unklare Arbeitsanweisungen

Viel häufiger passiert es, dass Schüler Arbeitsanweisungen nicht verstehen. Das merken Sie daran, dass immer wieder Schüler nachfragen oder etwas anderes tun, als Sie wollten. Dann machen Sie etwas falsch. Um zu ergründen, woran das liegt, beginnen Sie, die Arbeitsanweisungen aufzuschreiben. Legen Sie sie zur Seite und lesen Sie sich später wieder durch. Wie würden Sie sich verhalten und was würden Sie tun, wenn Ihnen jemand diese Anweisung geben würde?

Besonders gut ist es, jemand anderen zu fragen und dann die Reaktion zu beobachten. Sie werden merken, dass es oft besser ist, die Arbeitsaufträge möglichst einfach zu formulieren. Wenn die Anweisungen gut gelungen sind, dann schreiben Sie sich diese auf Karteikarten und nehmen Sie sie mit in den Unterricht. Nutzen Sie die Karten wie Spickzettel. Vermerken Sie darauf nach der Stunde auch, wie die Anweisung angenommen wurde und was verbessert werden muss.

Arbeitsaufträge richtig formulieren

Je kürzer und knapper Vorgaben formuliert sind, desto einfacher sind sie umzusetzen. Denken Sie daran, dass die Anweisungen nur akustisch und nicht anders aufgenommen werden. Viele „Wenn“ und „Dann“ und Ähnliches machen sie schwer verständlich, und eine neue Anweisung ist immer schlechter zu begreifen, als eine, die schon mehrmals wiederholt wurde.

Sicherung der Anweisung

Wiederholen Sie nicht selber auf drei verschiedene Arten, was Sie von den Schülern möchten, sondern lassen Sie die Schüler Ihre Arbeitsaufträge formulieren. Das können Sie auch zweimal tun, damit es wirklich alle verstanden haben. Aber stellen Sie niemals die Frage: „Haben das jetzt alle verstanden?“; sie wird nie korrekt beantwortet.

Rituale

Je mehr ritualisierte Abläufe in der Klasse eingeführt sind, desto einfacher sind die Anweisungen. So können Sie zum Beispiel festgelegte Reaktionen der Schüler auf bestimmte Handbewegungen von Ihnen vereinbaren.

Einzeletappen

Wenn Sie ein Thema erklären müssen, dann stellen Sie sich vor, Sie unternehmen eine Bergwanderung. Von einem gewissen Punkt aus müssen Sie nach oben kommen. Dieses Ziel ist aber nur in kleinen Schritten erreichbar. Genauso ist das beim Erklären. Überlegen Sie sich, wo die Schüler stehen und was sie lernen müssen, um das Ziel zu erreichen. Teilen Sie diesen Weg in verschiedene Schritte ein und legen Sie Zwischenziele fest. Sichern Sie jede erreichte Etappe ab. Planen Sie sich aber auch Alternativen ein. Was machen Sie, wenn die Schüler ein Zwischenziel nicht erreicht haben?

Erklärungen den Schülern überlassen

Wenn Sie merken, dass einzelne Schüler bereits weiter sind als die anderen, geben Sie ein wenig Verantwortung ab und lassen Sie das Problem von diesen Schülern erklären. Damit wird alles noch einmal aus einer anderen Perspektive erklärt, und vielleicht finden sie ja auch einen anderen Zugang zu ihren Mitschülern.

Abschauen

Eigentlich soll es das in der Schule ja nicht geben – aber in diesem Fall ist es erlaubt: Abschauen. Setzen Sie sich bei so vielen Lehrern wie möglich in den Unterricht und schreiben sich auf Karteikarten mit, welche Arbeitsaufträge wie formuliert werden. Dokumentieren Sie dazu auch die Reaktionen der Schüler. Sind sie irritiert, handeln sie richtig oder falsch oder passiert genau das, was beabsichtigt war?

Analysieren Sie die guten, aber auch die misslungenen Anweisungen. Sehr schnell werden Sie ein Muster entdecken, nach dem es sich zu arbeiten lohnt. Aber bedenken Sie: Jeder Mensch ist anders und daher ist es sinnvoll, nicht nur zu kopieren, sondern seinen eigenen Weg zu finden.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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