Unterricht

Einzelarbeit oder Stillarbeit – Voraussetzung für andere Sozialformen im Unterricht

Dass Schülerinnen und Schüler allein für sich arbeiten und sich zielorientiert mit einem Inhalt auseinandersetzen können, ist Grundvoraussetzung für jede andere Organisationsform im Unterricht. Doch auch das will gelernt sein und kann keinesfalls als selbstverständlich erachtet werden. 

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Was verbirgt sich hinter dem Begriff Einzelarbeit?

Die Bezeichnung Einzelarbeit steht für eine Organisationsform, bei der jede Schülerin und jeder Schüler allein für sich an einer Aufgabe arbeitet. Synonym wird hierfür oft auch der Begriff Stillarbeit verwendet, der auf eine weitere wichtige Komponente dieser Sozialform hinweist. Die Arbeit erfolgt in einer ruhigen Atmosphäre und ohne Auseinandersetzung mit einer anderen Person. Alle Schülerinnen und Schüler arbeiten einzeln für sich an einem Sachverhalt, den sie sich entweder selbst gewählt oder von der Lehrkraft zugewiesen bekommen haben.

Einzelarbeit muss schrittweise eingeführt werden

Die Fähigkeit zum ruhigem, konzentriertem und individuellem Arbeiten ist eine Grundvoraussetzung, bevor eine andere Sozialform im Unterricht eingesetzt werden sollte. Haben die Schülerinnen und Schüler nicht gelernt, sich allein für sich auf einen Inhalt einzulassen, ist auch die Auseinandersetzung mit einer anderen Person bzw. mehreren Partnern nicht möglich. Doch auch die Fähigkeit zur Einzelarbeit muss schrittweise angebahnt werden und darf keineswegs vorausgesetzt werden. Schon ab dem ersten Schultag gilt es daran zu arbeiten und die Zeitspannen der Stillarbeit schrittweise auszudehnen. Wo die Schülerinnen und Schüler am Anfang vielleicht nur fünf Minuten in absoluter Stille und ohne Zwischengespräche an einem Inhalt arbeiten können, ist dies im Laufe ihrer Grundschulzeit am Ende schon über einen wesentlich längeren Zeitraum möglich. Wichtig ist hierbei, dass Sie diese Ruhe von Anfang an konsequent einfordern. Verlangen Sie absolute Konzentration von Ihren Schülerinnen und Schülern.

Ruhe ist wichtig – und muss geübt werden

Um den Schülerinnen und Schülern Rückmeldung über die herrschende Lautstärke zu geben bzw. um die Stille aufrecht zu erhalten, arbeiten manche Lehrkräfte mit einer sogenannten Lärmampel. Diese kann elektronisch oder auch mit Hilfe von Farbkarten manuell durch die Lehrkraft betätigt werden, in „fortgeschrittenen Gruppen“ können auch die Lernenden selbst auf diese Weise den Lautstärkepegel regeln. Sie zeigt den Schülerinnen und Schülern immer an, wie der momentane Lärmpegel im Klassenzimmer ist. Die Farbe Grün steht für eine angenehme, gelb für eine grenzwertige und rot für eine zu hohe Lautstärke. Der Anzeige entsprechend müssen die Schülerinnen und Schüler sich dann selbst regulieren. Eine andere Möglichkeit für die Lautstärkeregelung ist der Einsatz von einer (leisen) Glocke, Triangel oder Flöte, die angestimmt werden, wenn es zu laut im Klassenraum wird.

Das Für und Wider von Einzelarbeit

Einzelarbeit bietet viele Vorteile. Als Lehrkraft sollte man sich aber auch mit den Nachteilen beschäftigen, um die optimale Sozialform für die Unterrichtsplanung auswählen zu können.

Vorteile der Einzelarbeit:

  • Die Einzelarbeit stellt eine effektive Arbeitsform dar.
  • Durch differenziertes Arbeitsmaterial kann jeder auf seinem Niveau arbeiten.
  • Jeder kann in seinem Tempo arbeiten.
  • Einzelarbeit geht mit einer ruhigen Arbeitsatmosphäre einher und steigert damit die Konzentrationsfähigkeit.
  • Die Schülerinnen und Schüler werden durch niemanden abgelenkt.
  • Die individuellen Arbeitsergebnisse geben Aufschluss über den Leistungsstand jedes einzelnen Lerndenden.
  • Jeder muss aktiv sein und kann sich nicht hinter einem Partner verstecken.

Nachteile der Einzelarbeit:

  • Einzelarbeit fördert keine Teamfähigkeit und vernachlässigt damit den Aspekt des sozialen Lernens. Jeder arbeitet für sich.
  • Schülerinnen und Schüler mit Konzentrationsschwierigkeiten könnten mit längeren Phasen der Einzelarbeit überfordert sein. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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