Unterricht

Mit der Lernwerkstatt erfolgreich Unterrichtsinhalte erarbeiten und Lernziele erreichen

Werkstattunterricht gewinnt zunehmend an didaktischer Bedeutung und wird bei Schülerinnen und Schülern wie Lehrkräften immer beliebter. Doch was genau versteckt sich hinter diesem Begriff? Worauf muss die Lehrkraft beim Aufbau einer Lernwerkstatt achten und welche Vor- bzw. Nachteile bringt diese Organisationsform mit sich?

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Was verbirgt sich hinter dem Begriff Werkstatt?

Sollte man die Bedeutung des obigen Begriffs „aus dem Bauch heraus“ umschreiben, würde man höchstwahrscheinlich an den Vorgängen anknüpfen, die sich tagtäglich in Werkstätten ereignen. Es geht hier in der Tat um die Arbeit an einem bestimmten „Werkstück“ in einem festen räumlichen Rahmen. So arbeiten die Schülerinnen und Schüler im Werkstattunterricht mit Hilfe des vorbereiteten Materials eigenverantwortlich am Unterrichtsinhalt und erreichen selbstständig die festgelegten Lernziele. Dabei erzeugt der Werkstattunterricht beim Lernenden eine hohe Motivation und ist grundsätzlich in allen Fächern möglich. Wie lange an dem entsprechenden Inhalt gearbeitet wird, hängt einerseits vom Thema, andererseits von der Anzahl und dem Anspruch der enthaltenen Arbeitsaufträge ab. Am Ende einer Werkstatt können die Arbeitsergebnisse im Rahmen einer Präsentation, einer Zeitung oder eines kleinen Festes ausgestellt werden. 

Bedingungen für eine erfolgreiche Arbeit mit einer Lernwerkstatt

Um Ihre Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Lernwerkstätten motiviert und erfolgreich zum Ziel zu führen, müssen Bedingungen geschaffen werden, die dies ermöglichen.

  • Präsentieren Sie die Lernangebote in ansprechender Form.
  • Wecken Sie das Interesse Ihrer Schülerinnen und Schüler für das Thema.
  • Formulieren Sie die Arbeitsaufträge klar und verständlich, dass selbstständiges Arbeiten tatsächlich möglich ist.
  • Lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler die Arbeitsergebnisse selbst kontrollieren.
  • Wählen Sie handlungsorientierte Angebote für Ihre Schülerinnen und Schüler aus.
  • Legen Sie genügend Material bereit.
  • Greifen Sie auf Aufgabenformate zurück, die den Lernenden bekannt sind.
  • Bieten Sie den Schülerinnen und Schülern abwechslungsreiche Arbeitsaufträge und verhindern eine „Arbeitsblattflut“.
  • Planen Sie genügend Zeit für die Arbeit in der Werkstatt ein.
  • Bieten Sie den Lernenden Pflicht- und Wahl- bzw. Zusatzübungen an.
  • Achten Sie auf einen roten Faden innerhalb der Werkstattangebote.
  • Geben Sie den Lernenden genügend Raum zum Arbeiten.
  • Sorgen Sie für eine ruhige Arbeitsatmosphäre.
  • Motivieren Sie Ihre Schülerinnen und Schüler zu einer aktiven Beteiligung.

Sind diese Grundvoraussetzungen geschaffen, steht einer zielorientierten, aktiven und motivierten Arbeit nichts mehr im Wege. Sie werden schnell sehen, wie begeistert Ihre Schülerinnen und Schüler diese neue Form des selbstständigen Lernens aufnehmen und umsetzen werden.

Das Für und Wider von Werkstätten

Wie jede andere Organisationsform hat auch die Werkstattarbeit verschiedene Vorteile und Nachteile, die Sie bei Ihrer Unterrichtsplanung bedenken sollten.

Vorteile des Werkstattunterrichts:

  • Die Schülerinnen und Schüler arbeiten selbstständig und eigenverantwortlich am Thema.
  • Sie lernen, sich ihre Arbeitszeit einzuteilen.
  • Verschiedene Arbeitsaufträge ermöglichen einen abwechslungsreichen Zugang zum Thema.
  • Die Schülerinnen und Schüler können selbst wählen, ob sie alleine, mit einem Partner oder in einer Gruppe arbeiten wollen.
  • Das selbstständige Durchführen von Experimenten kann im Rahmen einer Werkstatt gut eingebaut werden.
  • Die Schülerinnen und Schüler arbeiten aktiv am Unterrichtsinhalt.
  • Werkstätten sind in jedem Fach und auch fächerübergreifend möglich.

Nachteile des Werkstattunterrichts:

  • Diese Form verlangt eine intensive Vorbereitung durch die Lehrkraft, sowohl bezüglich des Materials als auch bezüglich des Stundenplans.
  • Schwache und unselbstständige Schülerinnen und Schüler könnten durch diese offene Organisationsform überfordert sein. Hier müssen Sie als Lehrkraft die Zeit finden, die Rolle eines Moderators und/oder Helfers zu übernehmen.

Auch wenn die Werkstattarbeit viel Vorbereitungszeit auf Seiten der Lehrkraft fordert, überwiegen in jedem Fall die Vorteile, die diese Organisationsform mit sich bringt. Schrecken Sie deshalb nicht davor zurück, die Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsinhalt einmal auf diese Weise anzubahnen. Gerade wenn es darum geht, abwechslungsreiche Arbeitsaufträge zusammenzustellen, bietet sich hier eine intensive Zusammenarbeit mit Kollegen an. Tragen Sie Ihr vorhandenes Material zusammen und wählen Sie gezielt aus. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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