Unterricht

Mit Projektunterricht Ihre Schüler begeistern!

Die Durchführung eines Projektes ist ein gutes Mittel, sich fach- und oftmals auch klassenübergreifend mit einem selbstgewählten Thema auseinanderzusetzen. Doch nicht immer stößt der Vorschlag ein Projekt zu starten auf Begeisterung im Kollegium. Zeitlicher Aufwand, Zusatzarbeit und Lärm sind nur einige wenige Schlagwörter, die im Zusammenhang mit Projekten oftmals fallen. Doch was versteht man eigentlich unter einem „Projekt“ und worauf sollte man bei der Planung und der Durchführung achten, damit es zu einer gelungenen Unterrichtserfahrung wird?

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Was verbirgt sich hinter dem Begriff Projektunterricht?

Von einem Projekt spricht man, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Das Projektziel ist klar definiert.
  • Ein genauer Zeitrahmen steht fest.
  • Ein Kostenrahmen steht fest.
  • Eine eigenständige Projektorganisation wird in die Wege geleitet.
  • Es handelt sich nicht um ein Alltagsvorhaben, sondern ist neu und komplex.
  • Ein Projektteam ist mit der Umsetzung beschäftigt.

Der wirkliche Planungs- und Umsetzungsaufwand hängt jeweils davon ab, ob das Vorhaben klassenintern oder klassenübergreifend umgesetzt werden soll. Dementsprechend sind entweder die Schülerinnen und Schüler der Klasse oder auch ein Projektteam innerhalb des Kollegiums für die Umsetzung zuständig. In jedem Fall ist das Thema des Projektes frei wählbar und kann mit örtlichen, jahreszeitlichen oder aktuellen Gegebenheiten zusammenhängen. Dabei kann ein Projekt in einem bestimmten Fach oder auch fachübergreifend aufgebaut werden. In jedem Fall arbeiten die Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich und selbstständig an den Inhalten, die Lehrkraft (oder Projektleiter) tritt als pädagogische Hilfe in Erscheinung und unterstützt die Lernenden auf Anfrage. Diese arbeiten je nach Vorliebe allein für sich, mit einem Partner oder in der Gruppe. Im Sinne einer Öffnung der Schule bietet es sich bei Projektunterricht auch an, mit externen Partnern bzw. Experten zusammenzuarbeiten und diese einzuladen.

Fünf Schritte zu einem erfolgreichen Projekt

  1. Wählen eines Themas:
    Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählen ein Projektthema aus (interessenbezogen, aktueller Anlass, etc.).
  2. Gemeinsames Entwickeln eines Planes:
    Es werden Ziele bzw. ein Zeitrahmen festgelegt und Aufgaben verteilt.
  3. Handlungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Projekt:
    Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kümmern sich eigenverantwortlich und selbstständig um die Erledigung ihrer Aufgaben.
  4. Prüfung des Voranschreitens:
    Das Team setzt sich immer wieder zusammen und kontrolliert, ob und wie die vereinbarten Ziele erreicht wurden. Gegebenenfalls wird der Plan wieder abgeändert. Entsprechend der Vereinbarungen wird dann selbstständig an den Aufgaben weitergearbeitet.
  5. Präsentation der Ergebnisse:
    Die Projektteilnehmer präsentieren ihre Arbeitsergebnisse der Öffentlichkeit (Klassen- oder Schulfest, Tag der offenen Tür, Zeitungsartikel, etc.).

Das Für und Wider von Projektunterricht

Wie jede andere Organisationsform hat auch der Projektunterricht verschiedene Vorteile und Nachteile, die es bei der Planung zu berücksichtigen gilt.

Vorteile des Projektunterrichts:

  • Das Thema ist auf die Interessen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bezogen.
  • Die Schülerinnen und Schüler arbeiten selbstständig und eigenverantwortlich am Thema.
  • Die Beteiligten lernen, sich ihre Arbeitszeit einzuteilen.
  • Verschiedene Arbeitsaufträge ermöglichen einen abwechslungsreichen Zugang zum Thema.
  • Die Schülerinnen und Schüler können selbst wählen, ob sie ihre Aufgabe innerhalb des Projekts allein, mit einem Partner oder in einer Gruppe arbeiten wollen.
  • Ein Thema kann ganzheitlich bearbeitet werden.
  • Die Schülerinnen und Schüler arbeiten meist sehr „aktiv“ am Inhalt.

Nachteile des Projektunterrichts:

  • Projekte brauchen zusätzliche Zeit zur Vorbereitung und zur Durchführung.
  • Projekte nehmen auch Zeit des täglichen Unterrichts in Anspruch.
  • Sie erfordern ein hohes Maß an Selbstständigkeit von ihren Teilnehmerinnen Teilnehmern.
  • Projekte könnten auf den Schultern einzelner, weniger Organisatoren lasten und diese damit überfordern. 

Ein praktisches Beispiel für den Projektunterricht – wenig Aufwand, große Wirkung

Trotz der vermehrten Arbeit, die mit Projekten einhergeht, erzeugen diese bei den Schülerinnen und Schülern meist große Begeisterung. Meistens arbeiten sie sehr motiviert an ihrem selbstgewählten Thema mit. An einigen Schulen haben sich sogenannte Projekttage eingebürgert. Jede Lehrkraft bereitet dafür ein Thema vor. Dieses wird (gemeinsam mit den anderen Projektangebot der Kolleginnen und Kollegen) an den vorher festgelegten Tagen im Schuljahr durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler wählen für jeden Projekttag eines der Angebote aus, Doppelungen sind zu vermeiden. Auf diese Weise ändert sich immer wieder die Gruppenzusammensetzung, Sie als Lehrkraft können immer wieder auf ihr bewährtes Material zugreifen und die Schülerinnen und Schüler erleben an jedem Projekttag etwas Neues. Sie werden sehen: Gerade wenn es am Ende des Tages darum geht, die Ergebnisse zu präsentieren, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überaus stolz und ernten gern das Lob für ihre Anstrengungen. Investieren Sie also die Zeit für eine Projektarbeit – es lohnt sich! JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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