Unterricht

Schreibkonferenzen als sozialen und fachlichen Austausch erleben

Das Ziel, Schülerinnen und Schüler selbstverantwortlich in Unterricht und Lernprozesse einzubinden, führte in der Vergangenheit zu verschiedensten offenen und schüleraktivierenden Methoden. Im Bereich „Texte verfassen“ bietet sich hier die Möglichkeit, Schreibkonferenzen abzuhalten, in deren Verlauf sich die Lernenden einander nicht nur fachlich, sondern auch sozial zuwenden.
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Konferenzen über das Schreiben

Wie der Begriff schon vermuten lässt, handelt es sich bei einer Schreibkonferenz um eine Methode zur Textbesprechung unter Lernenden im Unterrichtsfach Deutsch. Ziel ist es dabei, den Erstentwurf eines Textes im Anschluss an die Besprechung zu überarbeiten und zu verbessern. Die Schreibkonferenz geht in Form eines Gespräches von statten, das sich mit der Weiterentwicklung des Aufsatzes beschäftigt. Wie sich die entsprechenden Schülergruppen zusammensetzen, bleibt ganz der Lehrkraft überlassen. In jedem Fall braucht jede Gruppe einen Fachmann, das heißt einen guten „Schreiberling“, der den anderen mit Tipps und Tricks zur Seite stehen kann.

Schulen Sie Ihre Klasse

Wie so viele andere offene Methoden, können auch Schreibkonferenzen nicht ohne eine entsprechende Einführung abgehalten werden. Nicht nur fachlich sind die Schülerinnen und Schüler bei der Textbesprechung stark gefordert. Auch sozial müssen sie fit und gut geschult sein, um eine Konferenz zielorientiert und gewinnbringend umsetzen zu können. Folgende Grundsätze sollten im Vorfeld erarbeitet worden sein:

  • Die Lernenden sind erfahren im Bereich Gruppenarbeit.
  • Die Konferenz wird rein sachlich abgehalten.
  • Persönlichen Streitereien haben hier nichts zu suchen und dürfen die Meinung über die Arbeit nicht beeinflussen.
  • Fehler werden positiv und als Hilfe für einen Lernfortschritt gesehen. Sie bringen Verstehensprozesse in Gang.
  • Kritik wird sachlich vorgetragen und nicht persönlich genommen.
  • Positive Aspekte des Textes werden hervorgehoben und es wird nicht nur nach Fehlern gesucht.
  • Jeder Teilnehmer, unabhängig von seinem fachlichen Leistungsvermögen, darf sich äußern.

 

Legen Sie die Inhalte der Konferenz fest

Damit eine Schreibkonferenz zielorientiert und gewinnbringend abläuft, müssen die Schülerinnen und Schüler nicht nur sozial, sondern auch fachlich entsprechend vorgebildet sein. Jedem muss klar sein, welche Gesichtspunkte überhaupt untersucht werden sollen.

  • Erarbeiten Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern schon vorab einen Kriterienkatalog, der vorgibt, welche fachlichen Inhalte beleuchtet werden sollen.
  • Geben Sie den Teilnehmern die Untersuchungsreihenfolge vor und sorgen Sie damit für geordnete Verhältnisse.
  • Erstellen Sie einen Vordruck, auf dem Gesprächsergebnisse und Verbesserungsvorschläge notiert werden können. So können auch Sie mit verfolgen, was in den Teams besprochen wurde.

Geben Sie den Schülerinnen und Schülern in jedem Fall ausreichend Zeit, um sich mit den einzelnen Texten zu befassen und gegenteilige Ansichten ggf. in Ruhe und ohne zeitlichen Druck zu besprechen. Im Anschluss an jede Konferenz sollten Sie sich zudem Zeit nehmen, deren Abläufe zu reflektieren. Waren die Ergebnisse für den jeweiligen Schreiber gewinnbringend? Blieben die Diskussionen auf der sachlichen Ebene? Kam jeder zu Wort? Dies muss nicht unbedingt in Form eines Unterrichtsgespräches erfolgen. Die Reflexion kann auch schriftlich individuell oder im kleinen Verbund erfolgen.

Schreibkonferenzen mit festen Abläufen initiieren

Wie die genauen Abläufe einer Schreibkonferenz aussehen, bleibt ganz Ihnen überlassen. Im Folgenden finden Sie einen Vorschlag, der jedoch beliebig veränder- und erweiterbar ist.

  1. Der Text wird der Gruppe vom Schreiber vorgelesen. Es können auch Kopien angefertigt und verteilt werden, so dass jeder eine Ausführung in Händen hält.
  2. Nach einer Phase des „Auf-sich-wirken-Lassens“ äußern die Teilnehmer spontan ihre ersten Eindrücke.
  3. Die Schülerinnen und Schüler stellen dem Verfasser Fragen zum Textinhalt.
  4. Die Teilnehmer gehen den vorgegebenen Kriterienkatalog Punkt für Punkt durch. Dabei werden inhaltliche, sprachliche und orthographische Gesichtspunkte berücksichtigt.
  5. Der Verfasser markiert sich entsprechende Stellen im Text und notiert Verbesserungsvorschläge.
  6. Bevor der Text bei der Lehrkraft abgegeben wird, überarbeitet der Schreiber diesen.

Um den individuellen Fortschritt sehen können, lassen Sie sich immer beide Entwürfe vorlegen, also die erste Version des Textes und die, die nach der Schreibkonferenz entstanden ist. Sie werden überrascht sein, wie gut geübte Konferenzteilnehmer Texte be- und überarbeiten können.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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