Unterricht

Zweisam: Partnerarbeit im Unterricht

Partnerarbeit wird gern und oft im Unterricht eingesetzt und ist ein beliebtes Mittel, auch jüngere Schülerinnen und Schüler an einen fachlichen Austausch miteinander hinzuführen. Doch worauf muss die Lehrkraft dabei achten? Worin liegen der einerseits der Anspruch und andererseits der Ansporn für die Schülerinnen und Schüler?

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Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Partnerarbeit?

Bei der Partnerarbeit wird zwei Lernenden eine Aufgabe zugewiesen, die sie gemeinsam bearbeiten müssen. Um dies zu bewerkstelligen müssen sie sich evtl. erst „zusammenraufen“, bevor sie dann zielorientiert an ihrer Lösung arbeiten können. Bei dieser Sozialform lernen die Schülerinnen und Schüler also sowohl inhaltliche Aufgaben zu bearbeiten als auch den persönlichen Umgang mit anderen.  Je besser die Partner zusammenarbeiten, desto einfacher ist es, zu einer Lösung der Aufgabe zu gelangen.

Partnerarbeit fördert das thematische und das soziale Lernen

Bei der Partnerarbeit liegt eine große Herausforderung für die Lernenden darin, sich neben der eigenen Meinung auch noch mit einer zweiten, vielleicht konträren Sichtweise auseinanderzusetzen. Sie müssen sich für einen Austausch mit dem Partner öffnen und deren bzw. dessen Ansichten auseinandersetzen: Wo liegen gemeinsame Ansatzpunkte? Worin sind wir uns einig? Wie sollen die Aufgaben aufgeteilt werden? Anhand dieser Fragestellungen zeigt sich die mit dieser Organisationsform verbundene soziale Erziehung. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten nicht nur den fachlichen Aspekt der Aufgabe, sondern setzen sich auch mit dem Partner auseinander. Es geht darum, mit diesem in einen Dialog zu treten und offen zu kommunizieren. Treten Verständnisschwierigkeiten auf, müssen diese gemeinsam ausgeräumt werden. Das Thema „Helfen“ wird hier zum immanenten Lerngegenstand.

Partnerarbeit lässt sich schnell realisieren

Partnerarbeit können Sie zu jedem Zeitpunkt und äußerst unkompliziert in den täglichen Unterricht einbauen. Egal in welcher Phase des Unterrichts Sie sich befinden, können sich Ihre Schülerinnen und Schüler zum Beispiel über ihr Vorwissen, über ein aufgetretenes Problem, über verschiedene Lösungswege oder auch über gemachte Fehler austauschen. Auf ein Signal hin beginnen die nebeneinander sitzenden Partner ihre Gesprächsführung und auf ein weiteres Zeichen beenden sie diese auch wieder. Je öfter Sie diese Sozialform in Ihren Unterricht einbauen, desto routinierter werden sich die Abläufe einspielen.

Partnerarbeit sollte immer reflektiert werden

Wichtig ist in jedem Fall, die Qualität der Zusammenarbeit anschließend zu reflektieren. Die Schülerinnen und Schüler sollen kurz über ihre Eindrücke berichten.

  • Wie hast Du Dich mit Deinem Partner gefühlt?
  • Kam jeder zu Wort?
  • Ward ihr gleicher Meinung?
  • Traten Meinungsverschiedenheiten auf und wie wurden diese geklärt?
  • Hat jeder zu gleichen Teilen an der Lösung mitgearbeitet?
  • Seid ihr zu einem gemeinsamen Ergebnis gekommen?

Diese Reflexionsphase muss nicht lange dauern. Lassen Sie einige Schülerinnen und Schüler erzählen und geben Sie einzelnen dann selbst Rückmeldung, wie Sie deren Zusammenarbeit erlebt haben.

Arbeitsergebnisse der Partnerarbeit unbedingt präsentieren

Im Anschluss daran, gilt es die Ergebnisse der Partnerarbeit auszuwerten. Dies ist ein wichtiger Punkt, damit sich jedes Paar in seinen Bemühungen wertgeschätzt fühlt. An dieser Stelle können Sie verschiedene Wege gehen.

  • Sie können ein Gespräch in der Klasse einleiten, im Zuge dessen sich jeder einbringen kann. Dabei kann es gern zu Diskussionen zwischen den Teams kommen.
  • Die Schülerinnen und Schüler können ihre Ergebnisse individuell oder zu zweit schriftlich festhalten.
  • Gerade in Übungsphasen können die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse selbstständig, mit Hilfe des Partners oder eines Lösungszettels kontrollieren.

Das Für und Wider von Partnerarbeit

Wie jede andere Organisationsform hat auch die Partnerarbeit verschiedene Vor- und Nachteile, über die Sie sich bei Ihrer Unterrichtsplanung Gedanken machen sollten.

Vorteile der Partnerarbeit:

  • Der soziale Lerneffekt bei den Schülerinnen und Schülern ist sehr groß.
  • Die Kommunikationsfähigkeit des Einzelnen wird gefördert.
  • Partnerarbeit ist schon bei jüngeren Schülerinnen und Schülern gut einsetzbar.
  • Partnerarbeit ist in jeder Unterrichtsphase einsetzbar.
  • Partnerarbeit lässt sich schnell und unkompliziert im Unterricht einsetzen.

Nachteile der Partnerarbeit:

  • Arbeiten die Partner zielgerichtet an der Aufgabe?
  • Sind die Arbeiten gleichermaßen auf beide Partner verteilt?
  • Kann jeder auf seinem Niveau arbeiten?
  • Partnergespräche bringen oftmals Unruhe ins Klassenzimmer.
  • Partnerarbeit kann zu Streit und zu persönlichen Problemen unter den Teilnehmern führen.
  • Die Fähigkeit zum selbstständigen (und möglichst auch verantwortungsvollen) Arbeiten beider Partner ist Grundvoraussetzung für diese Arbeitsform. JS

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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