Unterricht

Sinnvolle Rituale für Schule, Klasse und Unterricht

Rituale bestimmen den Großteil des täglichen Miteinanders in der Schule. Sie können in verschiedenen Unterrichtsphasen eingebaut und unterschiedlich gestaltet sein, doch immer haben sie die gleiche Wirkung auf Kinder, wie auch Eltern und Lehrer: Rituale geben Sicherheit!

Fotolia 10770144 XS DN - Fotolia

Geben Sie klare Strukturen vor

Warum arbeiten Lehrer überhaupt mit Ritualen? Immerhin kosten sowohl die Einführung als auch die konsequente Umsetzung immer wiederkehrender Muster zum einen viel Zeit und zum anderen auch Energie.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Rituale strukturieren den zeitlichen Ablauf und das räumliche Geschehen innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers. Sie bringen organisatorisch gesehen große Erleichterung im Alltag, indem sie z.B. die Wechsel der Sozialformen optimieren und damit wertvolle Unterrichtszeit sparen bzw. Ruhe schaffen. Ein anderer Grund dafür, mit Ritualen zu arbeiten, liegt im sozialen Bereich. Rituale geben den Schülern Halt im täglichen Miteinander und bauen Ängste ab. Gerade Kinder, die Schwierigkeiten damit haben, sich auf neue Situationen einzulassen, können sich mithilfe der Riten auf Wiederkehrendes verlassen. Die Rituale sind ihnen nach kürzester Zeit bekannt und strukturieren den Unterrichtsvormittag auf eine vertraute Art und Weise. So fällt es ihnen leichter, sich auf all die anderen, neuen Inhalte einzulassen.

Kreieren Sie sinnvolle und auf Ihre Klasse abgestimmte Rituale

Im Unterrichtsalltag gibt es die verschiedensten Rituale. Einige davon finden Sie im Folgenden näher ausgeführt.

Welche Rituale für Ihre Klasse in Frage kommen, hängt natürlich immer von Ihren Schülern ab (Alter, Verhalten, Klassenzusammensetzung), aber auch von Ihrem „Status“. Für einen Klassenleiter mit vielen Wochenstunden in der Klasse ist es oftmals leichter, Rituale einzuführen und zu festigen als für einen Fachlehrer mit wenigen Stunden. Zudem spielt das jeweilige Unterrichtsfach eine wichtige Rolle.

Nicht jedes Ritual macht wirklich immer Sinn. Wägen Sie also selbst ab, welche der unten aufgeführten Riten in Ihrem Unterricht umsetzbar und sinnvoll sind.

Rituale für den Anfang bzw. das Ende des Schultages:

  • Begrüßungsrituale:
    - Stehkreis
    - Lied
    - Gebet
    - Begrüßung in anderen Sprachen
    - Wetterbericht in anderen Sprachen
  • Wochenplan (in der Zeit vor Unterrichtsbeginn):
    - Pflicht- und Zusatzaufgaben für Schnelle
    - Umfang und Themen je nach Jahrgangsstufe
    - Selbstkontrolle oder Korrektur durch den Lehrer
  • Verabschiedungsrituale:
    Stehkreis
    - Lied
    - Verabschiedung in anderen Sprachen
    - Reflexion über den zurückliegenden Tag: Dies kann z. B. über die Zuordnung verschiedener Symbole an einer Klassenwettertafel (Gewitter, bewölkt, sonnig) erfolgen.
    - Daumenzupfen: Die Schüler schließen die Augen und werden ruhig. Wer gezupft wurde, darf das Klassenzimmer verlassen.
  • Am Wochenanfang:
    - Klasseninterne Wochenvorsätze festlegen: Am Ende der Woche sollten diese reflektiert werden.
    - Erzählen vom Wochenende bzw. von den Ferien: Die Klasse trifft sich im Sitzkreis und Kinder erzählen z. B. mit einem Erzählstein von ihren Erlebnissen. Die Anzahl der Erzähler sollte vorher vereinbart werden.
    - Wochenend- bzw. Feriengeschichten schreiben und dann vorlesen

Rituale für eine ruhige Lernumgebung:

  • Ruhezeichen:
    - Klingel oder Klangschale: Beim Erklingen des Zeichens werden die Schüler ruhig, verschränken die Arme und schauen zum Lehrer.
    - Handbewegung: Der Lehrer macht die entsprechende Bewegung vor, die Schüler machen sie nach und stellen Gespräche ein.
    - Klatschen: Der Lehrer klatscht einen beliebigen Rhythmus vor, die Schüler stimmen ein und werden dabei still.
  • Aufräummusik:
    - Bei einem bestimmten Lied beginnen die Schüler aufzuräumen und sitzen im Anschluss daran leise an ihrem Platz.
  • Fantasiereise / Meditation
  • Vorlesen eines ausgewählten Klassenbuches
  • Schweigeminute:
    - Die Schüler sitzen eine Minute lang absolut still und bewegungslos. Spricht oder bewegt sich jemand, beginnt die Minute von Neuem.

Rituale für ein strukturiertes Arbeiten:

  • Wechsel in verschiedene Sozialformen:
    Die Schüler kennen ihren genauen Sitzplatz bei Gruppenarbeiten, im Sitzkreis oder im Halbkreis vor der Tafel. Außerdem wissen sie, auf welchem Weg und auf welche Weise sie sich in der entsprechenden Sozialform zusammenzufinden haben. Der Wechsel erfolgt auf ein bestimmtes Signal.
  • Differenzierungsmaterial:
    Die verschiedenen Arbeitsaufträge befinden sich an einem bestimmten Ort und sind je nach Leistungsvermögen frei wählbar. Die verschiedenen Schwierigkeitsgrade sind durch entsprechende Farben oder Symbole immer gleich markiert.
  • Hilfestellung bzw. Forscheraufträge:
    Diese befinden sich stets an der gleichen Stelle (z. B. an der Tafelrückseite) und sind für alle frei zugänglich.
  • Zeitwächter:
    Ein Schüler bekommt eine Eieruhr und stellt die vorgegebene Bearbeitungszeit ein. Anschließend achtet er auch auf die Einhaltung der Zeit und macht Schüler wie Lehrer darauf aufmerksam.

Rituale für ein gutes Miteinander:

  • Gesprächs- und Klassenregeln:
    Die gemeinsam erstellten Regeln sollten im Klassenzimmer aufgehängt und für jeden sichtbar sein. So kann der Lehrer bei Missachtung unverzüglich reagieren und auf die entsprechende Absprache hinweisen.
  • Klassendienste:
    Die zusammengetragenen Dienste werden für jeden sichtbar im Klassenzimmer ausgehängt. Sie wechseln in einem festen zeitlichen Rhythmus und nach einer bestimmten Reihenfolge. Die Qualität der Umsetzung und die Zusammenarbeit der Partner sollten am Ende der Dienstzeit reflektiert werden.
  • Kummerkasten:
    Die Schüler können ihren Frust aufschreiben und die Briefe dann in den Kasten einwerfen. Die Probleme werden regelmäßig im Plenum besprochen und geklärt (am besten in einer festgelegten Stunde am Ende der Schulwoche).
  • Klassenrat:
    Schüler tragen Streitigkeiten (Sitzungsinhalte) auf einem Vordruck ein und diese werden regelmäßig unter Leitung der Klassensprecher besprochen und geklärt. 

Rituale für besondere Tage:

  • Geburtstagsfeier:
    - Lied
    - Geburtstagspost: Mitschüler schreiben dem Geburtstagskind Karten, die dann im Sitzkreis vorgelesen werden.
    - Glücksstein: Ein vom Geburtstagskind ausgewählter Stein wird im Kreis herumgegeben und die Mitschüler drücken gute Wünsche hinein. Der Stein dient als Glücksbringer für das kommende Lebensjahr.
    - Geburtstagskerze: Diese wird zu Beginn der Feier angezündet und am Ende mit einem geheimen Wunsch ausgeblasen.
    - Spiel: Das Geburtstagskind darf sich ein Spiel aussuchen, z. B. für den Sportunterricht.
  • Adventsfeier:
    - Schmuck: Das Klassenzimmer weihnachtlich zu schmücken muss nicht sein, kommt bei jüngeren Schülern jedoch immer gut an.
    - Wichteln: Dafür bringt jeder Schüler ein verpacktes, geschlechtsneutrales Geschenk mit (max. 2 Euro). Nun darf sich jeden Tag ein anderes Kind ein Geschenk aussuchen.
    - Vorleseadventskalender: Möglich ist es auch, einen Geschichtenadventskalender für die Klasse zu besorgen. Dieser besteht aus einer fortlaufenden Weihnachtsgeschichte, die in 24 Einzelteile „zerlegt“ ist. Jeden Tag wird entweder durch den Lehrer oder durch einen Schüler ein Teil vorgelesen.

Rituale für die ganze Schule:

  • Klassensprecherkonferenzen:
    Die Leitung übernimmt ein Lehrer. Die Sitzungen finden in regelmäßigen Abständen statt und sind für alle Klassensprecher verpflichtend. Während der Sitzungen diskutieren die Anwesenden über verschiedene aktuelle Themen und suchen passende Lösungen.
  • Kummerkasten:
    Der Kummerkasten kann von Schülern wie Eltern genutzt werden.
  • Paten für die Neulinge:
    Die Schulneulinge bekommen ältere Schüler als Helfer zur Seite gestellt, die sie gerade am Anfang begleiten und in der Eingewöhnungszeit unterstützen.
  • Wohlfühlmotto:
    Hinter diesem Begriff versteckt sich ein monatlich wechselndes soziales Motto, das im Schulhaus ausgehängt wird und für alle gilt. Am Ende des Monats wird in den Klassen darüber reflektiert, ob und wie gut auf die Einhaltung des Mottos geachtet wurde.

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin an der Grundschule Mertingen und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: