Unterricht

Im Referendariat hinterfragt: Nacharbeit unter Aufsicht – pädagogisch sinnvoll?

Nacharbeit ist ein Szenario, das wohl allen Schülern ein Begriff ist. Egal, ob sie nur angedroht wird oder tatsächlich abgesessen werden muss – die Maßnahme geistert als „Schreckgespenst“ durch den Schulalltag – früher wie heute. Trotz oder gar wegen der langen Tradition ist die Frage nach der pädagogischen Sinnhaftigkeit einer Nacharbeit berechtigt. Beachtest du einige Prinzipien, dann greift der Strafeffekt und – noch wichtiger – es tritt eine Besserung des Schülerverhaltens ein.
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Die Nacharbeit ist laut GSO eine Erziehungsmaßnahme infolge einer Pflichtverletzung, die in der alleinigen Verantwortung der Lehrkraft liegt. Somit gelten zunächst die pädagogischen Leitlinien, die Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen allgemein zugrunde liegen. Das bedeutet, dass die Schuld des Schülers erwiesen sein muss, die Maßnahme muss begründet und gerecht sein und in engem Zusammenhang zur Tat stehen. Zudem musst du als Lehrkraft mögliche Nebenwirkungen bedenken und den Schülern auch die Chance bieten, ihre hoffentlich neu gewonnene Einsicht in die Tat umzusetzen.

Bei der Nacharbeit müssen die Schüler Versäumtes nacharbeiten. Das können Unterrichtsinhalte sein, die wegen permanenter Unaufmerksamkeit nicht aufgenommen wurden. Das kann aber auch Übungsstoff sein, der wegen häufig unerledigter Hausaufgaben nicht erfasst wurde. Zusätzlich sollen die Schüler zu einem pflichtbewussten Verhalten erzogen werden, die Lehrer hoffen also, dass eine Verhaltensbesserung eintritt, dass die Schüler zukünftig aufmerksamer sind oder gewissenhaft ihre Hausaufgaben erledigen.

Um beide Ziele zu erfüllen, muss eine Nacharbeit

  • im engen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit dem durch das Verhalten des Schülers versäumten Unterrichtsstoff stehen.
  • gut vorbereitet sein, damit der Schüler tatsächlich den Stoff nachholt, den er versäumt hat.
  • überprüft werden, damit dem Schüler die Ernsthaftigkeit der Maßnahme verdeutlicht wird.

Konkrete, praxisnahe Tipps:

  • Beaufsichtige die Nacharbeit selbst. Es besteht Aufsichtspflicht, theoretisch kann aber auch jeder andere Kollege die Aufsicht führen. Bist du selbst anwesend, zeigst du den Schülern, dass es auch für dich von Bedeutung ist, dass sie durch diese Maßnahme etwas lernen – schulische Inhalte und pflichtbewusstes Verhalten. Zudem kannst du die Schüler bei ihren Aufgaben betreuen, Hilfestellungen geben, Fragen beantworten … Der Lernerfolg ist somit eher gewährleistet, als wenn ein Kollege die Aufsicht führt, der den Inhalt der Aufgaben nicht kennt.
  • Korrigiere bzw. besprich die Lösungen. Dies signalisiert ebenfalls deine Wertschätzung der Maßnahme, außerdem ist es für den Lernerfolg unerlässlich, Fehler zu verbessern oder positive Rückmeldungen zu geben.
  • Stelle sicher, dass die vorbereiteten Aufgaben dem angeordneten Zeitumfang entsprechen. Ein Erziehungseffekt ist nur dann gewährleistet, wenn die Schüler auch „hart“ arbeiten müssen, also nicht den Großteil der Zeit nur absitzen, vielleicht malen, Kreuzworträtsel lösen oder die Zeit sonst irgendwie totschlagen.
  • Stelle sicher, dass den Schülern klar ist, welche Pflichten sie verletzt haben und in welcher Hinsicht sie sich bessern müssen.

Übrigens: Zahlreiche Übungsaufgaben und Zusatzmaterialien hierzu findest du auch in unserem Schulbuchsortiment, die zu fast jedem Schulbuch angeboten werden und zu denen es auch immer Lösungsbände gibt.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg.

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