Unterricht

Spickzettel sind nützlich – aber anders als man denkt!

Eigentlich ist es der Albtraum jedes Lehrers: Während der Arbeit liegt plötzlich ein Spickzettel auf dem Tisch. Wie geht man nun damit um? Dabei wird (fast) jeder zugeben, sich in der Schule auch mal einen Spickzettel gemacht zu haben. Was hat es mit diesen Zetteln auf sich, und welche Bedeutung haben sie eigentlich für das Lernen?
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Beim Lernen für eine Probe oder einen Test beginnt man erst einmal langsam, nötiges Wissen zu sammeln. Je näher dann der Test rückt, desto komprimierter wird gelernt, und in allerletzter Minute schreibt man sich noch einmal all das zusammen, was man unbedingt wissen muss. Der Spicker liegt dann in der Tasche, in der Federmappe oder auch an besonders findigen Plätzen, hinter ein durchsichtiges Lineal geklebt oder unter der Schuhsohle. Doch welch Wunder, die meisten Spickzettel sind oft nicht von Nutzen, denn entweder die Schüler können genau das, was auf den Zetteln steht, oder das, was darauf steht, wird nicht gebraucht.

Lerntechniken

Ein gut gestalteter Spickzettel hilft somit tatsächlich beim finalen Lernen. Genau hier steht die Vokabel, die man immer vergisst, die Grammatikregel, die unverständlich zu sein scheint, oder auch eine Formel, die irgendwie bisher nicht in den Kopf wollte. Mit dem Wissen, dass sie auf dem Zettel steht und dass man sie gerade noch konnte, gelingt es, das Wissen richtig anzuwenden.

Die folgenden beiden Beispiel zeigen, dass dies wirklich helfen kann:

www.spiegel.de/unispiegel/studium/pruefungen-ich-spicke-also-lerne-ich-a-491431.html

und

www.zeit.de/karriere/beruf/2013-02/tipps-leichter-lernen

Mit einer selbst angefertigten Formelsammlung z. B. kommen viele Schüler besser klar, als wenn sie diese einfach fertig gedruckt in die Hand bekommen. Wichtig ist jedoch, dass bis zu einem gewissen Grad jeder selbst bestimmen darf, wie die Notizen aussehen, denn jeder Mensch lernt anders und muss sich Notizen anders aufschreiben.

Nun ist es in der Schule jedoch normalerweise nicht üblich, einfach individuelle Spickzettel zu den Arbeiten zuzulassen – aber, wie in beiden o. g. Artikel beschrieben, braucht man die Spickzettel letztendlich gar nicht, da man die Inhalte sowieso kann.

Ein guter "Spickzettel" ist ...

Ein guter Lernansatz wäre es daher, den Schülern eine Anleitung zum richtigen Erstellen von Spickzetteln zu geben und sie dann dazu aufzufordern, einen individuellen Spicker zu fertigen. Der Umfang ist hier entscheidend, denn wird er zu groß, dann landen womöglich redundante Informationen darauf. Darum ist für Grundschüler (3./4. Klasse) ein DIN-A7-Blatt bis 1/8 DIN-A4-Blatt angemessen.

Es ist daher sinnvoll, den Schülern eine Anleitung zu geben, wie man einen guten Spickzettel erstellt. Vokabeln sollten z. B. gelernt und nur die aufgeschrieben werden, die man sich einfach nicht merken kann. Ähnlich ist es mit mathematischen Gleichungen, Fachbegriffen, kurzen Erklärungen … Der Trick dabei ist, dass jeder versucht, sich einen Sachverhalt so einfach und klar wie möglich zu notieren. Damit erklärt man es sich selber – und beherrscht es danach tatsächlich.

Der Spickzettel im Unterricht

Wie geht man nun im Unterricht bzw. einer Prüfungssituation damit um? Am besten gibt man den Schülern am letzten Tag vor der Arbeit wirklich die Aufgabe, einen Spickzettel anzufertigen. Kurz vor der Verteilung der Aufgaben können die Schüler noch einmal einen Blick auf ihre Notizen werfen, und diese werden dann vernichtet oder eingesammelt. Ein Verbleib beim Schüler, beispielsweise in der Hosentasche oder im Mäppchen, sollte jedoch absolut ausgeschlossen sein.

Wenn die Schüler damit Lernerfolge verzeichnen können, informieren Sie Ihre Kollegen – die Schüler werden begeistert sein!

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Die Mutter von sechs Kindern ist außerdem als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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