Unterricht

Umgang mit Unterrichtsstörungen – gewusst wie!

Störungen durch einzelne Schülerinnen oder Schüler stehen im Unterricht immer wieder auf der Tagesordnung. Sie können unterschiedlich in Erscheinung treten, in jedem Fall wird der geplante Stundenablauf jedoch unterbrochen und die Nerven aller Beteiligten werden strapaziert. Doch warum entstehen solche Unruheherde, wie können Sie als Lehrkraft diese Störungen bestmöglich verhindern und wie verhalten Sie sich „im Falle eines Falles“ richtig? 

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Gehen Sie auf Ursachenforschung

Störungen und Disziplinprobleme gibt es im Unterrichtsalltag immer wieder. Um ihnen konstruktiv entgegenzuwirken, gilt es, nicht nur konsequent gegen sie vorzugehen, sondern auch nach deren Ursachen zu forschen. Auf diese Weise können sie zukünftig vielleicht schon im Vorfeld vermieden werden. Also, stellen Sie sich die Frage, in welchen Situationen die Disziplinprobleme entstehen und schauen Sie genau hin. Die Ursachen können sowohl die Lehrkraft und deren Unterrichtsplanung als auch die Lernenden oder äußere Bedingungen betreffen.

  • Lehrkraft und Unterricht:
    Oftmals werden die Lernenden unruhig, wenn der Unterricht zu gleichförmig verläuft. Wechseln Sie deshalb öfter die Sozialform und planen Sie einen abwechslungsreichen und interessenbezogenen Unterricht.
  • Schülerinnen und Schüler:
    Unruhe kann auch dann entstehen, wenn die Lernenden über- oder unterfordert sind. Geben Sie ihnen deshalb die Möglichkeit, auf ihrem individuellen Niveau zu arbeiten. Fördern und fordern Sie Ihre Schülerinnen und Schüler – dann bleibt gar keine Zeit für fachfremde Aktivitäten.
    Achten Sie genau auf sog. „schwierige“ Schülerinnen und Schüler und weisen Sie diesen besondere Arbeitsaufträge zu. Übertragen Sie ihnen eine verantwortungsvolle Aufgabe und lenken Sie deren Aufmerksamkeit damit auf sinnvolle Aktivitäten. 
    Beobachten Sie Ihre Klasse auch ganz bewusst in Arbeitsphasen. Kommt Unruhe vielleicht dann auf, wenn in bestimmten Gruppenzusammensetzungen gearbeitet wird?
  • Äußere Faktoren:
    In welchen Phasen des Unterrichts wird es unruhig?
    Handelt es sich dabei z. B. um Übergangsphasen oder wird es erst gegen Ende des Vormittages lauter?
    Wie sind außerdem die räumlichen Bedingungen in Ihrem Klassenzimmer? Wie groß ist die Klasse?

Analysieren Sie diese Umstände genau, um die Störungsursachen zu erforschen und ihnen anschließend entsprechend entgegenwirken zu können. Nur wer seine Klasse genau kennt, kann konstruktiv an Disziplinproblemen arbeiten.

Die Lehrkraft als Wegbereiter für eine ruhige Arbeitsatmosphäre

Gerade wenn Sie eine Klasse neu übernehmen, sind Sie gefordert, wenn es darum geht ein Umfeld zu schaffen, in dem konzentriertes Arbeiten möglich ist.

Kinder und Jungendliche sind sehr fit bzw. schnell in der Einschätzung ihres Gegenübers. Das erste Auftreten der Lehrkraft bzw. der erste Eindruck von ihr ist wegbereitend für die Qualität der zukünftigen Zusammenarbeit. Überlegen Sie sich deshalb schon vorher, wie Sie Ihren Schülerinnen und Schülern begegnen möchten. Wichtig ist, dass Sie sich als Führungsperson präsentieren – was nicht heißen muss, sich autokratisch oder dominant vorzustellen. Achten Sie entsprechend auf Ihre Körpersprache, aber auch auf den Einsatz Ihrer Stimme. Fordern Sie von Ihren Schülerinnen und Schülern ab dem ersten Moment Respekt und treten Sie selbstbewusst auf. Zeigen Sie sich streng, bleiben dabei aber authentisch und verstellen sich nicht.

Ergreifen Sie vorbeugende Maßnahmen, um Störungen zu vermeiden

Nicht nur ein – im positiven Sinne – autoritäres Auftreten bzw. die Persönlichkeit der Lehrkraft kann helfen, Disziplinprobleme zu vermeiden. Es gibt noch viele andere Faktoren, die einer ruhigen und konfliktarmen Atmosphäre zuarbeiten. Einige von diesen Grundbedingungen sind im Folgenden aufgeführt.

  • Bereiten Sie einen abwechslungsreichen und schülerorientierten Unterricht vor, der das Leben und das Vorwissen der Lernenden einbezieht. Arbeiten Sie dabei mit wechselnden Arbeits- und Sozialformen und sorgen Sie dafür, dass sich die Schülerinnen und Schüler jederzeit einbringen können und im Idealfall natürlich auch wollen.
  • Planen Sie Pausen ein, damit alle Beteiligten kurz durchatmen und neue Kräfte schöpfen können. Damit bannen sie die Gefahr des Ausbrechens von Lernenden, wenn deren Konzentrationsfähigkeit erschöpft ist.
  • Führen Sie ein „Stillezeichen“ ein, dessen Gebrauch die Schülerinnen und Schüler zu mehr Ruhe auffordert. Fordern Sie diese Stille dann aber auch konsequent ein und sehen Sie davon ab, das Zeichen immer und immer wieder zu gebrauchen.
  • Mögliche Zeichen können eine bestimmte Handbewegung, ein Spruch, ein Gong, eine Klangschale oder Ähnliches sein.
    Wichtig: Die Konsequenzen, die für ein Nicht-Einhalten folgen, müssen den Lernenden vorher klar sein.
  • Viele Kollegen arbeiten mit einem Countdown, der die Schülerinnen und Schüler zur Ruhe hinführen soll. Zählen Sie diesen in gleich bleibendem Tempo nach unten und verlangen Sie bei null absolute Ruhe. Wenn dies nicht der Fall ist, handeln Sie nach den abgesprochenen Regeln.
  • Loben Sie die Lernenden für einen störungsfreien und ruhigen Unterrichtsvormittag. Überlegen Sie sich eventuell ein Belohnungssystem, das Sie individuell, gruppen- oder plenumsweise anwenden können.

Wenn Sie eine disziplinierte Lernumgebung für selbstverständlich halten, werden sie früher oder später enttäuscht werden, denn dies ist ohne Zutun in der Realität leider nur selten der Fall. Vielmehr werden Sie als Lehrkraft in diesem Bereich immer wieder aufs Neue auf die Probe gestellt werden.

Nur wer konsequent ist, wird auch ernst genommen

Um störenden Schülerinnen und Schülern in angemessener Art und Weise entgegentreten zu können, sollten Sie sich schon vorher Gedanken über mögliche Rituale, Regeln und Konsequenzen machen. Auch wenn Sie die Feinheiten des Regelwerkes mit Ihren Schülerinnen und Schülern gemeinsam ausarbeiten und festlegen möchten, brauchen Sie zuvor einen Plan, wie Sie Disziplinprobleme vielleicht schon im Voraus vermeiden bzw. wie Sie ggf. auf diese reagieren wollen.

Sicher ist: Die Lernenden verlangen sinnvolle Regeln, an die sie sich halten können. Arbeiten Sie diese deshalb gemeinsam mit ihnen aus, denn nur so fühlen sich alle ernst genommen und nehmen die getroffenen Absprachen auch an. Jedem Beteiligten sollte außerdem klar sein, welche Konsequenz auf welchen „Fehltritt“ folgt. Die Schülerinnen und Schüler wissen damit stets schon vorher, was sie erwartet und haben so auch nicht das Gefühl willkürlich bestraft zu werden.

Doch selbst die besten und sinnvollsten Regeln helfen nichts, wenn damit nicht gearbeitet bzw. danach gehandelt wird. Darum

  • achten Sie konsequent auf die Einhaltung der Regeln,
  • zeigen Sie sich in jeder Situation im positiven Sinne berechenbar,
  • geben Sie nicht nach und machen Sie keine Ausnahmen,
  • bleiben Sie in Stresssituationen ruhig und
  • begründen Sie entsprechende Konsequenzen mit der aufgestellten Regel.

Ermahnungen ohne Ende? Auf gar keinen Fall!

Wer kennt die folgende Situation nicht? Ein Schüler fällt immer wieder negativ auf und wird daraufhin mit mannigfaltigen Ermahnungen und Drohungen konfrontiert, von denen aber keine wirklich in Kraft tritt. Inkonsequenzen dieser Art durchschauen und nützen Schülerinnen und Schüler schneller als man denkt! Um sich und die Lernenden davor zu schützen, vereinbaren Sie von Beginn an eine genaue Vorgehensweise und angemessene Sanktionen bei Fehlverhalten. Legen Sie sich auf eine bestimmt Anzahl von Ermahnungen fest, bevor die entsprechende Konsequenz folgt.

Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten, den Schülerinnen und Schülern ihren  „momentanen Stand auf der Ermahnungsskala“ zu verdeutlichen 

  • Rote und gelbe Karten: Bei der ersten Ermahnung erhält der Betreffende eine gelbe Karte, bei der zweiten eine rotgelbgestreifte und bei der dritten folgt die rote Karte, die Zusatzarbeit bedeutet.
  • Wetterkarten: Die störende Schülerin bzw. der störende Schüler wandert nach jeder Ermahnung eine Wetterlage weiter und steuert im negativen Fall direkt auf eine „Schlechtwetterfront“ zu (Sonne, Regen, Gewitter). Am Ende folgt das Unwetter, d.h. eine Strafe.
  • Steine: Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine verabredete Anzahl an Steinen. Für jedes Fehlverhalten müssen sie einen Stein abgeben. Wenn der letzte Stein weg ist, folgt eine Zusatzaufgabe.
  • Strichliste: An der Tafel werden die Namen der störenden Schülerinnen und Schüler namentlich festgehalten und bekommen für jede Störung einen Strich. Nach einer festgelegten Zahl an Strichen, bekommen Sie eine Zusatzaufgabe.

Manche Kollegen handhaben es auch so, dass nur derjenige mit der höchsten Anzahl an Strichen am Ende des Vormittages mit einer Strafe rechnen muss.

Bei all den Tipps gilt jedoch, dass Sie Ihren eigenen, KONSEQUENTEN Weg finden, der zu Ihnen und Ihren pädagogischen Prinzipien passt.

Wichtig ist, dass Sie im Anschluss an eine Ermahnung den dahinterstehenden Grund mit dem jeweiligen „Störenfried“ reflektieren, um ihr bzw. ihm das Fehlverhalten noch einmal vor Augen zu führen und bewusst zu machen. 

Konsequenzen für Störungen ja – aber bitte sinnvoll!

Wer kann sich nicht an diese „Strafarbeiten“ erinnern, bei denen seitenweise aus einem Buch abgeschrieben werden musste? Oftmals handelte es sich den Ordnungsmaßnahmen um sinnlose Beschäftigungen,die in erster Linie den Betroffenen nur Zeit kosteten und entsprechend den Ärger darüber schürten.

Kann man es anders machen? Auf jeden Fall! Finden Sie sinnvolle Zusatzaufgaben, die die entsprechende Schülerin bzw. den entsprechenden Schüler oder aber auch die ganze Gemeinschaft weiterbringen. Die jeweiligen Konsequenzen sind natürlich situations- und schülerabhängig auszuwählen. Im Folgenden finden Sie Vorschläge für sinnvolle Zusatzaufgaben:

  • fachspezifische Aufgaben: zum Thema passendes Übungsmaterial erstellen, Referat vorbereiten
  • bei Unordnung: saubermachen, aufräumen
  • bei Verspätung: länger dableiben
  • variabel: Aufsatz über Fehlverhalten mit guten Vorsätzen schreiben
  • im Extremfall: in eine andere Klasse schicken, eventuell eine

 

 

Die Autorin Julia Schlimok ist Lehrerin und betreut seit mehreren Jahren regelmäßig Lehramtsanwärterinnen und -anwärter im 1. Ausbildungsjahr.

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