Soft Skills und die Schule

Während noch vor einigen Jahren Schüler nach reinem Fachwissen beurteilt wurden, spielen ihre sozialen Kompetenzen inzwischen eine immer größere Rolle. Auch wenn die Hauptaufgabe der Erziehung gleichbleibend bei den Eltern liegt, wird ein immer größerer Teil in die Schule verlagert. Außerdem zeigt sich, dass viele Schüler im Bereich der Soft Skills immer größere Defizite haben.
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Die einzelne Persönlichkeit stärken

Zunächst einmal müssen die Kinder den Umgang mit sich selbst lernen. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sollten gestärkt werden. Erst an zweiter Stelle stehen Selbstwirksamkeit und Selbstbeobachtung, aus denen dann Eigenverantwortung und Disziplin hervorgehen können. Nur Menschen, die mit sich selbst zufrieden sind, können kritisch mit ihrer eigenen Person umgehen.

Das können Sie erreichen, indem Sie die einzelnen Persönlichkeiten stärken und unterstützen. Häufig ist störendes Verhalten ein Ausdruck von mangelndem Selbstwertgefühl. Es ist daher z. B. auch wichtig, Klassenzimmer so zu gestalten, dass sich Schüler in ihnen wohlfühlen, in denen sie sich willkommen fühlen. Eine vorbereitete Umgebung bedeutet aber nicht, dass alles fertig und perfekt sein muss. Lassen Sie diese gemeinsam mit den Schülern entstehen, sodass sich hier die einzelnen Persönlichkeiten der Klasse widerspiegeln.

Auch der Umgang mit den Leistungen der Schüler ist extrem wichtig. Würdigen Sie auf jeden Fall, was der Einzelne geleistet hat. Kein Schüler darf einem permanenten Vergleich mit anderen ausgesetzt werden, sondern jeder muss sich an seinen eigenen persönlichen Fortschritten erfreuen.

Der Umgang mit anderen

Gerade in der Schule ist es wichtig – völlig unabhängig von Alter oder Klassenstufe –, den Umgang mit anderen zu erlernen und diesen mit Respekt, Toleranz und Hochachtung zu begegnen. Die Schüler sollen lernen, Hilfe anzubieten und mit anderen mitzufühlen. In Diskussionen müssen sie für ihre Rechte eintreten können, aber gleichzeitig auch kompromissbereit sein. Kritikfähigkeit und Wertschätzung sind miteinander ganz fest verbunden. Wer die Arbeit der anderen wertschätzt, ist auch in der Kritik gegenüber anderen fair.

Weiterhin sollten Sie das Verhalten Ihrer Schüler so unterstützen, dass sie für andere eintreten und Zivilcourage zeigen. Dazu zählt ein guter Zusammenhalt in der Klasse und auch die Fähigkeit, anderes – auch im interkulturellen Bereich –, zumindest zu akzeptieren.

Aufgabe der Schule

Die Vermittlung dieser Kompetenzen ist natürlich primär Aufgabe der Familie. Doch diese sind damit oft überfordert, und so wird dies zur Aufgabe der Gesellschaft und damit eben auch zur Aufgabe der Schule.

Wie soll das alles klappen?

Natürlich klingt das alles gut und richtig, doch wie soll das alles umgesetzt werden? Schülerinnen und Schüler lernen besonders viel durch Vorbilder und Nachahmung. Darum sind die wichtigsten Personen in der Schule die Lehrer, und somit auch Sie als Referendar, die genau diese Werte den Schülern vorleben sollten. Die Wertschätzung des einzelnen Schülers ist genauso wichtig wie die Hochachtung vor den Leistungen. Jeder individuelle Fortschritt muss gewürdigt und auch mit der nötigen Anerkennung beachtet werden.

Dabei gibt es nicht nur einen einzigen richtigen Weg, sondern es kann viele verschiedene geben. Gleichzeitig aber müssen Regeln beachtet und eingehalten werden, die im Zusammenleben einer Gruppe von Wichtigkeit sind. Eine gesunde Mischung aus Toleranz und Konsequenz muss für jede Lerngruppe genau geplant und individuell angepasst werden.

Fazit

Im Bereich der Vermittlung sog. Soft Skills hängt sehr viel mehr vom Lehrer ab, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Wenn eine Klasse besonders durch ihre soziale Kompetenz auffällt, so ist dies in der Regel das Werk des oder auch der Lehrer, die in der Klasse unterrichten.

Manon Sander hat als Lehrerin an Grund-, Haupt- und Realschulen unterrichtet. Sie ist Lehrbeauftragte an der Universität in Bielefeld und betreut dort die Lehramtsstudierenden im Praktikum. Frau Sander ist außerdem akademische Mitarbeiterin am Institut für Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule. Die Mutter von sechs Kindern ist als Autorin für verschiedene Verlage und Magazine tätig.

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