Unterricht halten

Unterrichtsgestaltung mit aggressiven Kindern

Unter aggressivem Verhalten kann sich jeder etwas vorstellen, allerdings können diese Vorstellungen stark voneinander abweichen. Auch die Wissenschaft bietet nicht die eine, allgemeingültige Definition von Aggression, sondern benennt verschiedene Phänomene. Wird in folgendem Artikel von aggressiven Schülern gesprochen, geht es um Schüler, die ihre Klassenkameraden zu verletzen versuchen oder zu verletzen drohen – tätig oder verbal. Vorgestellt wird eine Reihe von Maßnahmen, die helfen, in einem gewalttätigen Umfeld Unterricht zu gestalten, die Opfer zu schützen und die Gewalt zu vermindern.
Fotolia 53214031 XS Gilmour - Fotolia

Um Probleme mit aggressivem Verhalten innerhalb einer Klassengemeinschaft zu lösen, genügt es nicht, Lehrern Tipps für den Umgang mit einzelnen schwierigen Kindern an die Hand zu geben. Die Mitschüler müssen in ein Programm zur Gewaltverminderung mit einbezogen werden. Als drei übergeordnete Ziele gelten:

  • die Täter bremsen
  • die Opfer stärken
  • die Zuschauer aktivieren

In diesem Zusammenhang sind grundsätzlich folgende Prinzipien zur Aggressionsverminderung hilfreich:

  • Vermeidung von Herabsetzungen
  • Einfühlung in andere
  • Vorsicht bei Schuldzuschreibungen
  • Klären von Werten und Verhaltensnormen
  • Herausstellen positiver Modelle
  • Bekräftigen erwünschten und das Nichtbekräftigen unerwünschten Verhaltens
  • Anbieten alternativer Lösungen

Ein wichtiger Bestandteil der Unterrichtsgestaltung sind regelmäßige Gesprächsrunden in der Klasse, in denen zunächst gemeinsam Grundregeln für den Schulalltag erarbeitet werden. Ein Plakat, das für alle gut lesbar im Klassenzimmer aufgehängt wird, könnte folgende Punkte enthalten:

  • Wir schlagen, rempeln, boxen niemanden.
  • Wir beschimpfen, beleidigen, verhöhnen niemanden.
  • Wir grenzen niemanden aus.
  • Wir versuchen, Angegriffene zu schützen.

Zudem soll die Lehrkraft die kommunikativen Fertigkeiten der Schüler entwickeln und fördern. Es ist wichtig, die positive Wirkung von Ich-Botschaften hervorzuheben und den Stellenwert des Zuhörens zu vermitteln.

Weiterhin sind Rollenspiele zu Konfliktsituationen hilfreich, um den Schülern die Täter- wie auch die Opferrolle hautnah zu verdeutlichen. Dazu stellt die Lehrkraft den Sachverhalt kurz vor, und die in Kleingruppen organisierten Schüler schlüpfen in die verschiedenen Rollen, besprechen sich und spielen den Konflikt nach einer kurzen Phase des Übens den Klassenkameraden vor. Anschließend äußern sich die Darsteller zu ihren Gefühlen, das Publikum soll Lösungsvorschläge einbringen.

Die Rolle der aktiven Zeugen soll ebenfalls Gegenstand eines Rollenspiels sein, um den Schülern zu demonstrieren, inwiefern man als Zuschauer kooperativ eingreifen, schützen oder Hilfe holen kann.

Auch die Anleitung und Stärkung typischer Opfer sollte Thema sein. So muss die Lehrkraft klarstellen, dass Gewalt melden kein „Petzen“ ist. Es kann hilfreich sein, „Schutzengel“ zu bestimmen oder zu wählen, die dem Opfer – nicht nur im Rollenspiel – direkt zur Seite stehen.

Neben den Rollenspielen bietet auch die Besprechung fiktiver oder realer Fälle Möglichkeiten zur Einfühlung. Im Deutschunterricht, aber auch in den Fremdsprachen ist immer wieder Raum für derartige Themen. Man kann den Schülern beispielsweise einen Text vorlegen, der eine Konfliktsituation schildert, die Lösung dafür aber noch nicht bietet. Diese soll erarbeitet werden, und die einzelnen Vorschläge können als Anknüpfungspunkte für eine Liste mit positiven Verhaltensweisen dienen.

Grundsätzlich gilt: Das Aufbauen des erwünschten Verhaltens ist wichtiger als das Abbauen des unerwünschten. Folgende Erziehungsprinzipien können im Dienste eines reibungslosen Unterrichts stehen:

  • Das erwünschte Verhalten selber vorleben.
  • Positives Verhalten auch positiv bekräftigen.
  • Regeln erläutern, die erwünschtes Verhalten wie auch die Grenzen des Erlaubten klarmachen.
  • Konflikte gemeinsam regeln.
  • Aggressives Verhalten stoppen, tadeln und bestrafen.

Die Autorin Patricia Mayer unterrichtet seit mehreren Jahren Deutsch und Geschichte. Sie war Mitarbeiterin an einem Forschungsprojekt über mittelalterliche Handschriften im Bereich „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ an der Universität Augsburg. Frau Mayer befindet sich seit Ende August 2014 im Mutterschutz mit anschließender Elternzeit.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: